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III. Physikalisches.
Tiden.
weshalb das Nordseewasser hauptsächlich auf diese Vertiefungenangewiesen ist, lässt sich leicht erkennen, wenn man erwägt, dassim Grossen Belte der einfliessende Nordseestrom sich erst in 20 mTiefe bemerkbar macht. Freilich findet man zuweilen, dass die ausder Nordsee stammende Strömung, wenn sie das Ende eines Astesder tiefen Einsenkung der westlichen Ostsee erreicht hat, in Folgeder ihr noch inne wohnenden Bewegungsintensität diese Einsenkungverlässt und auf seichteren Grund auftreibt. Dies sind aber nurlokale Erscheinungen, die z. B. in der Travemünder und in derWismarschen Bucht Vorkommen und von denen später noch näherdie Rede sein wird.
In Folge der ungleich grösseren Ausdehnung, welche die Ein-senkung von mehr als 20 m Tiefe in der Kieler - und namentlichin der Mecklenburger-Bucht gewinnt (21,50 Quadratmeilen in derKieler - Bucht; 31,3 Quadratmeilen in der Mecklenburger-Bucht;4,8 Quadratmeilen im Grossen Belt; vergl. Abschnitt I. dieserArbeit) und der damit in Zusammenhang stehenden bedeutendenAusbreitung des Nordseestroms, wird die Intensität desselben baldeine sehr geringe. Bereits in der zwischen Falster und dem Darssgelegenen Cadet-Rinne ist die Strömung sehr matt geworden undnur wenig jenseits der Grenzlinie zwischen westlicher und östlicherOstsee lässt sie sich kaum noch auf direktem Wege vermittelst desStrommessers nachweisen. Die westliche Ostsee ist mithin in cir-culatorischer Hinsicht nicht minder gut von der östlichen Ostsee geschieden, wie in morphologischer.
In welcher Stärke die Nordseeströmung in die Smaalande-Seeeindringt und ob sie hier, nachdem die Rinne von mehr als 20 mTiefe ihr Ende erreicht hat, auf seichteren Grund auftreibt und schliess-lich durch die östlichen Ausgangspforten der Smaalande-See in dieöstliche Ostsee gelangt, scheint noch nicht genügend bekannt zu sein.Wahrscheinlich ist indessen, dass die so sehr geringen Tiefen deröstlichen Hälfte der Smaalande-See für das weitere Vordringen derTiefenströmung ein ebenso bedeutendes Hinderniss bieten, wie diezwischen Kopenhagen und Malmö befindliche Bank des Sundes.
b. Die Strömungen der Tiden.
In ebendemselben Grade, wie bezüglich der Tiefenströmungenscheint die Ostsee auch in Betreff der Ebbe und Fluth von der Nord-see abhängig zu sein. Freilich ist die Möglichkeit nicht ausge-