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III. Abschnitt.
Befremdend sind auf den ersten Anblick die in das Feld der Bahneinspringenden Mauerstücke bb, die eine gedrückte Zirkelform nach dereinen und der andern Seite hin motivii'en.
Betrachtet man das Feld von o bis p; so hat man die Länge undAnordnung eines olympischen Stadiums zu 600 Fufs vor sich. Wirft manden Blick auf das runde Feld von p bis s; so stellt sich ein Bau in amphi-theatralischer Form dar. Dergestalt läfst sich kaum bezweifeln, dafs an denStellen, wo die Mauerstücke vortreten, zur Zeit der Spiele Gerüste undSitze in Holz, theils nach der Seite des langen Feldes, theils nach der desamphitheatralischen Raumes hinsehend, errichtet wurden , wozu die inZirkelstücken aufgeführten Mauern nur als Anlehnungspunkte dienten.
Man kann fragen: wozu man hier den amphitheatralischen Bau mitdem Stadium verband, und in welcher Zeit man ihn führen mochte? —
Das erste, worauf man verfallen kann, ist, dafs es ein späterer An-bau zu einer Zeit sey, wo die Ephesier, vertrauter mit den amphitheatra-lischen Spielen der Römer, dieselben auch bei sich einführen wollten. Al-lein so annehmlich dies auch scheinen mag; so wissen wir hiefür dochkeine näheren Gründe aufzustellen. Betrachten wir anderseits den Vortheil,den ein amphitheatralischer Bau, verbunden mit dem Stadium, haben konnte;so mag man sich leicht geneigter finden, solche Baue vereinigt bei denGriechen anzunehmen, ehe die Spiele der Römer irgend eine Veränderungin den Sitten der Griechen bewirkt hatten.
Wir haben schon bemerkt, däfs zwar die längliche Bahn des Sta-diums vortrefflich für den Wettlauf zu Fufs und etwa für den Scheibenwmrfpafste, aber nicht so für die andern athletischen Spiele, da sich dieselbennur auf einen geringen Umfang beschränkten, und die Kämpfenden nur voneiner geringem Zahl Zuschauer näher gesehen werden konnten. Es waralso natürlich, auf eine zweckmäfsigere Form des Schauplatzes zu denken,um die Spiele gemächlicher zu sehen; und diese Form konnte keine andereseyn, als die amphitheatralische, welche, wie hier zu Ephesus , mit dem ei-gentlichen Stadium verbunden, gleichsam nur einen Theil desselben machte.Die neue Stadt Ephesus ward von Lysimachus auf das prachtvollste er-baut, und einem solchen Zeitalter der höchsten Kunst kann inan es Zu-trauen, dafs bei manchen Bauanlagen man zwar von dem Herkömmlichennicht abging — doch manches Zweckdienlichere hinzufügte.