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In den auf uns gekommenen Ruinen hat sich bis jetzt hievon keineSpur entdeckt. Was Neuere in dem Theater zu Taormina dafür nahmen,hat nichts mit solcher Einrichtung zu thun. Indessen meinte es Vitruv mit solchen Einrichtungen, und mit ihrem "wirksamen Erfolg ernstlich, sodafs er sich bei seinen Römischen Lesern entschuldigen zu müssen glaubte,dafs er von einer Sache spreche, die wohl deswegen nie in Rom gesehenWorden sey, weil man allda nur hölzerne Theater zu erbauen pflegte, diean sich stärker klängen, als die von Stein oder Marmor. Er könnte aberauf Theater mit solchen Einrichtungen hinw'eisen, und dies nicht blofs inGriechenland , sondern auch in den Gegenden Italiens (wahrscheinlich woGriechen wohnten).
Auffallend bleibt es aber immer, dafs Pomp ejus keine Rücksichtauf die Schallgefäfse bei seinem Theater genommen zu haben scheint, wel-ches doch von einer Gröfse war, dafs nicht leicht ein Griechisches sichhiermit messen mochte. Wenn demnach die Schallgefäfse, gehörig angeord-net, ihre Wirkung nicht verfehlten; so mochte doch ihre Einrichtung mitviel Schwierigkeit verbunden gewesen seyn.
Noch fügen wir bei, was Vitruv (5, g. S. 5.) über die Zugängesagt: sie sollen geräumig und derer mehrere seyn. Die Zugänge unten sol-len sich mit denen nach oben nicht kreuzen, sondern jeder ununterbrochenund ohne Wendung fortlaufen, damit, wenn nach der Beendigung der Spieledas Volk sich entfernt, kein Gedränge entstehe, und die Ausgänge von al-len Seiten sich ungehindert und gesondert darstellen.
§. 9. Das Vorstehende enthält das Wesentliche, was Vitruv unsüber den Theaterbau der Alten lehrt, und hiernach sind die vorliegendenRisse entworfen. Wir wollen nun das Ganze nach seinen Theilen nocheinmal durchgehen, und die Angaben Vitruv’s mit denen des Pollux (4,19.) und anderer Zusammenhalten, und dabei die noch vorhandenen Denk-mäler alter Theater zu Rathe ziehen. Auf die abweichenden Meinungenneuerer Ausleger können wir uns aber nicht einlassen. Sind die Gründe,welche wir beibringen, zulänglich; so bleiben solche abweichende Meinun-gen von selbst beseitigt.
I. Der Schauplatz.
Das Theater theilt sich in zwei Haupttheile, in den Schauplatz, undin die Bühne. Jener war für die verschiedenen Classen' der Zuschauer, diese