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Das Buch der Mysterien : Leben und Treiben der geheimen Gesellschaften aller Zeiten und Völker / von Otto Henne-Am Rhyn
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eingedrückter, gedeckter Thürme hohe, bis zur Unendlichkeit hinaufftre-bende, von allen Seiten offene, als wollten sie sagen: wir sind, waswir sind, wir lassen uns nicht unter einen Hut bringen, unser We-sen ist durchsichtig und klar, frei und offen, nur dem Himmel Unterthan.Dazu kamen Verzierungen in den Fensterbögen, welche in jedem eineverschiedene Figur zeigten und damit gegen alle schablonengerechte Uni-formität protestirten. Es war die ächt germanische oder gothischeBaukunst, der Triumf des freien, deutschen, die ungestörte Entwickelungund ungehemmte Selbständigkeit der Einzelnen begünstigenden Geistes.Es war aber auch ein Andruck des Mysticismus, welcher in unzähligenzum Himmel strebenden Spitzen das Göttliche sucht. Die gothischeBaukunst hat daher in ihren ungeheuern Gewölben und schmalen Fen-stern etwas Düsteres, Melancholisches. Sie begünstigt das freie, selbst-thätige Sich in sich selbst versenken, ist also gleichermaßen einem auf-gezwungenen Dogmatismus, wie der rücksichtlosen, die Vorurtheile zer-störenden Forschung und Aufklärung abgeneigt. Wie daher die roma-nische Baukunst jene des Papsttums, so ist die gothische jene des Sekten-tums: als jene der Aufklärung folgt ihnen die Renaissance.

Die Versammlungsorte der Steinmeßenvereine in den Städtenwaren die Bretterhütten (englisch locigss, Logen), welche in der Näheder im Baue begriffenen Kirchen errichtet waren, um unter Dach diezum Baue bestimmten Steine bearbeiten zu können. Diese Vereinehießen daher Bauhütten. Schon frühe finden wir sie zu einem großenBunde vereinigt, dessen Mitglieder, in Erinnerung an ihren klösterlichenUrsprung, sich Brüder und ihre Vereinigung Bruderschaft nannten,und ihren Vorstehern die geistlichen Prädikate ehrwürdig, hochwür-dig u. s. w. beilegten. Wann dieser Bund entstanden, ist in tiefeDunkelheit gehüllt: als die Zeit seiner völligen Ausbildung wird viel-fach das 13. Jahrhundert angenommen und als Beförderer desselbender damals lebende gelehrte Dominikaner Albertus, genannt derGroße (nmAuus), Graf von Bollstädt (geb. 1205, gest. 1280), welchermeist in Köln lebte und sich durch mannigfache Schriften über Theo-logie, Filosofie, Mathematik und Fysik, sowie durch seine Kenntniß undBeförderung der Baukunst auszeichnete. Am berühmten Dome vonKöln dürfte sich daher vorzugsweise der große Verein der Bauleutegenährt und gekräftigt haben. Schon im 13. und 14. Jahrhunderterrichteten seine in die Welt ausgewanderten Glieder bedeutende Bau-werke in England, Frankreich, Italien und Spanien.