22 I. Cap. Die äußern Formen
lern/ die sich in das Hauptthal ausmünden, durchzieh« daserhöhte Land, sie selbst empfangen wieder von beyden Seitenher Thäler und Graben des dritten Rangs, und so geht dieVerästlung weiter fort bis in die kleinen Bachgraben undWasserrünse, die ihren Ursprung an den Abhängen selbstnehmen. Mehrere dieser Secundär-und Tertiär-Thäler habennoch eine sehr bedeutende Ausdehnung: ihr Thalgrund ist oftbreit und eben, ihre Längenerstreckung beträgt nicht selten,bey kaum bemerkbarem Ansteigen, einige Stunden und eswiederholen sich, ein merkwürdiger Unterschied von den Sei-tenthälern der Hochgebirge, an den Abhängen und im Thal-grund alle Eigenthümlichkeiten des Hauptthales. Oefterö auchwird das erhöhte Land zwischen zwey Hauptthälern nach seinerganzen Breite von einem Secundärthal durchsetzt, in wel-chem die Wasser, in entgegengesetzten Richtungen, von einemWassertheiler auSlaufcn, der sich zuweilen gar nicht merklichüber die andere Thalfläche erhebt. So das Thal von Hab-stetten und Krauchthal zwischen der Emme und Aar, dasWangenthal zwischen der Aar und Sense. Auch die Seeun-därihaler selbst werden auf solche Art häufig unter sich undmit den Hauptthälern verbunden. Der Thalgrund dieserDurchschnitte liegt nicht selten beträchtlich höher, als der-jenige der anstossenden Thäler, so daß sie nicht am Fuß desThalabhangs sondern in mittlerer Höhe mit denselben zusam-menflössen.
Nirgends findet man die große Mannigfaltigkeit dieserBildungen und die ganze Folge der Entwicklungsstufen derThäler, vom ebenen, breiten Hauptthal bis in den engen,steil ansteigenden Graben und den erst im Entstehen begriffe-nen WasserrunS, vollständiger vereinigt, als in den wetternVerzweigungen des großen Napfplateau's, in dem Hügellandzwischen Bern und Burgdorf und im Emmenthal. Das Stu-dium genauer Detailkarten dieser Gegend, oder die Aussichtvon einem erhöhten Punkte, z. B. vom Bantiger, oder vom