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Anweisung zur Architectur des christlichen Cultus / von L. von Klenze
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Eleusinisclien Weihen zusammen, so müssen wir den hohen Werth und die Würde der wenigstensin der noch acht griechischen Zeit dort gelehrten Dogmen und Moralbegriffc anerkennen, obwohl wires auch auf der andern Seite ganz erklärlich linden, dass die ersten Christen und besonders die Kirchen-väter so sehr dagegen eiferten. Denn thcils wissen wir, dass den Christen die Aufnahme in diese Mysteriendurchaus untersagt war, und also die Kirchenväter nicht genau darüber unterrichtet seyn konnten} theilswar es klug und recht, die ganze Wahrheit der Offenbarung, da sie einmal erkannt war, rein von allemfrüheren Forschen danach hinzustellen, zu verbreiten und zum schnellen Siege dieser Wahrheit Gesell-schaften aufzulösen, worin sie noch immer von materiellem Beiwerk und sinnlichen Irrthümcrn umgebenwrnr. Dieses darf uns aber jetzt nicht hindern, den Werth dieser Geheimlehren selbst im Sinne desChristenthums anzuerkennen, da wir aus unumstösslichen Zeugnissen wissen, dass der Glaube an einenGott, die Unsterblichkeit der Seele, die geistige Palingenesie, die reine Lehre der Emanation undRückkehr, sowie die Läuterung der Materie durch den Geist unter ihre Hauptsätze gehörten. Eben sobewährt uns Isokratcs, dass die Eleusinisclien Mysterien die Unsterblichkeit der Seele verkündeten,Plato , dass sie den unreinen Zustand des Menschen, ehe er diese Lehren empfangen, lehrten} undPlutarch schildert uns die Freude des Eingeweihten , wenn er aus dem Zustande exoterischen Irrthmu s>in diesem Tempel der Erltenntniss und Hoffnung eingeführt ward durch das Sprichwort:av^eh [zvopevosoSv^srut: Glücklich der, welcher die Augen öffnet!

Um aber das Wenige, was wir hierüber frühere Religionen und ihre Verwandtschaft zum Chris-tenthumc gesagt haben, mit dem was unser Zweck ist zu verknüpfen, glauben wir als Resultat annehmenzu können, dass der innere Geist, besonders der griechischen Religion, so viele Beziehungen zum Chris-tenthume hatte, dass, was wir auch wirklich in den schönsten Zeiten des letzteren werden eintretensehen, beider liturgische Bedürfnisse auf ein und demselben architektonischen Wege befriediget werdenkonnten, ohne dass eine Disharmonie der innern und höchsten Lehren, und der äusscrlichen Gestaltungdes ihnen geweihten Dienstes und seiner äusseren Umgebungen hervorträtc. Dieses jedoch bedingt, wiewir weiter unten zeigen werden, nur das Princip, keineswegs aber eine strenge Nachahmung oder Be-schränkung auf äussere Form und ihre Einzelnhciten Doch -wir glauben schon genug über diesen Theilunserer Untersuchung gesagt zu haben, und wollen nun suchen, unserer Ansicht über christliche Bau-kunst, festere Stützpunkte auf dem sichern historischen Wege zu finden.

Xu stund Jfudäus während der Menschwerdung Christi', undwährend der Ausbreitung des Christenthuins.

Die Juden waren zu allen Zeiten, was sic noch sind: ein höchst bildsames, sich äusserlich leichtin jedes Landes und Volkes Sitten fügendes Volk, welches dabei seine innere Eigentümlichkeit nieaufoplerte. Stets dein Gesetze treu waren sic in allem Aeusserlichen leicht dem ägyptischen und späterdem phönizischcn Einflüsse gefolgt, und chakläisirtcn sich, während sie nach Nabuchodonosors Tem-pelzerstörung bis zur Zeit des Cyrus in Medien verweilten. Dass sie von hier aus, wo damals schonviele Griechen verkehrten, schon einige Spuren griechischer Bildung, Sprache und Kunst mit nach Judäa