Band 
Dritter Band.
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VI. Abschnitt.

Badesäle, die Gemächer, wo man sich beölte, nnd reiben liefs, und dieSäle, wo man bei trockener Hitze zu schwitzen pflegte.

In Rücksicht des lauen Bades erwähnt zwar Vitruv (5, 10.) dafsdas Lakonikum und die Schwitzräume mit dem lauen Badesaal zu verbin-den seyen. Aber dann wo Vitruv (5, 11.) von der Anordnung der Bäderspricht, gedenkt er des lauen Badesaales mit keinem Wort. Auch findenwir keine Erwähnung desselben in den Briefen des Plinius, wo er vonden Bädern in seinem Laurentinum und in seinem Tuscum spricht. Selbstin der grofsen Badeanstalt des Hippias bei Lucian ist von einem lauenBadesaal nicht die Rede; und in den Ruinen von Badenweiler ist gleich-falls keine Stelle, welche man für den lauen Badesaal nehmen könnte.Hiernach scheint es, dafs man bei der Anlage der Bäder das laue Bad we-niger berücksichtigte. Nur bei den Römischen Thermen findet sich immerein vierter Saal in Verbindung der andern, dessen Bestimmung für das laueBad gewesen seyn möchte.

Die Gröfse der Badesäle, sagt Vitruv , ist nach der Menge der Men-sehen einzurichten, und in Rücksicht ihrer Verhältnisse bestimme man auszwei Dritteln der Länge ihre Breite, die Schule um die Badeteiche nichtdazu gerechnet. Dabei mufs der Badeteich selbst frei vom Lichte beschie-nen werden, so dafs die Umherstehenden ihn durch ihren Schatten nichtverdunkeln. Die Schulen aber um die Badeteiche her müssen so breit seyn,dafs, wenn das Bad schon besetzt ist, die Wartenden umher bequemlichstehen können. Die Breite derselben zwischen der Wand und dem Geländerbetrage aber nicht weniger als sechs Fufs, wovon die untere Stufe und derSitz zwei Fufs wegnehmen.

Ich bemerke hiezu, dafs ich im Texte, nach Scholam labri, daset alvei als eine Randglosse wegstreiche, und dann vier Linien weiter-hin earum anstatt alvei lese. 1

In Rücksicht der Sache bedürfen die Worte Vitruvs einer Erklä-rung, wozu uns die Ruinen von Badenweiler behülflich sind. Hier (Taf.XXIV. Fig. VI.) sehen wir in den vier Badesälen, aa für das warme, und bbfür das kalte Bad, in der Mitte die Badeteiche nach den Verhältnissen, dieVitruv hiefür bestimmt. Der Rand, oder der Umgang an allen vier Sei-ten h umher dient zum Stehen für die Wartenden, wenn die Plätze desBades schon besetzt sind, und solche Umgänge um den Badeteich sind es,was Vitruv die Schulen Scholae labri nennt.