Schiavone.
auch unter beyden Namen aufführt. Seine Lebens-feist setzen Einige, mit demselben Todesjahr wiedas Lex. auf 6/. I. »Derselbe" (heißt es beyEanzi III. 119—20.) »war in seiner FärbungTitianeschisch, aber mit gewisser ihm eigenen Leb-haftigkeit. Die Natur schuf Wenige mit solchenTalenten für die Kunst. Man erzählt, daß dessenVater, um zu erforschen, für welchen Beruf derKnabe am Beßtcn tauge, ihn bisweilen durch dieStadt geführt, wo er dann immer bey den Malernstillgestanden, worauf er ihn einem derselben alsJunge übergeben. Auch im Verfolg war ihm dasGlück sehr wenig günstig, und mußte er seinenUnterhalt immer mehr wie Taglöhner, als wieKünstler gewinnen. So fieng er, ohne Fundamentim Zeichnen, gleich zu malen an; und kannte ermehrere Jahre keinen andern Mäcen, als etwaeinen Maurermeister, der ihn für Häuser anstreichenempfahl, oder einen Bänke - und Kistenmaler, demer bey seiner Arbeit bchülflich war. Dann war esLitian zuerst, der ihn in einigen Ruf brachte, alser ihn, nebst Andern, für Beschäftigung bey derBibliothek von St. Marcus empfahl. Auch Tin-torett ließ ihm Gerechtigkeit wiederfahren, und warihm oft bey seinen Bildern behelfen, um hinwiedervon ihm die Knust seines Kolorits zu ergründen,das er mit Barrocci's vergliech; er soll sogar stetsein Gemäld von Schiavone in seiner Werkstattegehabt, und oft gesagt haben: »JederMaler solltedasselbe thun, um sich mit malerschem Feuer zubegeistern; dagegen wär' es freylich übel, wennEiner nicht besser zeichnete, als Andreas". Nochmehr: Robusti suchte, in einer Beschneidung beyden Karmelitern zu Venedig , ihn eigentlich nach-zuahmen ; was ihm auch so gut gelang, daßvasaridas Bild wirklich für Schiavone's hielt, den erübrigens so gering schätzte, daß er von demselbenurtheilte: Bloß durch Mißlingen wär' ihm bis-weilen etwas Gutes gerathen. (Wie Aug. Caraccieinen solchen Machlspruch rügte, s. man in Franco'sLeben bey Bortari). Und in der That, die Zeich-nung ausgenommen, war an unserm Künstler Alleshöchlich zu loben: Schöne Composikion; geistreicheStellung und Regungen seiner Figuren, die er etwagern aus den Blättern von Parmigianino entlehnte;eine Färbuikg die Vieles von der Lieblichkeit des An-dreas dcl Sarto hatte; die Toccirung eines großenMeisters. Bey alle diesen Verdiensten blieb er armbis an sein Ende; seine Freunde bezahlten noch dieKosten seiner Beerdigung, und ließen ihm ein Denk-mal in St. Lucas errichten. Erst nach seinem Todewuchs sein Ruhm ungemein; man nahm jene seinerArbeiten (meist mythologischen Inhalts) ab Kästenund Stühlen weg, und stellte sie in Galerien auf. Dreyderselben befinden sich in Dresden *), viere in derKais. Galerie zu Wien "). Das Haus Pisam beySt. Stefano zu Venedig , und andre dortige Hänscrhaben manch Graziöses von ihm. Dann besitzendie Theatiner zu Nimmt zwey seiner Slaffcleybildcr(Pendants): Eine Geburt Christi und eine Himmel-fahrt der H. Jungfrau, mit kleinen Figuren von derGröße, wie Ponssins, und überhaupt von seinenschönsten. Bey Fiorillo (ll.li io.), der im Ganzenvon diesem Künstler dasselbe Urtheil wieLanzi fällt,heißt es, wo er von seinen Studien spricht: » Diegroßen Massen von Helldunkel, der weiche undsaftige Pinsel, gehören ihm selbst an". (SeinenNamen Schiavone leitet er von Slawe her, weiler aus Dalmaticn gebürtig war), wareler bannentschuldigt des Andreas Inkorrektheit dainit, daßer schlecht bezahlt wurde, und sich daher eine ge-schwinde Manier angewöhnen mußte. Im altenKönigl. Kabinet (und wahrscheinlich »och im Mu-seum) sah man von ihm einen Jeremias, die Figur,»ach seiner Gewohnheit, incorrekt, den Kopf abergut vollendet, und das Ganze, mit sehr leichterManier, schön colorirt. Auch die Galerie Orleans besaß von seinen Bildern. In Deutschland dann,
Schiavone. 1439
