Band 
Dritter Band.
JPEG-Download
 

Die Wohngebäude. zgS

i*

Alten das Landleben genossen, sich nicht leicht etwas Besseres hätte erhal-ten können, als gerade die zwei Briefe, worin er beide genannte Landsitzebeschreibt. Auch sind sie um so lehrreicher, da der eine dieser Landsitzeam Meer und in der Nähe der Stadt gelegen, hauptsächlich für einen Win-teraufenthalt, und der andere, fern von der Stadt auf dem Vorgebirge derApenninen, für einen langem Sommeraufenthalt berechnet war. Die pracht-vollem Landsitze, welche derselbe Plinius in den berühmten und so häu-fig besuchten Gegenden von Tusculum , Praeneste und Tibur besafs, schei-nen der geräuschvollen Besuche wegen ihn weniger angezogen zu haben;und seine Villen in Oberitalien , besonders am Comersee, waren zu fern vonder Stadt, als dafs ein so viel beschäftigter Staatsmann wie Plinius sie öfterhätte besuchen können. Doch wir kommen auf die Briefe selbst, derenUebersetzung wir vorlegen, zugleich mit den erforderlichen Anmerkungen,und den von uns hiezu entworfenen Rissen.

Das Laurentinum.

(Plin. Ep. 2, 17.) (Taf. XXIX. Fig. V. u. Fig. VI.)

Es befremdet dich, dafs ich mein Laurentinum, oder wenn du eslieber hörst, mein Laurens, so sehr liebe. Deine Verwunderung wird auf-hören, wenn du die Anmuth des Sitzes, das Beqnemliche der Lage und denUmfang der Küste kennen wirst.

Von der Stadt ist das Haus siebzehn Meilen entfernt, so dafs dudeine Geschäfte in der Stadt mit Mufse abmachen, und doch bei vollemTage alldort eintrefFen kannst. Zwei Wege,, der Laurentinische und dervon Ostia , führen dahin; aber man mufs den Laurentihischen am vierzehn-ten , und den von Ostia am elften Meilensteine verlassen. Hier und dortstöfst man auf einen Landweg, der stellenweise sandig ist, etwas beschwer-licher und länger für die Zugthiere, aber kurz und gemächlich für denReiter. Die Aussicht dahin und dorthin stellt sich sehr mannigfaltig dar;bald verengen Waldungen den Weg, bald erweitert der Blick sich überunabsehbaren Wiesengrund. Allda weiden Heerden von Schafen, Pferdenund Hornvieh, die, des Winters von den Bergen vertrieben, im Grase hierund in laulicher Friihlingsluft gedeihen 1).

Das Landhaus, ohne ein Prachtsitz zu seyn, umfafst das zum Ge-brauch Dienliche. Am Eingänge liegt nur ein mäfsiges, doch nicht unan-ständiges Vorhaus Atrium 2). Dann kommt ein Säulengang Por-