Band 
Dritter Band.
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1L Abschnitt ,

Es genüge an diesen vorläufigen Nachrichten, um auf die nähereAusbildung des Theaterbaues zur Aufführung sowohl der gröfsern Schau-spiele, als der Musikstücke zu kommen.

§. 2. Zn den schwierigsten und verwickeltsten Bauen der Alten ge-hört das Theater. Der Theile, aus denen es bestand, waren so viel, unddie Rücksichten so mannigfaltig, dafs ohne Zweifel längere Erfahrungen da-zu gehörten, die Erfordernisse und Gesetze auszumitteln, nach welchen dieAnlage, die Verhältnisse der Theile zu einander, und der Ausbau mit derSicherheit des guten Gelingens besorgt werden konnte. Indessen scheintes doch, dafs, als man anfing stehende Theater in Stein anzulegen, es denscharfsinnigen Köpfen, welche sich mit so verwickelten Bauen abgaben, baldgelungen sey, vortreffliche Werke dieser Art zu führen. Unter Periclesentstand das Odeon in Athen und allgemein wird das Theater in dem Wall-fahrtsort Epidaurus als ein Meisterwerk gerühmt, dessen Architekt Poly-cletus war, der Nebenbuhler des Phidias in der Bildkunst (Paus. 2,27.). Es sind noch Ueberreste von den in den Felsen gehauenen Sitzplät-zen vorhanden, welche Cockereil gemessen, aber noch nicht bekannt ge-macht hat. 'In der Argolis von Gell findet sich hievon eine Ansicht. Einevorzügliche Anlage mufste auch das Theater von Mitylene haben, indemPompe jus die Risse davon nehmen liefs, um das seinige danach in Rom zu erbauen (Plutarch. in Pomp. c. 40. und 42.). Das Theater des Bac-chus in Athen scheint durch eine Reihe von Jahren im Bau gestanden zuhaben, wahrscheinlich mannigfaltiger Versuche und Abänderungen wegen,denn dasselbe kam erst unter dem Redner Lycnrgus, Ol. 113, zur Voll-endung.

Später war in den Ländern, wo Griechen und Römer wohnten, nichtleicht eine Stadt, die nicht ein steinernes Theater hatte. Dazu wurdennoch forthin andere in Holz errichtet. Die Ruinen noch vorhandener Thea-ter kommen nicht seltener vor, als die der Tempel. Man kann hieraus aufdie Schaulust der Alten schliefsen, die bei ihnen nicht weniger grofs war,als bei den Neuern. In Rom vorzüglich stieg die Gröfse und Pracht derTheater zu einer Höhe, dafs man sich kaum einen Begriff von einem sol-chen Umfange und Aufwande machen kann, dies sowohl in denen von Holz,als in denen von Stein. Das Theater von Pompejus fafste 40000 Zuschauer,und das hölzerne von Scaurus 80000, dessen Bühne mit nicht weniger als360 Säulen in Marmor und mit 5000 Statuen in Erz verziert war. Hiezu