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Dritter Band.
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VII, Abschnitt

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erforderte, die Verschiedenheit und Schönheit des Materials, die verschie-densten Constructionsweisen, verbunden mit der Rücksicht auf die gefällig-sten Verhältnisse haben den Häuserbau der Alten, auf dem Lande, wie inder Stadt, zu einem Glanze und Umfange erhoben, wogegen selbst die öf-fentlichen Gebäude zurückstehen mufsten. Das Stadthaus, wie der Landsitzeines Vornehmen, ward die gröfste Aufgabe für das erfinderische Talent desArchitekten.

Vieles und Grofses ist für die Neuern aus dieser Art Anlagen zuschöpfen, wenn gleich das Bestreben Aehnliches hervorzubringen, noch langeunerreicht bleiben mufs. Nur der lang dauernde Stand einer durch die ge-prüftesten Erfahrungen gereiften Kunst, versehen mit allen Hülfsmitteln,welche sich in dem ausgesuchtesten Material und in den geschicktestenBauhandwerkern jeder Gattung anboten, konnte solche Ergebnisse bewirken.Unter weniger glücklichen Einflüssen geboren bleibt dagegen das schönsteTalent ein Produkt seiner Zeit, und es kann nicht aus derselben heraus-treten, besonders in einer so vielfach verwickelten Kunst, wie die des Ar-chitekten ist.

Indessen genügt es nicht, blofs die Trachtanlagen, und dasjenige ken-nen zu lernen, Worin die Alten sich unübertrefFbar zeigen, sondern auchjene geringem, woran der Luxus weniger Antheil hatte, als das Bedürfnifs.Auch die Wohngebäude der geringem Bürger in der Stadt, so wie diewirtschaftlichen Bauanlagen auf dem Lande, sind ein Gegenstand von Be-lehrung; und vielfacher Vortheil läfst sich aus der Kenntnifs schöpfen, wiedie Alten hiebei zu Werke gingen. Verschiedenheit der Zeit, des Himmel-striches und der bürgerlichen Einrichtungen verbieten zwar solche geradein allen Theilen zu Mustern zu nehmen; aber durch die Lehren, die dar-aus hervorgehen, lernt der Verständige bald einsehen, wie das Tauglicheden veränderten Umständen gemäfs auf die jetzigen Zeitverhältniese anzu-wenden seyn möchte.

a. Alles Wesentliche, was die Wohngebäude der Alten betrifft,lernen wir aus Vitruv kennen, dessen sechstes Buch sich allein hie-mit beschäftigt. Wir werden also denselben auch bei dieser Gattung vonGebäuden zum Führer nehmen, und dann dasjenige hinzufügen, was wiraus den Nachrichten anderer, und aus den Denkmälern schöpfen können.

Vitruv giebt aber keine Risse, und keine Normalbaue von Wohn-häusern. Er beschränkt sich mehr auf allgemeine Beobachtungen und Vor-