Band 
Dritter Band.
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Der Theaterbau.

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von Stratonicea, Milet , Laodicea und Jassus (Ion. antiq. Tom, II. PI, 3 ®- 4 ®»4g. und 55 *) bemerkt man zugleich eine geringe Vertiefung an der Stelleder Stufen, wo die Füfse zu stehen kommen (Fig. VIII.). Das Belegen dersteinernen Sitzstufen mit einem Brete, oder einem Polster, um nicht zuhart zu sitzen, war nicht nur bei den Römern (Ovid . Art. Am. l, 159.),sondern schon früh bei den Griechen üblich (Th eoph rast. Charact. c. 2. p. 13.)*

§. n. Was die Rangordnung, und die Abtheilung bestimmter Sitzefür die verschiedenen Classen der Zuschauer betrifft, finden wir bei denGriechen wenig Nachrichten. Es gab aber eine besondere Abtheilung fürden Senat, und die Priester, und zwar war diese, wie wir bereits anga-ben, wahrscheinlich auf der Conistra, was bei den Römern Orchestra hiefs.Zugleich gab es auch nach Theophrastus (Charact. c. 9. cf. Pollux 4, 19.)eine besondere Abtheilung für die Epheben, und ihre Erzieher. Uebrigensscheinen die Zuschauer bei den Griechen ziemlich vermischt gesessen zuhaben. Ueber die Zulassung und die Sitze der Frauen, läfst sich schweretwas Sicheres ausmitteln. Wir nehmen aber gern die Meinung derjenigenan, welche auch bei dem Attischen Theater den Frauen den Zugang ver-stauen.

Bei den Römern wurden die Plätze des Senats von denen des Volksim J. 563 getrennt, vorzüglich durch die Einwirkung des altern Scipio Africanus , wodurch er sehr viel in der Gunst des Volks einbüfste. Da-mals gab es aber noch keine Sitzplätze, sondern man sah stehend im Freienden Spielen zu (Liv. 36, 36. cf. Val. Max. 2, 4 *)* In der Folge war esdie Orchestra, wo man die Sitze für die Senatoren einrichtete. lrn J. 687unter den Consuln Calpurnius Piso und MAcilius Glabrio erhieltendie Ritter durch das Gesetz des Vqlkstribunus L. Roscius gleichfalls ab-gesonderte Sitze, nämlich die vierzehn ersten Reihen auf den Keilen, wel-che der Orchestra am nächsten lagen (Liv. epit. 99.). Auch dem Augu-stus lag die Theaterpolizei, die damals sehr in Unordnung gekommen war,am Herzen. Unter andern verordnete er die Trennung der Sitze der Sol-daten von denen des Volks, bestimmte Sitzreihen für die Beweibten ausdem Volke, und nach Griechischer Sitte wies der den Jüngliugen von Ge-burt ihren eigenen Keil an, und ihren Erziehern den zunächst liegenden.Dem Pöbel erlaubte er nicht auf den Keilen Sitz zu nehmen, sondern ver-wies ihn nach den obersten Theilen, wie dies auch später im Amphiteaterder Fall war, wo . der Pöbel nur unter den Sitzen der Weiber in dem ober-