nebst dem schon Genannten zu Wien und Dresden ,unsers Wissens einzig noch Düsseldorf drey Bilder:Eine kleine Kreuzigung mit vielen Figuren, eineGrablegung, etwas größer, und ein Dildniß Gior-gione's in Lebensgröße. Von ihm selbst geetztkennt man einige sehr geistreiche Blätter; etliche inZeichnungsmanicr, im Geschmacke des Parmesans.Von denselben nennt Rost III. 191. Moses im Nilgefunden, Flucht nach Egypten (gestochen), H.Familie von fünf Figuren, Auferwecknng Lazari,Christus im Grabe (Maria in Ohnmacht): Allediese nach Parmesan; Petrus und Johannes heilendie Kranken, nach Raphael (diese Blatter alle aufblauem Grund mit Weiß erhöhet, und einige mitgoldnen Schraffirunqcn); endlich einen Helenen-raub, nach eigner Erfindung, geetzt. NurBasan(b)<j. seo.) glaubt, wohl irrig, daß auch dies Blattnach Raphael sey, und dakirt solches von i5(,7.winkler hat noch das (seltene) einer Verkündigung,welches ausdrücklich mit seinem: Leoir bezeichnetist. Gestochen nach ihm dann haben: P. Aveline,Q Boel, S. Gribelin, I. Grocnsvelt, Henriquez,Th. van Kessel, C. Lauwers, P Lisibetcn, A. Lo-renzini, C. Mogalli, P. A. Pazzi, I. Picinus,I. Popels, Prenner, R- Sudeler, I. Troyen undDalk. Denn auch dieser Unstern ward ihm zu Theil,fast lauter schlechte Stecher zu finden Eine guteLitteratur von 18. derselben giebt der WinklerscheGantkatalog, die meisten indessen aus der altenGalerie von Brüssel (welche in den, uns unbe-kannten, ältern Drücken erträglich seyn mögen).Als schön werden dort genannt: Eine Beschneidungvon Valk gestochen, und Pilatus wascht sich dieHände, von Groensoelt geetzt. Auch in dem Ga-leriewcrke des Palais Royal endlich findet sich „achihm ein Christ vor Pilato, von Bore! gezeichnet undvon Henriquez gestochen. Diesen thut der Katalogvon Brandes noch hinzu: Midas , der den Pandem Apoll vorzieht, von Gribelin. Noch bemc>kenwir überhaupt, daß unser Schiavone einer vonden fröhlichen Künstlern war, der bey aller seinerNoth und Kummer eben so gerne die alte Göner-gcschjchle, als die geistliche, zu bearbeiten schien.Aus der Legende vollends kennen wir von ihm —auch nicht einen einzigen Strich!
* Schiavone (Domim'cus). So heißt beyGalassi, ohne Weiteres, ein Bildhauer, der umi 53 o. zu Perugia gearbeitet habe. Ob er etwa mitdem M. A- Schiavone des Lex. Derselbe seyndürfte?
(Hieronymus oder Georg). BeydeTaufnamen sind irrig; er hieß Gregor. Derselbe(heißt es bey Lanzi L. Ist. 111 . 54 ) hielt die Mittel-straße zwischen Mantegna und den Bellini, und warein graziöser Maler vieler kleiner Bilder, die ermit Architektur, mit Früchten, und besonders mitallerliebsten Engelchen stassrte. In St. Francescozu Padua sieht man von ihm eine Madonna aufdem Thron, mit dem Kind und zwey Engeln, mit:Opus 8clavoni Oalmsticst. 8qusrcic>nl bezeichnet,das von Einigen irrig auf Squarzione selbst gedeutetwurde. Allein zwey andre seiner wilder, das eine(ein sehr angenehmes) im Besitze eines Partikularenzu Fossombrone, mit: Opus 8o>avon'li valmatiei8qurir2oni 8. (8cholsr!s), das andre, einst inSt. Niccolo zu Padua , jetzt im Pallaste Frigimelicadaselbst, vollends mit Opus 8clnvoni. OiscrM.r.8quarcioni slgnirt, heben diesen Irrthum gänzlich.S. Hofsierrer's Vkachrichren von Runst-sachen in Italien (8. Wien 792.) Lh. 1 . t>7- 69.11 . 333 .
* — — (Lutas), blühete um i 45 o. zu Mai land
, zu den Zeiten des letzten Herzogen Sforza ,dessen Bildniß sei» Schüler H. Delfinone gestickthat. (L. Ist. IV.) 221.
) Zwei- H. Familien; und ein Christ, von einem Engel und Joseph von Arimathea unterstützt; große Staffeley-bilder auf Tuch.
0 von Mechel nennt nur zwey: Eine H. Familie mit St. Cathariua; ganze Figuren halb Lebensgröße, aufHolz. Dann eine Anbetung der Hirten, kleine Figuren, auf Leinwand. Veyde sind bey Teniers abgebildet,
Ddddddddd