8. Buch. Cromwell'S Aussöhnung niit den Agitatoren.
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welche scheinbare Wirkung er auch haben mochte, verdächtig, und dieRepublikaner betrachteten sein Benehmen bei der Versammlung vonWare als einen neuen Beweis seiner Verrätherei. Ludlow widersetztesich im Parlamente dem Dank-Votum. Der Prediger Saltmarsheilte aus seiner Grafschaft herbei, um, wie er behauptete, auf ausdrück-lichen Befehl Gottes den Generalen zu verkündigen, daß der Herr sichvon ihnen abgewendet, weil sie seine Heiligen gefangen hielten. Endlich,nach einigen Augenblicken der Betäubung, erklärte eine große Anzahlvon Officieren, Unterofficieren und Soldaten und fast alle revolutionäreRädelsführer der Regimenter, Cromwell und Jreton, daß weder Strengenoch Unfälle sie von ihrem Vorhaben abziehen würden; sie seien entschlossensich des Königs zu entledigen und eine republikanische Verfassung einzu-führen, und wollten, selbst auf die Gefahr hin Alles zu verlieren, dieArmee entzweien und mindestens zwei Drittel derselben für ihre Sachegewinnen und eher für sich allein ihr Unternehmen verfolgen, als sichbändigen lassen. Cromwell sah sich vor, sie zu diesem äußersten Mittelzutreiben, seine Absicht war nur gewesen, durch ein großes Beispiel demUeberhandnehmen der Anarchie im Heere ein Ziel zu setzen; er kannteüberdies die Stärke der Fanatiker und dachte schon an nichts anderes alssich mit ihnen zu versöhnen. Ohne sich förmlich für die Republik zuerklären, sagte er Allen, die zu ihm kamen, viel Nachtheiligesvom Könige,gab zu, daß ihre Hoffnung aufihn vergeblich sei, gestand ein, daß ihn selbstder Ruhm der Welt einen Augenblick geblendet und er nicht vermochthabe, das Werk des Herrn klar zu unterscheiden, noch sich einzig undallein auf seine Heiligen zu verlassen. Er demüthigte sich darüber vorihnen und bat, daß sie den Himmel für ihn um Verzeihung flehenmöchten. Die beliebtesten Prediger, unter andern Hugh Peters, einränkesüchtiger, schwatzhafter Enthusiast, bemühten sich seine Betheuerungenund Bekenntnisse überall auszubreiten. Cromwell ließ sogar denverhafteten Soldaten beruhigende Zusicherungen überbringen. Mit derunerschütterlichsten Festigkeit bestand er jedoch auf der NothwendigkeitEintracht und Ordnung in der Armee zu handhaben, als dem einzigenMittel des Erfolgs und der Rettung. Viele vertrauten seinen stetsfeurigen und mächtigen Worten; Andere, weniger Geblendete, fühltendie Nothwendigkeit seines kräftigen Geistes und konnten sich nicht ent-schließen seine Reue von sich zu weisen, obschon sie an ihr zweifelten.Die Meisten übrigens bestätigten, daß die Agitatoren zu schnell und zu weitgegangen, und daß das Heer sein-n Führern mehr Unterwürfigkeit undEhrfurcht schulde. Rainsborough, Scott und Ewers gestanden frei-willig ihr Unrecht ein und versprachen für die Folge mehr Klugheit.Endlich fand eine allgemeine Versammlung im Hauptquartier statt;
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