2ß2 VII. Abschnitt.
ihre Wohngebäude bequemer und ansehnlicher anzulegen, auch mit Rück-sicht auf gröfsere Sicherheit gegen Einbrüche. Gerichtspersonen lind Red-ner gehen auf Eleganz, und umfassendere Anlagen wegen der bei ihnen zuhaltenden Zusammenkünfte. Dem Adel, der die Ehren- und Vorsteherämterim Staate führt, und sich mit den Angelegenheiten der Bürger beschäftigt,steht es zu: Vorhäuser von Königlicher Pracht, hohe Atrien, weitläufige Pe-ristylien, Gartenanlagen mit langen Baumgängen, und alles, was das Ansehenvon Gröfse an sich trägt, zu haben. Dazu kommen Bibliotheken, Bilder,säle und Basiliken, nicht unähnlich den öffentlichen Anlagen dieser Art, weilin den Häusern des Adels nicht selten gemeinsame und öffentliche Berathun-gen sowohl, als besondere schiedsrichterliche Sprüche statt finden. “
„Würde dergestalt der Häuserbau nach der Verschiedenheit der Ständegehörig berücksichtigt; so dürfte sich kein gegründeter Tadel dagegen er-heben. — Auch auf dem Lande seyen die Wohngebäude auf eine ähnlicheWeise, wie in der Stadt, anzulegen, mit dem Unterschiede, dafs an die Stelleder Atrien, die in der Stadt zunächst den Eingängen zu liegen pflegen,auf den Landsitzen die Peristylien zu stehen kommen; und dann erst dieAtrien, umgeben mit gepflasterten Säulengängen, welche die Aussicht aufdie Uebungsplätze und die Baumgänge haben. “
§. 13. Aus diesen zwei vorstehenden Kapiteln unseres Autors ler-nen wir: wie der Architekt die Lage gewisser Abtheilungen nach der Him-melsgegend zu wählen hatte, und dann wie der Umfang eines Hauses sichnach dem Vermögen und dem Stande des Besitzers richtete. Ueber diebauliche Anordnung der Wohnhäuser geringerer Bürger haben wir gespro-chen. Es bleibt uns noch übrig, auch den Häuserbau für die hohem Ständeund für den Adel zu berücksichtigen. Zur gröfsern Deutlichkeit stehe hiernoch eine Uebersicht der vornehmsten Theile, welche bei solchen Häusernvorkamen. Hiezu gehörten:
1, Ein geräumiges, reichgeschmücktes Vorhaus, gleichsam königli-che Pracht ankündigend — Vestibula regia •—. Wie bei den Tempeln tratman hier durch eine vorstehende Säulenhalle in den Vorsaal, worüber diePförtner die Aufsicht hatten, und die fremde Dienerschaft sich aufhielt, dieihren Herrn folgte. Durchgänge führten nach dem
a. Atrium mit den Seitengängen — Alae. Die Atrien waren nichtblofs ansehnlich durch ihren Umfang, sondern auch durch die Gröfse derSäulen und ihre Höhe — Alta Atria —, worüber besondere Diener, Atrienses