Der Tempelbau . 25
uen ist. "Wir haben oben p. 15. bemerkt, dafs der Tempel des Marius zu-Rom ohne Hinterhaus erbaut war, 1 und ein solcher Peripteros Pycnostylos*wobei die mittelste Weite in der Fronte Diastylos war, seyn mochte.(Taf. XI. 14.).
§. 13. Was bis jetzt in Hinsicht der regelmäfsigen Gattungen undArten der Tempel gesagt worden ist, betrifft hauptsächlich die Grundrissederselben.
Was nun den Aufrifs angeht, so haben wir wenig beizufügen, weil'es in dieser Hinsicht bei dem Tempelbau keine andern Gesetze giebt, als-jene allgemeinen, welche wir in unserer Baukunst nach den Grundsätzen-der Alten ausführlich angegeben haben, und auf welche wir den Kundigenverweisen müssen. Besonders sind dabei die Abschnitte zu berücksichtigen,welche von dem Grund- und Unterbau, von der Verschiedenheit und denVerhältnissen der Thürarten, von der Verschiedenheit der Säulenhöhe nachden Zwischenweiten, von der Verschiedenheit der Verjüngung nach der Säu-lenhöhe, von den Verhältnissen und den Zierden des Gebälkes nach den dreigriechischen Bauarten, von der Verstärkung der Ecksäulen, von der Verrin-gerung der Säulendicke in den innern Räumen, und von der Aufstellungder mittelsten Säulen auf ihre Achse, und von der excentrischen Aufstel-lung der Säulen auf den Ecken in den Fronten der Tempel handeln. Hier-auf und auf dem vorher Gesagten beruhen die Kenntnisse, um sich eineallseitige und richtige historische Ansicht von dem regulären Tempelbaubei den Alten zu verschaffen.
§. 14. Es gab aber auch abweichende Tempelgattungen, wovon VI-truv im 7. und 8. Abschnitte seines vierten Buches uns Kenntnifs giebt,und wovon wir das Nähere mit unsern Bemerkungen jetzt beifügen wollen.
Zuerst spricht er von der Anordnung des Toskanischen Tempels,wobei auffallen mag, dafs ein Schriftsteller aus der Zeit des Augustus nochso umständlich von einer Tempelgattung handelt, die man bei einer so ho-hen Blüthe der Römischen Kunst als veraltert ansehen konnte. Allein, wiealle Völker, so hingen auch die Römer an dem Alterthümlichen, und dasEinfache und Schlichte einer solchen älterlichen Bauweise fand noch fort-hin warme Freunde. Solche zu umgehen war daher dem Schriftsteller umso weniger erlaubt, da sie ihre Wurzel in dem frühesten Cultus hatte, unddabei jenes Ursprüngliche in dem Bau selbst an sich trug, woraus die ge-ziertem Bauarten, und die gefälligem Einrichtungen des Tempelbaues her-