Band 
Dritter Band.
JPEG-Download
 

Der Theaterbau .

83

bestritt die Unkosten nicht 5 er Staat, nicht ein König, sondern das Eigen-thum einzelner vornehmer Römer. Doch wollen wir hiebei nicht unbe-merkt lassen, dafs es nach Cicero (in Yerr. 4, 3. und 4.) scheint, dafsdie Aedilen, welche gewöhnlich die Theaterspiele zu geben hatten, manch-mal auch die Aushülfe ihrer Freunde und Gastverwandten in den Provinzenin Anspruch nahmen, um mit ausgezeichneten Kunstwerken ihre neuerbau-ten Theater zu zieren, welche die Unternehmer dann nach der Beendigungder Festlichkeiten wieder zurücksandten. Dies that Claudius Pülcher,der im J. 655 die Aedilität verwaltete (Val. Max. 2, 4. S. 6.); ja es gabauch solche, welche die Provinzen um Geldbeiträge in Anspruch nahmen,um ihre Spiele in Rom prachtvoller zu geben (Cicero ep. ad Quint. 1, i.§. 9.). In Athen herrschte von alters her die ähnliche Sitte in Beziehungder Ordner der theatralischen Spiele. Jeder der zehn Stämme wählte ei-nen der angesehensten Bürger aus seiner Mitte, der unter dem Namen ei-nes Choragus das Schauspiel auf eigene Kosten zu ordnen hatte; und nurin dem Falle, dafs sich keine hinreichend reichen Bürger hiezu fanden,übernahm der Staat die Choregie aus seinen Mitteln, wobei dann der ge-wählte Ordner blofs unter dem Namen eines Agonothetes auftrat.

Der grofse Aufwand der Alten bei den Theaterspielen werden im-mer unsere Verwunderung bleiben.

§. 3. Das Theater besteht aus zwei Haupttheilen, dem Schauplatzund der Bühne. Der erste ist für die Zuschauer, der andere für die Spie-lenden. Eine Ansicht hievon erlauben uns die häufig noch vorkommendenRuinen, und Pollux (4, 19.) hat uns über die Einrichtung des Theaters,und seiner Theile manche nicht unwichtige Nachrichten aufbewahrt. Aberdie eigentliche Theorie des Theaterbaues, und den Unterschied zwischendem Römischen und Griechischen Theater lernen wir allein aus Vitruv .Dieser Unterschied war zwar in Hinsicht des Baues nicht wesentlich; der-selbe bezieht sich hauptsächlich auf frühere Gebräuche des GriechischenTheaters, welche bei der spätem Einrichtung des Römischen einige Abän~derung bei der Darstellung der Schauspiele erlitten.

Wir geben zuerst die Beschreibung der beiden Theater, und anderehierauf sich beziehende Nachrichten nach Vitruv , worauf wir dann un-sere Erläuterungen folgen lassen werden.