VII. Abschnitt.
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Chen eher einen Saal nennen, um welchen in der Mitte des Hauses dieandern Abtheilungen lagen. Uebrigens begreift man’leicht; dafs ein solcherHof, oder Saal von irgend einer der Seiten eine starke Erhellung habenmufste, nicht blofs für sich, sondern auch um den Nebenräumen ein spär-liches Licht mitzutheilen. In ältern Gebäuden, besonders in Italien , kom-men noch ähnliche Anlagen nicht selten vor.
In Fig. V. und VI. ist hiernach ein nicht grofses Familienhaus ent-worfen, zugleich mit einem zweiten Stockwerke. Am Eingänge liegt einVorraum, durch welchen man unmittelbar in den Saal tritt, mit Fensternrechts und links zu seiner Erhellung zugleich mit einem großem Fensteran der Rückseite. Auf ähnliche Weise ist der Saal auch im obern Stockerhellt. Da dergestalt der Saal selbst nur nothdürftig erleuchtet war, sokonnte das Licht in den Seitenzimmern nur gering seyn. Im obern Stockejedoch konnte das Licht durch die Dachung, worüber man eine sogenannteLaterne aufsetzte, einfallen: ein Hülfsmittel, welches auch Vitruv (6, 6.)im Nothfalle vorschlägt. Denn eine gute Beleuchtung betrachtete man alseines der ersten Bedürfnisse einer behaglichen Wohnung.
Das Haus in Athen , worin Eratosthenes von Seite des Hausherrndie Lust mit dem Tode büfste, läfst sich am füglichsten mit einem Cavae-dium testudinatum in zwei Stockwerken denken; doch vielleicht noch ineinem geringem Umfange, als das hier in unsermRisse dargestellte (LysiasApolog. de Caed. Eratosth. c. 2 .).
§. 6. Gemächlicher und ansehnlicher machte sich die fünfte Gattungder Höfe, welche Vitruv die Corinthische — Cavaedium Corinthium —nennt. Dieser Hof unterschied sich dadurch, dafs an jeder Seite mehrereSäulen den Gang um den Hof bildeten. Die Dachung hatte übrigens dieEinrichtung, wie bei dem Toskanischen . Warum ein solcher Hof den Na-men des Corinthischen führte, wird nicht angegeben. Indessen würde manUnrecht thun, hiebei an die Corinthische Säulenordnung denken zu wollen.Jede Säulenart mag hiefür gedient, und schon früh diese Art Höfe von Co-rinth aus Eingang in Italien gefunden haben—vielleicht schon im Zeitalterdes Demaratus, der solche in Tarquinium, und dann sein Sohn der äl-tere Tarquinius, in Rom einführte. Denn was ist im Grunde einfacherund bei einem weitläufigem Hause nöthiger, als dafs der gröfsereHof auchmit mehrern Stützen umstellt werde? — In Fig. VII. und VIII. sieht mandie Anlage eines Corinthischen Hofes mit den Gemächern eines schon an-