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Gährung in der Armee.
7. Buch.
katen wollten ihren Einfluß mit seinem Gewinnst bewahren, Alle riefenleidenschaftlich die Idee zurück, daß die Kammer bald aufgelöst und ihreSache den Gefahren einer Neuwahl überlassen werden sollte. Ueberdiesempörte sich ihr Verstand gegen die sociale Unwichtigkeit, den mysti-schen Unverstand, die hochmüthige Zuchtlosigkeit der reformireudenSoldaten. Wie konnte man den Royalistcn und Presbyterianern gegen-über eine Regierung mit einer unlenkbaren Partei begründen, die sowahnwitzig war, daß sie ihre einzige Stütze, die Einigkeit des Heeres,täglich gefährdete. Wie konnte man im Namen der Träume unbekann-ter Sektirer so viele alte und geachtete Thatsachen und Rechte angrei-fen? - In Folge dieser Träume bemächtigte sich jedoch im ganzenReiche des gemeinen Volks eine bis jetzt unbekannte Gährung. Dieschönen, verworrenen Ideen von unbedingter Gerechtigkeit, die oft er-stickten, aber im Herzen des Menschen nie verlöschenden leidenschaftlichenWünsche nach gleichem Glück, brachen mit ihrer blinde» und rasendenZuversicht aus allen Seiten hervor, und selbst die Häupter, die sie nichtanhören wollten, wußten nichts darauf zu antworten, da sie im Grundedie Principien billigten, in deren Namen man solche Wünsche aussprach.
Deshalb waren auch ihre ersten Maßregeln nachgiebig und schwan-kend. Das Parlament erklärte, daß die beiden Flugschriften ein Attentatauf die Regierung des Reichs seien, und daß sie deren Verfasser ge-richtlich verfolgen würden, zu gleicher Zeit aber auch, den Republikanernzu gefallen, daß der König gehalten sei, Alles was das Parlament vor-schlüge, zu genehmigen. Der in Putney versammelte Generalrath derOfferiere berief die hauptsächlichsten Agitatoren in seinen Schoß undein Ausschuß, in welchem mehrere von ihnen saßen, erhielt den Befehl,so schnell als möglich über ihre Forderungen Bericht zu erstatten. Baldbrachte der Ausschuß auch dem Parlamente einen Entwurf zu Vorschlä-gen, worin die meisten dieser Forderungen aufgenommen waren, sichaber auch der Name und die wesentlichen Vorrechte des Königs vorfanden.Die Agitatoren beschwerten sich laut darüber, und man versprach ihnenin einer der nächsten Berathungen die Frage, ob die königliche Würdeweiter fortbestehen soll, frei zu besprechen. An dem bestimmten Tageverließ aber Jreton plötzlich den Rath, indem er betheuerte, daß er niewieder in denselben zurückkehren würde, wenn man dergleichen Gegen-stände auch nur anregen wolle. Die Debatte wurde auf den folgendenMontag, den 6. Nov. anberaumt, und um ihr entweder nochmals aus-zuweichen, oder weil man von den Soldaten im Allgemeinen aus mehrNachgiebigkeit hoffte, wurde beschlossen, das ganze Heer zu einer allge-meinen Versammlung, in der es seine Gesinnung gemeinschaftlich aus-sprechen könne, einzuberufen. Aber Cromwell, der dieses Mittel vorge-