ig6 V, Abschnitt ♦ !
Wir haben jetzt keine Ueberreste und keine Beschreibung der Spei-semärkte mehr; und nur geringe Andeutungen leiten uns noch auf ihreehemaligen Einrichtungen hin. Unter den Fragmenten des marmornen Fufs-bodens vom alten Rom , jetzt im Museo Capitolino aufbewahrt, kommenhievon nur geringe Spuren vor. Auf einem dieser Fragmente mit dem ein-gegrabenen Namen: Maceilum, sieht man noch einige Buden mit den dar-an hinlaufenden Säulen, und auf einem andern, aber ohne Namen, nimmtman neben einander drei längliche Hofräume wahr mit ähnlicher Anlagevon Buden und Säulengängen, die ohne Zweifel ein gröfseres Fragment vondem Plane eines Macellum sind (bei Piranesi Tom. I. sind dieselben aufTab. II. No. 7. und No. 31, verzeichnet). Auch die Münzen, den Nero-nischen Speisemarkt vorstellend, lassen noch Einiges wahrnehmen, obwohlMünzen mit architektonischen Gegenständen selten einen zulänglichen Be-griff von den Gebäuden geben, auf welche solche Gepräge sich beziehen.
Auf der Tafel XXII. Fig. IX. haben wir den Grundrifs eines antikenSpeisemarktes entworfen.
Vier gröfsere Zugänge leiten nach dem innern gröfsern Platze A, sowie zu den zwei schmälern, gassenartigen, Räumen B und C. — Die Ab-theilung B ist für den Verkauf des Fleisches, des Wildprets und der Ge-flügelarten. Der gröfsere Raum x dabei ist für das Schlachthaus und diebeiden Nebenräume für die Reinigung der Eingeweide, und zur Zertheilungdes Schlachtviehes bestimmt. In der Abtheilung C liegt der Fischverkauf,sowohl der frischen, als der trockenen yjid in Laken aufbewahrten Fische.
Durch diese Sonderung der ihrer Natur nach weniger reinlichen Ver-käufe können die andern um den gröfsern Platz A etwa auf folgende Weisevertheilt seyn: von a bis b die eingeböckelten und geräucherten Fleischeund Würste; von b bis c Oel , Butter, Schmalz, Käse, Eier; von c bis d die.verschiedenen Arten Kräuter und frische Gemüse; von d bis e die getrock-neten Zuspeisen und Hülsenfrüchte; von e bis f die frischen Gartenfrüchteund Obst; von f bis g Brot, Backwerke und Mehl; von g bis h die Ge-würze, Honig, eingemachte und getrocknete Früchte; von h bis i die- Weine und andere Getränke. Die freien Säulengänge E aber haben ihreBestimmung als Bauernmarkt.
Aufser einer schönen Pflasterung der freien Räume sowohl als derSänlengänge war eine solche Marktanlage vieles Wassers bedürftig, ausRöhren- und Springbrunnen, theils zur Erfrischung der Luft, theils zur