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Dritter Band.
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Der Theaterbau

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für das Ohr verwirre. Denn es gebe Oerter, die an sich der Stimme Be-wegung hemmen, welche man deswegen mifstönend nenne. Bei solchenOerlern geschehe es, dafs die Anfangs sich erhebende Stimme, wenn sieoberhalb auf harte Körper stöfst, nach unten zurückspringe, und die Erhe-bung des folgenden Tones ersticke. Andere Oerter gebe es, wo die Stimmedumpf umher töne. Dies sey der Fall, wenn die Stimme im Kreisel sichaullöse, und daher in den Fallsylben unverständlich klinge. Dann gebe essolche, die einen Wiederhall verursachen, und die Endsylben doppelt hö-ren lassen. Aber es gebe auch mitklingende Oerter, wo die Stimme vonunten unterstützt mit Verstärkung sich erhebe, und so jedes Wort klar zuden Ohren dringe.

Auf den Grund der guten Verbreitung der Stimme schreibt Vitruv (5, 3. S. 4 .) auch vor: die Gürtungen der Theater gehörig einzurichten:ihre Höhe soll genau nach der Breite der Gänge sich verhalten, denn wennsie höher würden, so würfen sie die Stimme von dem höhern Theile zu-rück und verhinderten, dafs die Worte zu den Sitzen über den Gürtungennicht deutlich dringen könnten. Ueberhaupt sey dahin zu sehen, dafs, wennman eine Schnur von der untersten zu der höchsten Stufe zieht, diese alleKanten der Sitzstufen berühre. So würde die Stimme keine Störung er-leiden.

Dieser Theorie, und den angestellten Beobachtungen über die Na-tur der Stimme gemäfs, legten daher die alten Architekten die Sitze derTheater stufenweise sich erhebend an.

Aber nicht blofs dachten die Alten nach, wie die Stimme sich ambesten und ohne Hindernifs verbreite, sondern ihr Bemühen ging auch da-hin, dafs die Stimme mit verstärkter Kraft, und zugleich klar und ange-nehm das Ohr der Zuschauer berühre. Dies geschah durch die Erfindungund Anordnung von erzenen, oder in Ermangelung derer, von irdenenSchallgefäfsen nach musikalischen Gesetzen, wovon Vitruv die Lehre dar-legt. Wir müssen aber Herwegen auf den Autor selbst, und auf die Aus-leger verweisen, welche eine solche Theorie zu erklären suchten. Indes-sen scheint die Einrichtung mit den Schallgefäfsen nur bei GriechischenTheatern statt gefunden zu haben, und selbst auch bei diesen nur selten.Hiezu gehörte das Theater zu Corinth, wovon Mummius die erzenen Ge-fäfse nach Rom brachte und bei dem Tempel der Luna weihte (Vitruv 5,5* S. SO-

II in, Geb'iuiet-

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