Rückwärtsdurchschneiden. Pässe.
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V. Zuort, V. Plavna, V. Sampuoir). Ihr Gefälle haben sie erst durch die Aufwölbungder Campostirn und das Einsägen des Inn erhalten, dem sie untereinander parallelkonsequent zuliefen. Viel verwickelter muß die Geschichte des Spöltales gewesen sein.
Zu den späteren Erosionstälern gehören sicher auch die meisten Täler innerhalbdes Silvretta -M., wie Sulsanna, Susasca, Fleß, Sagliains, Lavinuoz, Tuoi, Sertig,Dischma, Flüela, Mönchalp, Vereina, Sardasca. Das Nachtasten nach dem innerenBau ist besonders deutlich an der Albulapaßlinie, im Gebiete von Bergün , es istin V. Trupchum, ferner bei V. Tasna—Urschai ausgesprochen. Andererseits sindV. Sinestra, Samnaun, Prättigau unterer Teil, Schanfigg heute die Spuren ihrer Jugend-geschichte verloren gegangen, so daß sie nur noch die Merkmale postdislokationerErosionstäler erkenntlich tragen.
Die ostalpinen Täler zeigen sehr oft die Unabhängigkeit der Talgestaltung vominneren Bau. Der Liaszug Albula—Bormio wird vom Engadin und vom Livigno-tal ganz unberücksichtigt gelassen; rücksichtslos durchkreuzen der Spöl, V. Brunaund V. Mora den S-Zweig der Engadiner -Dolomiten, als wenn die Weichzone derLiasschiefer gar nicht vorhanden wäre. Dislokationen, die dieses Benehmen er-klären würden, sind nicht vorhanden.
Erscheinungen des Sich-rückwärts-Durchschneidens sind häufig. Ander W-Grenze des ostalpinen Mittelbündens erstreckt sich der großartige, weite, ty-pische Taltorso der Lenzerheide (Bd. i Taf. XV), der durch die Rückwärtserosionder Schynschlucht aus dem lebendigen Talweg amputiert und nun seither um zirka850 m in der Austiefung zurückgeblieben und überdies durch Dislokation und Auf-schüttung rückläufig geworden ist, während Landwasser, Albula und Oberhalbsteinden Gefällsgewinn genossen und mit gewaltiger Austiefung unter die früheren Tal-stufen beantwortet haben. Herrliche Fels-Terrassen (Brienz, Schmitten , Wiesen,Jennisberg, Stürvis, Salux, Prasans u. a.) und Talstufenreste in den Talhintergründen(Davos bis Monstein, Bergün , oberes Oberhalbstein) verkünden den früheren Zu-sammenhang vor der Austiefung nach der Schynschlucht. Der mächtige Gletscher,dem im Diluvium der neue enge Talweg versperrt war und der wieder den altenHaupttalweg über die Lenzerheide gehen mußte, hat nicht im geringsten vermocht,dessen Austiefung nachzuholen !
Die Landquart ist durch Rückwärtserosion dem Davosertal in die Seite gefallen,hat den Talboden zwischen Schlappin und Davos durchschnitten, am Kreuzungs-punkte bei Klosters von ca. 1550 auf 1200 m vertieft, die Oberläufe vom Silvretta-gletscher-Gebiete nach NW abgelenkt. Aber auch das alles scheint eine Palimpsest-bildung auf einer noch älteren anderen Talordnung zu sein.
Im Gebiete der schweizerischen Ostalpen treffen wir in recht scharfer Gegen-sätzlichkeit auf die zwei verschiedenen Haupttypen der Pässe (Gebirgspaßsättel).
1. Die große Mehrzahl der Pässe, und im besonderen alle kleineren und höherenPässe zwischen Nebentälern des gleichen oder verschiedener Flußgebiete, sind„Schneidenpässe“. Sie sind entstanden im Eroberungskampfe zwischen ähnlichwertigen Erosionsgebieten, die rückwärts sich ausdehnend und in ähnlicher Phaseihrer Entwicklung mit ihren Oberläufen aneinander geraten sind. Sie sind in derHauptsache (Gefälle nach b # eiden Seiten) symmetrisch.