66
I. Abschnitt .
Beilage C.
zu dem Tempelbau.
Ueber das Glas bei den Alten.
Es ist auffallend, dafs unter den Forschern in Beziehung auf dasGlas der Alten, und besonders über dessen Gebrauch zu Fensterscheiben,so wenig Sicheres besteht.
Ist von Fenstern die Rede, so ist bei altern Philologen nur eineMeinung, nämlich, dafs die Alten für dieselben sich nur des Frauenglases— Lapis specularis — bedient hätten; und wenn einige der neuesten For-scher geneigt seyn möchten, auch das künstliche Glas zum Gebrauch heiFenstern zuzulassen; so meinen sie doch, dafs dies spät, und erst unterden Römischen Kaisern geschehen sey.
Es ist der Zweck dieses Aufsatzes, diesen in so manchen Beziehun-gen wichtigen Gegenstand in nähere Betrachtung zu ziehen, und zu sehen,ob sich etwas Bestimmteres darüber festsetzen lasse. Ich wüfste nicht:welche Erfindung nach der der Schreibekunst für das menschliche Lebenwohlthätiger gewesen wäre, als die des Glasmachens in Hinsicht der Fen-ster, ohne welche unter keinem Himmelstrich ein Volk in einem civilisir-ten Zustande leben kann.
Aufser dem künstlichen Glase kannten die Alten mehrere Steinarten,am Lichte mehr oder weniger durchscheinend; aber die meisten von ge-ringer Gröfse, und nur für den Gebrauch der Gemmenschneider. Selbst dasCrystall kommt nicht in Formen vor, um es zum Einsatz in die Fenster zuverarbeiten, und nur in der Gröfse, um mäfsige Trinkbecher — auch diesenur selten und von hohem Werthe — daraus zu schneiden. Auch wirdder Crystall von Theophrast (de Lap. c. 54.) und von Plinius (37, g.und 10. cf. Solin . c. 15. und Seneca de Ira c, 40. et de Benef. 7, 9.) inder Classe der Gemmen aufgefiihrt.
Ein in solcher Beziehung merkwürdiger Stein war der Phengites,der unter Nero in Cappadocien entdeckt ward. Er hatte die Härte desMarmors, war weifs und durchscheinend, selbst an den Stellen, wo ihngelbliche Adern durchzogen; daher der Namen des Steines. Der Kaisermachte davon Gebrauch bei dem Wiederbau des Tempels der Fortuna indem Bezirk seines goldenen Hauses, wobei Plinius (36,46.) bemerkt: