Band 
Dritter Band.
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I. Abschnitt.

Oertlichkeit für die Heiligthümer des Mars . Die Tempel der Venus sollenan den Pforten oder aufser der Stadt liegen , damit unter den Jünglingenund den Hausfrauen Zucht hersche. Auch Vulcan und Ceres pflegten ihreHeiligthümer aufser den Stadtmauern zu haben, der erstere, um die Stadtvor Feuersbrunst zu bewahren; die zweite, indem ihr Geheimdienst abge-legene Stellen erforderte, und der Zugang zu ihren Heiligthümem nur denOpfernden offen stand. So verordnete es die Lehre der hetrurischen Zei-chendeuter (Vitr. 1, 7. cf. Aristot. Polit. 7, 12.).

Eine spätere Lehre gab auch Vorschriften über die Stellung der Tem-pel nach der Himmelsgegend, und dann über üie Wahl der Bauarten nachdem Charakter der Gottheiten.

ln Rücksicht der Himmelsgegend soll die Tempelstatue ihr Antlitzgegen Abend wenden, damit der Opfernde, oder Betende, das Auge auf dasBild heftend, gegen den Aufgang sehe. Dafs der Opfernde am Altar seinGesicht gegen den Aufgang gewendet halte, scheint aus jener alterthümli-chen Zeit zu stammen, wo die Menschen, noch namenlose Götter vereh-rend, in der Pracht des Gestirns, welches den Tag bringt, ihr Höchstes undHeiligstes erblickten. Allein nicht jede Lage erlaubte eine solche Richtung.Man befriedigte sich daher zum Theil mit hohen Aussichten. Standen dieTempel an Flüssen; so richtete man ihre Vorderseiten gegen das Ufer, inder Stadt aber gegen die Seite der Strafsen, damit Vorüberkommende Gele-genheit hätten, der Gottheit ihre Ehrfurcht zu bezeugen (Vitr. 4» 5 *h

In Rücksicht des Charakters der Gottheiten glaubte man, dafs fürMinerva , Mars, Hercules, als Götter des Muthes und des ausharrenden Sin-nes, das Ernste der Dorischen Bauart besser passe; hingegen für Venus,Flora, Proserpina und die Nymphen das Zarte und Blühende des Corinthi-schen; für Juno, Diana, Bacchus der Mittelcharakter, nämlich das Ionische,welches weder das Strenge des Dorischen, noch das Zarte des Corinthischendaretelle, sondern gleichsam eine Mischung von beiden.

Eben so glaubte man, dafs für gewisse Gottheiten, wie für Jupiter,den Donnerer, für Caelas, Phöbus und die Luna jene Tempel besser geeig-net wären, welche im Innern offen und unbedeckt sich zeigten und worinman den freien Himmel erblickte (Vitr. 1, 2,). Tempel letzterer Gat-tring kamen im Alterthum bei den Griechen nicht selten vor; aber nichtblofs für genannte Gottheiten, sondern auch für mehrere andere, als fürMinerva , Apollo, Diana tn s- w*

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