Band 
Dritter Band.
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Die Gymnasien , die Bäder und Thermen .

betrachten, was wesentlich zur Belebung und Stärkung des Körpers bei-trägt, besonders wenn das höhere Alter oder Schwächlichkeit den Antheilan heftigem Uebungen verbietet. Oeffentliche Hallen waren zugleich Ver-sammlungsorte für Erholung und geistigen Umgang, besonders wenn zu-gleich an den Seiten der Hallen hin Exedren, Sehulen und Büchersäle ein-gerichtet waren, zum Lesen, Ausruhen uud Zusammensitzen, und ein geist-reiches Gespräch, oder der Vortrag von Einzelnen die Theilnahme anregte.

Daher geschah es, dafs Säulenhallen auch gewöhnlich Bestandteileder Gymnasien wurden. Doch welche Gattung von Bau liefse sich nennen,wovon gröfsere oder kleinere Säulenhallen nicht Theile gewesen wären?Mit Hallen waren die Tempel umgeben, und mit noch langem ihre Vor-höfe. An den Rückseiten der Theater und Odeen fehlten Säulengänge sel-ten, und bei den Märkten machten sie wesentliche Bestandtheile.

Aber die Säulenhallen waren nicht blofs Zugabe und Zierde andererGebäude; sie bildeten auch Baue für sich. Vielfältig errichtete man sieals Denkmale der Siege, wie die Persische und die Lysandrische in Sparta ,die des Atheners Phormio in Delphi, die Corcyräische inElis, dieAristo-demische in Megalopolis, und andere an andern Orten.

Sollen wir hiezu noch die in Rom nennen: die hundertsäulige desOctavius, die kapitolinische des Scipio Nasica , die des Metellus Ma-cedonicus, die des Minutius, und des Catulus, oder die der Argo-nauten, und der Europa von M. Agrippa , die der Octavia und Liviavon Angustus u. s. w.?

Sollen wir noch jene Hallen erwähnen, die sich an den Gebäudennicht nur durch ganze Strafsen, sondern selbst durch die Mitte ganzerStädte hinzogen? Antinoe in Aegypten , und Palmyra in derWiiste zeigenhievon noch mächtige Ueberreste; und welche Stadt in jenen Gegenden desOrients hatte dergleichen nicht aufzuweisen? Man erinnere sich der hän-genden Halle zu Cnidus, jenes Meisterwerkes von Sostratus.

Kein Bedürfnifs schien den Alten so dringend, als der Erbau vonSäulenhallen, die Cumäer, die in öffentlicher Noth ihren Säulengarg ver-pfändeten, vermifsten ihren Gebrauch bitter (Strabo 13. p. 622.).

Ueber die Anlage der Säulenhallen bedarf es keiner Muster. DerGrundrifs der Vitruvschen Palaestra deutet sie genügend an, theils in ein-facher, theils in doppelter Säulenstellung. Die Wände, an denen die Säu-len hinliefen waren verschiedentlich verziert, mit Hermen, Statuen, Reliefs

llirt, Gebäude. 554