J&s ist eine nnwnstössliche, durch die Geschichte aller Zeiten bekräftigteWahrheit, dafs die Architektur, ihre Ausbildung und ihr Gedeihen, nur vondem Mittelpunkte der Staaten aus, und durch das, ivas von den Regierungenund dem gemeinen Wesen dafür geschieht, auf eine kräftige und belebende Artbefördert werden können. Denn indem, um hie für nur eine Ursache anzuführen,die Summen, welche in einem Staate auf die Ausführung eines Bauwerkesverwendet werden, auf verschiedenen Wegen auch dem Staate wieder zu-fliessen, so bedingt die Thätigkeit in diesem Fache für ihn ein stetes Erneuernder Kräfte, welches bei dem Privatmanne und seinen architektonischen Unter-nehmungen, wie begreiflich nicht, einlrelen kann. Schon defshalb nun konntensowohl in Priester-St aalen cds in Königreichen und Republiken, immer nur vondenen, welchen die höchste Gewalt anvertraut war, die technischen und ar-tistischen Kräfte und Fähigkeiten auf eine Art in Bewegung gesetzt werden,welche den plastischen Typus einer Zeit zu bilden im Stande war. Erst nach-dem dieses geschehen, verzweigte und vereinzelte sich derselbe dann, wenn erwir klich ein inneres Lebens-Prinzip in sich halle, und nicht blos auf Mode odergar individuellem Geschmacke einiger Machthaber beruhte, durch alle Stufenhinab, bis zu den äufsersten Gränzen der Gesellschaft und ihrer Bedürfnifse.
Wie im Mittelpunkte älterer und neuer Steuden, bildete sich so die Kunstin Athen , Rom und Florenz , und verzweigte sich von dort aus bis in die ent-ferntesten Theile der edlen und neuen Welt. Was Perikies, weis August und dieAntonine, weis Carl der Grosse, die schwäbischen Kaiser, die Mediceer, unddie kunstliebenden Päbste des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts Plasti-sches schufen, weckte den Kunstsinn ganzer Reiche, und vereinzelnle sich tausend-fach im Streben der Grofsen und, Kleinen.
Es ist nun zwar nicht zu läugnen, dcifs die praclische Ausübung und An-wendung der Architektur und Kunst, wie sie von einer ursprünglichen Staats-bildung stets herbeigeführt wird, hierin am kräftigsten wirkt: jedoch bietet,bei langer Dauer eines Staates nicht jede Zeit Gelegenheit'dar, diese practische