Band 
Dritter Band.
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V. Abschnitt.

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Noch steht mit ihren fünf Schiffen von vier Reihen schöner Säu-len getragen die Ehre des spätem Mittelalters, der Dom zu Pisa ; undunter den Kirchen im Gothischen Styl und als fünfschiffig verdienen derDom in Mayland, das Münster in Ulm , und der unvollendete Bau in Cölngenannt zu werden,

Fünfschiffige Basiliken nennen uns die Alten nicht. Aber eines derFragmente des alten Planes von Rom , jetzt im kapitolinischen Museumaufbewahrt, stellt die berühmte Basilik des Paulus Aemilius als fünf-schiffig dar, zugleich mit der Eigenheit, dafs drei Säulenreihen, unmittel-bar vor dem Halbzirkel des Tribunals, quer durch das mittelste Schiffhinlaufen (Taf. XXII. Fig. VII.). Diese Anordnung, mit einer zweiten Säu-lenstellung darüber, mag besonders bei den Centumviralgerichten, wo bis180 Richter das Tribunal einnahmen, ihren Zweck gehabt haben. Auf einesolche Einrichtung des BarJikenbaues scheinen die Worte des jüngernPli-nius (Ep. 6, 33.), der ein solches Centumviralgericht beschreibt, zu ge-hen:von beiden Seiten war eine ungemein grofse Anzahl von Rechtsge-hülfen, und eine Menge von Sitzen; überdem umgab ein dichter Kranz vonUmherstehenden das vollste Gericht in mehrern Kreisen. Zu diesem mitMenschen erfüllten Richterbezirk kam noch die Gallerie in dem obernStock der Basilik, wo hier Frauen, dort Männer mit der Begierde zu hö-ren, welches schwer, und zu sehen, welches leicht war, sich über einandervordrängten, Plinius giebt den Namen der Basilik nicht an. Aber wahr-scheinlich hatte nicht allein die Basilica Paula eine solche Einrichtung,sondern auch die Basilica Julia, wo gleichfalls Centumviralgerichte gehaltenwurden (Plin. Ep. 5, 21. cf. Quintil. 12, 5.).

Eine solche Stellung von Querschiffen ging auch auf christliche Ba-siliken über, wie in der abgebrannten Paulskirche, und im Dom zu Cöln,wo man diesen Querbau zum Chor für die Musik benutzte.

Doch genug über den Basilikenbau. Wir haben uns um so längerdabei aufgehalten, da der wahre Freund der Kunst nichts mehr wünschenmufs, als dafs die reine Basilik wieder Eingang finde, anstatt der vielfachphantastischen Kirchenbaue, die noch forthin errichtet werden.

Pie Curia.

$. 9. Ein anderes Gebäude, welches nach Vitruv (5, 2.) an dasForum zu setzen ist, war die Curia, das ift: das Haus, wo die oberste Ba-