Diß Wohngebäude * 1 29 *
§. 17. Diese Vitruvschen Lehren erhalten durch andere Schriftstel-ler theils Bestätigung, tlieils Erweiterung. Man vergleiche hiemit dieSchriften über den Ackerbau, besonders den Varro (de R. R. 1, n. 12.und 13.), den Colümella (1, 4 — 6.) und das erste Buch des Palladius .
In Rücksicht der Lage und der Himmelsgegend zog man für land-wirthschaftliche Gehöfte den Fufs eines Waldgebirges vor, mit der Stellungdesselben nach dem Aufgange.zur Zeit der Nachtgleiche, weil eine so ge-legene Villa im Winter die Sonne und im Sommer Schatten habe, und diegesundesten Winde die Feldmark bestrichen. Zugleich biete ein Waldge-birge ergiebige Weidungen. Würde man gezwungen an Flüsse zu bauen,so sey die Vorderseite von denselben abzuwenden, weil sie im Winter Kälteverursachten, und im Sommer ungesunde Feuchtigkeit davon aufstiege. —.Sumpfige Lagen seyen aufs sorgfältigste zu vermeiden, als der Gesundheitnachtheilig, auch die Richtung nach den Gegenden, woher drückende Windesich erhöben. Dann sey dem Thalgrund überall eine hohe Lage vorzuziehen.Gutes Wasser sey ein wesentliches Bedürfnifs entweder aus Quellen zurStelle, oder durch Leitung, wo nicht: so sey das Regenwasser in Cisternenzu sammeln. Ueber die Stellung der Ställe, besonders für die Ochsen, derWein- und Oelkeller, und der Fruchtspeicher findet sich überall dieselbeLehre, so wie auch über die Stellung der Küche und des Bades.
In das Innere des Gehöftes soll nur ein Zugang führen, an welchemdie Wohnung des Pförtners, und des Verwalters — Villicus — liege, umdesto leichter die Aufsicht auf das Gesinde, und die Ordnung des Ganzenzu haben. Die Küche erfordere grofse Räumlichkeit, indem das Gesindedarin esse, und sich wärme. Auch werde das Wasser für das Bad alldagewärmt, doch nur ein paar Tage in der Woche, weil man dafür hielt,dafs zu viel Baden den Feldarbeiter schwäche.
Das nicht gedroschene Getreide sey in Scheunen zu sammeln, unddie Tenne im Freien anzulegen, wo entweder das Getreide durch Thiereausgetreten, oder mit Flegeln ausgedroschen w^erde. Das Mahl- und Back-haus lege man sicherer in einem zweiten Hofe an, imgleichen die Scheu-nen, die Heu- und Futterboden, auch die Wasserteiche für die Gänse undEnten, und dann einen andern, um die Feigbohnen und Weiden einzuwei-chen. Der zweite Hof diene auch für das andere Geflügel: die Pfauen,Fasanen, Hühner, auch die Thürme für die Tauben. Fischteiche, und der
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