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Roggwyler-Chronik oder historisch-topographisch-statistische Beschreibung von Roggwyl, im Ober-Aargau, Amts Aarwangen, Cantons Bern / bearbeitet und herausgegeben von Johannes Glur
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wegS berufen, über Andere zu richten, sonst könnte man mirsagen, ich könne vor meiner eigenen Thüre wüschen: darumist es hier auch keineswegs auf direkte Beleidigung abge-sehen oder auf irgend Jemand gestochen; wenn ich irgendden Nagel auf den rechten Fleck getroffen, so mag sich Hie-bei auch Jeder selber die Rechnung machen. Ueberall giebteS rühmliche Ausnahmen; nie sind Alle über den gleichenLeist geschlagen. Wenn eS mir im Geringsten gelungen, dieRoggwyler gut auszuführen: so bin ich ja auch ein Rogg-wyler; Andere würden eS aber noch besser machen. Wasdie Alten sungen, das lernten die Jungen. Ehre dem Ehregebühret!

Woher die gegenwärtigen Bürger zu Roggwyl ge-kommen, ist gänzlich unbekannt: körperliche Beschaffenheit,geistige Anlagen, Mundart der Roggwyler, deuten auf eineVerwandtschaft und gleiche Abkunft mit ihren Nachbarenim Luzerner Gebiet; einige Geschlechtsnamen sind ihnen auchgemeinschaftlich. DaS wenig bildsame, einförmige und steifeWesen der Roggwyler ist ganz luzernerisch.

Die Roggwyler sind überhaupt ein derber Menschen-schlag. Ehemals gab eS hier viele große, schöne, eigent-liche Gewalrömänner; auch jetzt giebt eS noch solche, die6 Fuß messen, und unter günstigen Umständen entwickelt sichnoch jetzt hie und da ein stolzer Körperwuchs. VerschrumpfteCreaturen, Dickhälse, Krüppel oder Zwerge giebt es hiernicht, ehender noch verwahrlostere, geistig und körperlichversäumte, zwerglige Menschen. Die Körpergestalt der Mei-sten ist von mittlerer Größe, bei vielen hager und fastschmächtig; vierschrötige, handfeste Kerl, sogenannte Kraft-männer giebt eS nicht (Großhannse hat'S noch genug); mehrhingegen ist der Roggwyler ausdauernd, geeignet, lang strengeArbeit auch bei magerer Kost zu ertragen. Vorzüglich vie-les Sitzen auf dem Webstuhl, Tabakrauchen, Nachtschwär-men, der Genuß des BranmenweinS und vorzüglich das früheHeirathen, schwächen die Kräfte, dörren die Säfte aus,bleichen das Antlitz, und sind im Ganzen eine Hauptursache