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Der Tempelbau.
auch von der Hand des Phidias, den im Parthenon selbst vorhandenenColossen an Gröfse bei weitem. Von Sunium her erblickte man die Spitzeihres Speeres und den Busch des Helms (Paus. 1, 28.).
Den Vorplatz des Apollotempels auf dem Palatin zierte, aufser denvier Rindern des Myron, die fünfzig Fufs hohe Statue desselben Gottes.Auf dem ; Vorplatze des capitolinischen Tempels sah man den von Tarent hergebrachten Colossen des Hercules, nebst dem 50 Ellen hohen Apollo,den L. Lucullus von Apollonia am Pontus nach Rom versetzte, und demJupiter, den Sp. Carvilius weihte, und der eine Gröfse hatte, dafs er vondem Tempel des Latiarisclien Jupiter, — von dem jetzigen Montecavo, derhöchsten Spitze des Albanischen Gebirges — gesehen ward (Plin. 34, tö-)*
§. 31. Die Religion rief die Macht der Künste hervor, und dieseertheilten dem Religiösen wieder jene Würde, jene Höhe und Allmacht,welche das Gemüth unwiderstehlich fesselt. Aber nur eine Religionsweise,wie der Polytheismus, konnte so vielgestaltet auftreten, und jene mannig-faltigen Ideal-Charaktere von Hoheit und Schönheit hervorruFen. Kein Volkhatte so eigenthümliche und mannigfaltige Götter- und Heroenlegenden,und selbst der Aegyptische Cultus, von .welchem der Griechische ursprüng-lich ausging, hatte gegen den Hellenischen Dienst nur ein beschränktesFeld. Die Aegyptische Kunst konnte sich nicht frei entwickeln; sie trugimmer die Fesseln der Religion, wo dagegen es bei den Hellenen zweifel-haft ist: ob die Kunst mehr der Religion, oder diese mehr jener verdankte.Durch eine Reihe von Jahrhunderten übten die Künste im Bunde mit derReligion ihre Macht über die Menschen, und erst mit dem Sinken der Kunstund des ästhetischen Gefühls fiel auch diese. -— Erst nachdem die Herr-lichkeit der Tempel und ihre Götter gestürzt waren; gelang es, einer mehrim Geiste verehrenden Religion Eingang zu verschaffen. Aber auch dieneue Religionsweise, nachdem sie herrschend geworden w r ar, näherte sichdem Polytheismus der Griechen dadurch wieder, dafs sie gleich diesem zuihrer Verherrlichung auch die Künste zu Hülfe nahm. Nach Vermögenund Zeit errichtete man Gotteshäuser mehr oder weniger reich und pracht-voll, und zierte sie mit den Werken der Mahler und Bildner. Aber sowie im Alterthum die Hebräer im Gegensatz anderer Religionen nichtsBildliches dulden wollten, entstanden auch unter den Christen Separatisten.Man denke sich den blinden Eifer wüthender Bilderstürmer schon in denfrüheren Jahrhunderten des Mittelalters, und die Wiedererstehiing desselben