Das Stadium, der Hippodromus und der Circus. 147
der Victoria den Kranz zu empfangen. Zugleich bemerken wir, dafs beiden Spielen im Stadium solche Säulen nicht Vorkommen (vergl. bei Tisch-bein I. 54. 56. und 57.)» und dies natürlich, weil im Stadium keine Zielewaren. Auch von dem Kreidenstreifen q, wo im Circus der Lauf sich en-digte, geschieht keine Erwähnung. Indessen dürfen wir an diesem, so wiean der schiefen Richtung der Spina, und der beiden Ziele zu einander indem Griechischen Hippodromus um so weniger zweifeln, da die Anzahl derWagen, welche zusammen liefen, nicht, wie bei dem Römischen Circus,beschränkt gewesen zu seyn scheint. In der Electra des Sophocles (v.708.) werden zehn Wagen genannt, die auf einmal im Wettlauf begriffensind; und von Alcibiades wird gepriesen, dafs er auf einmal sieben Wa.gen zum Kampf nach Olympia sandte, und dabei den ersten, zweiten unddritten Preis als Sieger davon trug (Plutarch. in Alcib. c. 11. cf. Thu-cy d. 6. p. 422.).
Was die Anzahl der Umläufe betrifft, welche die Wagen im Grie-chischen Hippodromus zu machen batten, lehren uns die Hauptstellen beiPindar (Olymp. II. 58. und III. 53 ), dafs die Wagen nicht blofs sieben-mal, wie in der Römischen Rennbahn, sondern zwölfmal die Ziele umkrei-sen mufsten. Dies aber scheint anzudeuten, dafs die Ziele nicht so weit inder Griechischen, wie in der Römischen, Rennbahn, von einander abstan-den, und die zwölfmalige Umkreisung nicht mehr betrug, als die sieben-fache im Römischen Circus. Diese Vermuthung gründet sich auf die na-türliche Kraft des Pferdes, so wie auf die Annahme, dafs das Geblüt, auswelchem man die Wettrenner wählte, ungefähr dasselbe war, sowohl inItalien , als in all den Ländern, aus denen die Griechen ihre Wagen nachden grofsen Festorten sandten.
Aus der gröfsern Zahl der Umläufe bei den Griechen geht fernerhervor, dafs das Feld ihrer Rennbahn nicht bedurfte so lang zu seyn, wiebei den Römern. Dagegen erforderte der Griechische Hippodromus einegröfsere Ereite, als in Rom ; indem in dem Römischen Circus nach der an-genommenen Ordnung nur vier Wagen zusammen zu laufen pflegten, indem Griechischen Hippodromus aber die Anzahl der Wagen, wie wir sag-ten, nicht beschränkt war, und eine gröfsere Anzahl Wagen auch ein brei-teres Feld erheischten. Dies geht auch klar hervor, wenn man die Maafsedes grofsen Circus, wie sie uns Dionysius und Plinius geben, mit de-
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