Quellen.
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Zahl im Gipfelserpentin des Mte. della Disgrazia vor. Die Schmelzlöcher sind meistens gewundeneRohren; sie setzen in Gesteinsstücken von 5 bis 6 cm Dicke ganz durch, andere sind kurz und endigenblind. R. Staub hat 1920 ebenfalls Blitzschmelzröhren und Furchen in erstaunlich schöner Ausbil-dung auf Mte. della Disgrazia beobachtet (Viertel]. Sehr. n. g. Zürich 1921). In Granit und anderenkristallinen Silikatgesteinen scheint Ähnliches noch nie gesehen worden zu sein, von den Gipfelndes Silvrettamassives und der Bernina-Err-Gruppe kennt man nur die Schmelztropfen.
4. Quellen.
a) Von den Süßwasserquellen.
Auch im ostalpinen Graubünden treffen wir im mesozoischen Gebirge oft aufgroße Quellen, die als Spaltquellen oder Schichtquellen aus den anstehenden Dolo-miten oder Kalksteinen kommen oder unter den Wandfußschutthalden hervortretenund oft in der Tektonik des Gebietes oder einfach im Wechsel von durchlässigemund undurchlässigem Gestein ihre Erklärung finden. So gibt es z. B. viele großeQuellen in den Quertälern, welche tief in die Unterengadiner -Dolomiten schneidenund sogar trotz der steilen Schichtstellung auch am Fuße beiderseits der Rhätikon -kalke. Selbstverständlich fehlt auch das Gegenstück nicht: in Dolinen, Karren-löchern und Trichtern verschwinden Bäche (z. B. im Rhätikon , im Thäli am, Scholl-berg, auf Plassecken und an zahlreichen anderen Stellen). Daneben sind wieimmer kleinere Schuttquellen reichlich vorhanden. Im tonschieferreichen Flysch -und Bündnerschiefergebirge sind große tiefgründige Quellen sehr selten, sumpfigeOberflächenstücke und oberflächliche Torflager und Rutschungen aber ganz ge-wöhnlich. Im altkristallinen Gebirge kommen nur kleinere Felsquellen vor, dort sinddie Schuttquellen die größeren. Einige Quellen Ostgraubündens sind durch be-sondere Erscheinungen bekannt geworden: Im Hintergründe des Kesselschlusses vonVal d ’ A s s a unter dem P. Schalambert (Unterengadiner-Dolomiten) findet sich bei1900 m ein intermittierender Quellbach aus Arlbergkalk, die Fontana chistaina.
Erste Erwähnung 1561 durch U. C ampell. Zusammenstellung bisheriger Beobachtungenbei Tarnuzzer. Die Erscheinungen der innerhalb einiger Stunden stattfindenden Intermittenz sindbisher nur immer vorübergehend, noch nie dauernd und konsequent beobachtet worden, so daß dieErklärungen noch in der Luft schweben. Trockenhöhlengänge, im Wasserstande schwankendesWasserbassin mit intermittierendem Überlauf usw. sind von Tarnuzzer beschrieben und von Jacotvermessen worden.
Ein Ereignis ungewöhnlicher Art war in der Nacht vom 15. auf den 16. Juni1919 das plötzliche Verschwinden des Tuorsbaches in Bergün :
Ein großer Versickerungstrichter im Bachbett bei ca. 1475 m, der offenbar schon lange Zeitmit Bachschutt verstopft lag, war vom angeschwollenen Bach ausgeräumt und dadurch plötzlichwieder wegsam geworden. Die Stelle liegt in Gips und Rauhwacke der Raiblerschichten. Von derVersickerungsstelle talabwärts bis auf 2—3 km Entfernung NW unter den Bergünerstein hinab ent-standen nun in großer Zahl (über 50) Quellenaustritte. An vielen Orten spritzte das Wasser unterDruck aus dem Boden. Wiesen und Wälder wurden von neuen Furchen durchrissen und die Straßenunterbrochen. Die Ergüsse kamen meistens aus Spalten des Dolomites. Die tieferen derselben (unterdem Bergünerstein ca. 1255 Ml.) nahmen noch im Herbst zu, während der Druck in den oberennachgelassen hatte. Im Spätherbst endlich wurde der Tuorsbach von der Verschluckungsstelle ab-geleitet, die letztere solide und dicht verschlossen und nachher der Bach wieder in seine Rinne ge-leitet. Allmählich sind die neuen Austrittstellen vom Juni wieder völlig versiegt. Schon vor zirka120 Jahren soll das gleiche Ereignis sich vollzogen haben. (Tarnuzzer in Jahresber. n. G.Graub. 1921).