Buch 
Roggwyler-Chronik oder historisch-topographisch-statistische Beschreibung von Roggwyl, im Ober-Aargau, Amts Aarwangen, Cantons Bern / bearbeitet und herausgegeben von Johannes Glur
Entstehung
Seite
330
JPEG-Download
 

330

durch Laufen/ Handeln/ kleine Hamhiermgen zum Werktagmacht und kaum dem Leib seine nöthige Erholung gönnt.Ehemals (noch vor so I.) bevor die Weberei eingeführtwar/ gab cS hier viele TaMebe und Taugenichtse/ Leutedie nichts anzufangen wußten und täglick im Müßiggängeherum strichen und dafür bittern Mangel litten. Jetzt ar-beitet AlleS/ und der Roggwyler genießt iie Früchte seinesFleißes. In dieser Beziehung ist bei der Roggwylcrn diemerkwürdigste Veränderung geschehen.

Der Roggwyler ist auch sehrhuölich^und sparsam;er lebt nur um zu sparen; er kleidet urd richtet sich inAllem wohlfeil ein; in Krankheiten sorgt er für sich nach-läßig und für Vergnügungen giebt er nichts aus; er denktimmer nur an daö/ was er nicht hat/ selte» an das/ was erhat/ und Viele kennen kaum einen höher» Zweck des Ver-mögenS/ als den Besitz.

Im Eigennutz und im Unverstand wur;elt der Partei-geist/ und dieser ist um so verderblicher/ wo er blos aufein niedriges Interesse/ auf Rechthaberei/ oder darauf be-dacht ist/ den Meister spielen zu können. Der Parteigeistist ein tödcndes Gift alles ächten Bürgersinnes und allesedlen Gemcingeistes; er ist ein wachsender Krebsschaden ander gemeinen Wohlfahrt; wo er einmal Meister geworden/da wird nie etwas Gutes aufkomme«/ und für eine solcheGemeinde ist keine Hoffnung einer bessern Zukunft.

Eine andere große Plage ist der Wolf im Schaf-pelz. Das sind solche Leute/ die durch ihre Stellung/ ihrpersönliches Ansehen und durch Schlauheit einen großenEinfluß sich zu verschaffen wissen. Der Wolf im Schafpelzweis sich wohl einzuschmeicheln/ die guten Leute schon vonFerne zu bethören und einzunehmen; er ist arglistig und ver-schmitzt und spielt gern unterm Hütli; er meint/ in glattenWorten und süßen Mienen bestehe der Werth des Menschen:darum ist ihm ein jeder/ der gleiche Manieren hat/ einbraver Mann. Für wahres Verdienst und Rechtlichkeit hatder Wolf im Schafpelz keine Achtung: darum ist ihm der