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Anweisung zur Architectur des christlichen Cultus / von L. von Klenze
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den Cultus wieder auf sichere Grundlagen hersteilen zu können. Es scheint nunaber keinem Zweifel unterworfen, dafs dieses Wiederaufrichten des Princips,auch die Wirkungen desselben: dafs Beligion und Gottesdienst, auch religiöseDenkmale und Gotteshäuser wieder aufrichten werden, und es bieten sich mirhiefiir täglich, theils durch meine Dienst Wirksamkeit in Bayern , theils durchöffentliche Nachrichten aus andern Ländern, erfreuliche Beweise dar. Hier waralso ein Grund mehr, um vor Allem auf diesen Zweig der Architektur undPlastik hin zu wirken, und die mir übertragene Arbeit mit den Denkmalen derchristlichen Liturgik zu bedienen.

Ueher dem sind allgemeine architektonische Normen, wenn sie zu sehr insEinzelne der menschlichen Bedürfnifse eingehen wollen, deren Befriedigung vonso vielen Privat- Bücksichten, Umständen und örtlichen Verhältnissen abhängt,selten genügend, und auch desshcdb schien es zur Beförderung architektonischerIdeen und zur Bildung einer festen architektonischen Ansicht weit sicherer, zuerstin religiösen Gebäuden und Denkmalen Vorbilder eigentlicher Architektur aufzustel-len , weil das allgemeine Schöne hier auch weit eher allgemein gültig werden kann.

Wenn denn auch, wenigstens der Quantität nach das Bedürfhiss litur-gischer Gebäude ziemlich, und selbst mehr als manches andere befriediget zuseyn scheint, und mithin besonders grössere Entwürfe zu kirchlichen Gebäudenselten Gelegenheit finden sollten, in die Wirklichkeit zu treten, so schien es dess-hcdb doch um nichts weniger nölhig, das Ganze dieses Gegenstandes zu bearbei-ten , und auch dasjenige, was nicht gerade für den augenblicklichen Gebrauchwar, zu umfassen , Der Gegenstand an und für sich ist so wichtig, dafs erwie schon gesagt, cds Centrum edler Künste betrachtet werden mufs, welche vonihm cds Badien emsgehen. Was könnte aber, fragen wir, aus diesen Badienwerden, wenn dieses Centrum nicht, aus einem festen, klaren und vollständigenBegriffe sich entwickeltet Diese Bücksichten nun bewogen mich, wie gesagt, zu-erst eine Sammlung von Entwürfen auszuarbeiten, in welcher ich ohngefähr fürein jedes, im allgemeinen festzustellende Bedürfniss der liturgischen Architek-tur , zweckmässige Muster aufzustellen suchte, und welche in ihrem ganzen Um-fange aus ein und demselben unerschütterlichen architektonischen Principe her-vorgegangen, die Idee der regelmässigen und für edle '/eiten gültigen Baukunstimmer mehr entwickeln und ins Licht stellen, ihr Eingang und Anwendung ver-schaffen möge. So wie ich auf den Titel dieses Werkes als seinen Gegenstand diechristliche Liturgik im Allgemeinen nannte, so sind auch viele der Entwürfe zudiesem allgemeinen Zwecke bearbeitet worden. Ohne der schönen Hoffnung zuerwähnen, dafs bald nur noch eine christliche Kirche und, einen Gottesdienst esgehen möge, finde ich nicht, clafs KathoUcismus, Protestantismus und einigeinnere Einrichtungen, wie das Icon o stets ion etc. ausgenommen, sogar dergriechische Gottesdienst, wesentliche architektonische, sondern nur mehr dekora-tive Verschiedenheiten in ihrem Kirchenbaue bedingen. Der allgemeine moralischeund physische Zweck ist bei den Kirchen aller christlichen Confessionen gleich,