Band 
Dritter Band.
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/. Abschnitt <

vorgißgen. Vitruv durfte also nicht verschmähen, die Norm der Toska­ nischen Tempelbaue vorzulegen, damit man hiervon nicht in Unkenntnifsbliebe, wenn man sich bewogen finden möchte, durch neue Baue dieserArt das Alterthiimliche fortgepflanzt zu sehen. Sehr viel mochten zu dieserVorliebe beitragen die drei von Vitruv (3, 3.) als Toskanisch genanntenTempel, als: das Hauptheiligthum der kapitolinischen Götter, welches auchnach dem Brande ganz in der Art des frühem wieder hergestellt ward;der Tempel der Ceres am Circus maximus , von Aul. Postumius erbaut,und das älteste Denkmal in Rom , welches die Hand Griechischer Künstlermit plastischen Werken und Mahlereien auszierte, und dann der Tempeldes Pompejis eben Hercules *).

Indessen verschweigt Vitruv (3, 3.) von der öäulenweite Araeosty-,los sprechend, die schlechte Wirkung nicht, w elche solche Toskanische Bauegegen die Griechischen Tempel machten. Er nennt sie gespreizt, schwer-köpfig, niedrig und breit. Ungeachtet dieser weniger glücklichen Gestaltwollen wir doch unserm Schriftsteller Dank wissen, dafs er die Beschrei-bung einer solchen alterthümlichen Bauweise in seine Schriften aufzuneh-men nicht verschmähte. Hierdurch sind wir in Stand gesetzt, uns von dereinfachsten Bauweise, gleichsam wie dieselbe aus der Hand der frühestenZimmerleute hervorging, Kenntnifs zu verschaffen, und einzusehen, wie na-türlich sich aus solchen wohl überdachten Anfängen das Spätere und Kunst-vollere entwickeln konnte. Der Mensch aber liebt das Ursprüngliche, und

hängt

*) Diesen Tempel habe ich in der Baugeschicht« (II. p. ai5.) nach der Hauptstelle Lei Plinius( 7 , 17 .) unter dem Namen der Minerva anfgefiihrl. Unter der Benennung: Tempel des Pom-pe jus; kommt derselbe noch einmal hei demselben Schriftsteller (34, 19 . S. 3.) vor, mit der An-gabe, dafs eine Bildsäule des Hercules von der Hand des Myrun darin aufgestellt war. Auchbei Victor wird dieser Bau blofs unter den» Namen: Aedes Pompeji: in der Xlten Region nebendem der Ceres angezeigt.

Nach solchen Zeugnissen, besonders nach Vitruv , sollte es . scheinen, dafs P o nt p e j u anicht ldofs einen Tempel der Minerva, sondern auch einen dem Hercules geweiht habe. Der ersteder Minerva , als. das Monument seiner Siege, darf nicht zweifelhaft seyn; wohl aber ein besonde-rer Tempelbau für Hercules. Denn wie wäre es möglich gewesen, einen Tempel mit dem Na-men: Aedes Pompeji, kurzweg zu bezeichnen, wenn deren zwei von demselben Feldherrn in derStadl existiri hätten? Dies ist die Ursache, warum ich glaube, dafs der gewöhnlich so ge-nannte Tempel des Pompejos, der Minerva und dem Hercules (als verbundenen Gottheiten ) zu-gleich geweiht war. Und so konnte es kommen, dafs der Tempel bald nach der einen, bald nachder andern Gottheit benannt ward, aber am meisten und kurzweg den Namen des Erbauersführte.