Band 
Dritter Band.
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Der Tempelbau.

Obgleich dergleichen Bestimmungen in Hinsicht der Himmelsgegend,der Lagen, der Bauarten nach dem Charakter der Gottheiten weniger be-obachtet wurden; so wollten wir doch solche Vorschriften nicht unberührtlassen, theils weil sie auf einen eigenen religiösen Sinn hinweisen, theilsweil sie zeigen, dafs der Kunstgeist anhaltend bemüht war, den Tempelbaunach allen Seiten hin immer mehr auszubilden und zu steigern.

§. 9. Wir kommen nun auf die Anordnung und die zweckmäfsigeFührung der Gebäude selbst.

Von dem nackten Opferplatze erhob sich die einfache Tempelhütteim Viereck durch mehrere Abstufungen bis zu der Gröfse des Hypaethros,und der runde Bau, der ursprünglich blofs den brennenden Herd der Vestaschützte, erwuchs allmählig bis zu der Gröfse des Pantheon. BestimmteGesetze leiteten die früheren Bauleute nicht, weder in der Anlage, nochin dem Aufrifs, In Rücksicht der erstem richteten sie sich nach dem Be-dürfnifs und dem Herkömmlichen, und in Rücksicht des andern nach derFestigkeit und nach jenen Verhältnissen, die ihnen die besten schienen,dem Bau eine Art von gefälligem Ansehen zu geben. Durch Versuche undErfahrungen, durch Talente und Schriften, welche bessere Köpfe über ihreeigenen Baue zur Belehrung Anderer aufsetzten, gelang es allmählich, Re-geln und Gesetze zu abstrahiren, und die bessern Verhältnisse für die ver-schiedenen Tempelgattungen, so wie für die verschiedenen Bauarten fest-zusetzen.

Solches konnte aber erst in einem Zeitalter eintreten, wo die Kunstund der Bau an sich schon eine gewisse Reife erreicht hatte, und vonjeder Tempelgattung schon Muster und Meisterwerke vorhanden waren.Was die Griechen selbst darüber niederschrieben, und gesetzlich festsetz-ten , davon haben wir wohl einzelne Nachrichten, aber die Schriften selbstsind verloren. Unter den Schriftstellern sind die früheren solche, welcheblofs über die Verhältnisse einzelner Tempel Aufsätze gaben, wie Theodo-rus von dem Dorischen Bau des Juno-Tempels zu Samos , Ctesiphon undMetagenes von dem Ionischen des Diana-Tempels zu Ephesus , Ictinusund Carpion von dem Parthenon in Athen , Pytheus von dem Minerva-Tempel zu Priene, Hermogenes von den gleichfalls Ionischen Bauen desBacchus-Tempels zu Teos , und des Diana-Tempels zu Magnesia, wovonder ersteü Mn JWipteros, und der andere ein Pseudodinteros war, undAr-gelius von len Ionischen Verhältnissen des Tempels von Aesculapius zu

Hirt, Gebäude.