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Anweisung zur Architectur des christlichen Cultus / von L. von Klenze
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fast nie aber die Erbauung von zw ey Thürmen an der Vorderseite Schwierigkeiten. Beikleinen Kirchen ist dieses mit einem Thurmc zuweilen der Fall, desshalb ist es jedoch niezu rechtfertigen, den Thurm in architektonischem Zusammenhänge mit dem hinteren Theileder Kirche anzubringen. Einen Thurm ausser allen architektonischem Zusammenhänge neben dieKirche zu bauen , wie dieses in Italien oft der Fall ist, wäre immer noch bei weitem vorzuziehen.

3) Was die Kuppeln anbelangt, so kann man deren Anwendung zwar nicht als durchaus zum Typus

christlicher Kirchen gehörig anerkennen, jedoch auch nicht absolut verdammen, so sehr manauch durch den grossen Missbrauch derselben dazu geneigt scyn möchte. Eine freie Stellung,schöne Form des Aeusseren ohne schweres, eiförmiges Dach, und die Anordnung des Hoch-altars unter diese Kuppel, scheinen uns die wesentlichsten Punkte zu seyn , welche man beiihrer Anwendung zu beobachten hat.

4) Die Gestaltung des Aeussern seiner ganzen Masse nach, ist ein Thcil des Kirchenbaues, welcher

die grösste Aufmerksamkeit erfodert, und sich bis jetzt, so lange man auch schon dabei wiederantike Formen anwendet, noch durchaus zu keinem Typus und zu keiner Einheit hat erhebenkönnen. Die Beleuchtung des Inneren ist wohl grösstentheils das gewesen, was dabei stets diegrössten Schwierigkeiten verursachte. Wir glauben, dass die einfache Masse eines Oblongums mitGiebeldache und an der Vorderseite gehörig bezeichnetem Eingänge das ist, was dem Zweckeam besten entsprechen würde, und wir hoffen auch den Beweis zu liefern , dass diese ein-fache, schone und klassische Form, wenigstens für Kirchen, deren Grösse nicht dasjenigeübersteigt, was noch als normal angenommen werden kann, in allen Fällen Genüge leistenwird. Die nöthige Beleuchtung des inneren Baumes wird' bei Kirchen im antiken Baustylwohl nie erfordern, mehrere Reihen Fenster über einander anzubringen, und wir würdendesshalb besonders in katholischen Kirchen, nie mehr als ein Hauptstockwerk am Aeusserenbezeichnen. Man kann sich da, wo dieses nicht befolgt ist, oft nicht enthalten, zu fragen,in welcher Etage der Gottheit Wohnung sey, und alle Charakteristik wird gewöhnlich dasOpfer solcher Anordnung. Man sehe nur die Kirchen San Luigi dei Francesi , San Sebastiano,Santa Maria dellanima in Rom an, um sich davon zu überzeugen. Im Falle aber für katho-lische und protestantische Kirchen Emporen als ein wesentlicher und unumgänglich nöthigerTheil des Baues erschienen, läge hierin ein Motiv zu weniger Strenge über diesen Punkt,und es ist dann nur der Wohnhausstyl zu vermeiden.

5) Die Beleuchtung der Kirchen ist eine Sache, deren Schwierigkeit viele Nachtheile in ihrem Baue

hervorgebracht hat. Als normal scheint uns dabei angenommen werden zu müssen, dass dasLicht so viel wie möglich von oben einfalle, sey es durch die Mauern, oder durch dieDecke. Obwohl sich nun nicht wohl etwas Näheres hierüber sagen lässt, so sollen dochselbst in den kleinsten Kirchen die Fenster nicht niedriger als etwas über der vollen Manns-höhe anfangen, um alle Störung zu vermeiden. Die Masse des einfallendcn Lichtes sollmässig und nicht übertrieben seyn 5 zur Dunkelheit, wie sie die byzantinischen Gebäude ab-sichtlich, die hierarchischen Dome mehr zufällig durch die bemalten Fensterscheiben zeigen,finden wir keinen Grund} unser Heiland empfahl zwar zum Besten die Einsamkeit, aber niedie Dunkelheit} und sollte der Sinn, in welchem jene Stelle des neuen Testaments zu deuten

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