Die Wohngebäude . 289
Mesaulae — heifsen, da sie zwischen zwei Höfen in der Mitte liegen. Dieunsrigen hingegen nennen sie Andrones. “
So weit die Worte Vitruvs, womit er uns über die Anlage desGriechischen Hauses in Kenntnifs setzt. — Die Hauptanordnung ist nichtzweifelhaft, und hat noch Aehnlichkeit mit dem Hausbau des HomerischenZeitalters. Der gröfsere Haupteingang führte in die weiten und prachtvol-len Hallen des Männerhauses, und an der Rückseite lag abgesondert dieFrauenwohnung mit eigenem Eingänge, Natürlich zeigt sich in dem spä-tem Hause eine Verfeinerung, die den Homerischen Helden noch fremdwar. Aus der Vergleichung des einen, und des andern Hauses (Taf. VII.Fig. I. und Taf. XXVII. Fig. I.) läfst sich der Unterschied am besten wahr-nehmen. Uebrigens sieht man, dafs das Haus des vornehmen Griechen mitder Vorder- und Hinterseite an besondern Strafsen lag, und an drei Seitenhin eine Gartenanlage dasselbe einschlofs.
Ueber den Text habe ich nichts zu bemerken. Er stellt sich klardar; nur mul's man sich nicht an den Text von Schneider, sondern anden frühem des Jocundus halten. 0
Die Vill a Rustica.
§, 16. Die Landwirtschaft war ein Gegenstand vielfachen Bemühensbei den Alten. Hievon zeugen die Schriften, welche über den Landbauauf uns gekommen sind, hinreichend. Es ist aber nicht erlaubt, uns hie-bei aufzuhalten. Nur die Anlage der bäuerlichen Gebäude, wie sie die ver-besserte Landwirtschaft erheischte, kann und mufs hier der Gegenstandunserer Forschung seyn. Das Nähere darüber findet sich in LateinischenSchriftstellern und vornehmlich wieder in Vitruv .
Das Land war bei den Alten meistens in einzelne, teils kleinereteils gröfsere Besitzungen abgetheilt, und die Wohnungen lagen wenigerDorfweise beisammen, sondern getrennt, und gleichsam in der Mitte desdazu gehörigen Landes, bestehend inAeckern, Wiesen, Weinbau, Oelpflan-zung, Wald- und Bergtriften zu Weiden , in Gartenland und Obstbäumen.
Bei der Anlage der Landgebäude, sagtVitruv (6,6.), sey besondersRücksicht auf eine gesunde Lage zu nehmen, und die Gröfse derselbenmüsse dem Umfange des dazu gehörigen Landes, und dem Ertrage der man-cherlei Erzeugnisse entsprechen. Die Gröfse der Höfe sey nach dem Vieh-stande, und der Ochsenzahl, die zum Anbau nöthig ist, zu bestimmen.
Hirt, Gebäude. 37