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und Einzelnheiten sollten und mufsten hier unberücksichtiget bleiben. So ent-stand gegenwärtiges Werk über christlich- liturgische Architektur anfänglichnicht für die Oeffentlichkeit bestimmt, sondern nur in wenigen Abdrücken an dieRegierungs-Behörden in Bayern vertheilt. Aber bald erhielt ich von allen Seitendie dringendsten Aufforderungen öffentlicher Bekanntmachung, und nur die völ-lige Unmöglichkeit einer grossen practi sehen und artistischen Wirksamkeit, auchnur die wenige Zeit, welche eine neue Durchsicht, des Textes und der Hupfer-Tafeln erforderte, abzugewinnen, hat mich bis jetzt davon ab gehalten. Bei ei-nigen endlich eingetretenen Mussetagen habe ich dem, Texte Vieles, Einiges nurden Kupfertafeln hinzuzufügen gefunden.
Dieses nun ist die Veranlassung und der Plan gegenwärtigen Werks, inwelchem, ich ohne alle Amnassung suchen möchte, wenn auch nur * den erstenGrundstein zu einem allgemeinen Stützpunkte der schwankenden Ideen zu legen,welche seit langer Zeit schon im Allgemeinen so wie in Teutschland über dieArchitektur, und besonders den liturgischen und mithin wichtigsten Theil derselbenherrschen. Man richte den Blick nach allen Seiten; welche Verschiedenheit, welchePerwirrung tritt uns hier in der Wirklichkeit und Meinung entgegen. In den Grot-ten-Kirchen Abyssiniens, in heidnischen Tempeln, in Basilicken, maurischen Mo-scheen , lombardischen, byzantinischen und teutschen Domen, in den schwerfälli-gen überfüllten Pfeilerkirchen des siebenzehnten Jahrhunderts, und in ganz kunst-und schmucklosen Sälen wird der Name des Erlösers verherrlicht. Selbst Born, dieserStützpunkt der katholischen Kirche , hat, obwohl darin am consequentesten, dochdem Aeusserlichen derselben kein festes Princip gewinnen können. Welcher Ab-stand, welche Verschiedenheit, welcher Mangel an Typus ist auch dort, selbstunter solchen Gebäuden bemerklich, die ursprünglich zu christlichen Kirchen ge-baut, wurden f Zwischen San Paolo fuori delle mura zum Beispiel und SandPeter ; Santa Maria maggiore und Ara, Coeli; San Lorenzo und ali Anima;Jesu und, Santa Pudenzianaf Unter diesem Verschiedenartigen aber das Rechtezu wählen, oder ausserhalb desselben das Rechte festzustellen, ist vielleicht derhöchste Vorwurf, welchen die Zjeit für den ganzen Umfang der Architektur undPlastik zulässt und bedingt: gewiss aber der, welchem die Bliithe jedes höherenStrebens der Kunst zuerst angehört. Man mufs aber zu diesem Ende vor allemdie allgemeinen Gesetze der Kunst-Philosophie zu entwickeln, und auf unserenGegenstand anzuwenden suchen , denn noch nie sind diese ungestraft übertretenworden. Obschon aber diese Reflexion schon in unserer Zeit liegt, und auch be-sonders in der Architektur nicht umgangen werden darf, so müfsen wir dochdas Princip christlicher Architektur nicht, durch sie allein, sondern besondersdadurch zu entwickeln suchen, dafs wir die Geschichte des Christenthums undchristlicher Kunst beleuchten, und in ihr volles Recht treten lassen. Denn dieGeschichte, besonders in ihrer heroischen Epoche, ist der Stützpunkt aller Kunstund alles Kunst-Urtheiles, und wie Johannes Müller mit Recht sagt: Der Man-gel an geschichtlichem Sinne war es, woran bisher unsere Zeit krankte.