Band 
Zweyter Theil [3].
Seite
1531
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Schoen.

nicht. Die aufgeklebte Jnnschrift hingegen rührt(denken wir) doch wohl, wie das ich in derselbenanzeigt, offenbar von Largkmair her, nicht (wieder Herr von Murr glaubte) von Albert Dürer ,weder dem Vater noch dem Sohne. (Auch schriebder Sohn wenigstens ein namhaft besseres Deutsch ).Dahin gestellt laßt Barrsch hingegen ob Schon-gauers Geburtsort Colmar oder (wie Sandrarraus einer von i; 85 . batikten Zeichnung schließenwollte) Rallenbach (Culmbach) gewesen sey, ober es gleich mit des Künstlers Bescheidenheit kaumreimen könnte, daß Er sich selbst auf dieser Zeichnungsonst der hübsch Martin genannt, betitelt hatte,was dann eben so gut beweisen würde, daß auchdas Bildniß nicht etwa seine eigene Arbeit sey.Dieses hübsch Martin war so sehr sein gewöhn-liches Epitheton, daß solches auf jenem Bildnißsogar vor seinem Familiennamen erscheint. Auchder Herr von Heinecke besaß eine seiner Zeich-nungen, welche nun wirklich von Albrecht Dürer ibl/. so unterschrieben war: »Dieß hat der hübschMartin gerissen im >470. Jar, da er ein jungergesell was" (was somit seine Geburt gegen dasI. igho. zurück setzt). »Das hab ich Albrecht Dürer erfarn, und Im zu Ere daher geschriebenim 1617. Jar". Auch die Franzosen nannten ihngewöhnlich 1 e besu lVIartm; etwa auch (vollendslustig) von dem hübsch (hupst) durch zwey Organeirre geführt: IVIartin *). Aus alle diesem

folgt (meynt Barrsch wohl mit Grund), daß derunterm Künstler gewöhnlich zugetheilte Geschlechts-name Schön eben auch für nichts anders, als denmoderniflrken Beynamen Hübsch zu achten, Schon-gauer aber sein wahres Geschlecht sey; so wie auchvon Sterren (Kunstgesch. von Augsburg S. 27Ü.)noch einen Maler dieses Geschlechts, Ludwig,anführt, der im dortigen Bürgerbuch unterm Jahrr-sbb. eingeschrieben war, in iHgi. sein dasigesBürgerrecht aufgab, und ohne Zweifel derselbe ist,den auch C. Scheuer! zS. L). Vita ^»t.in L. B'rküer'E-u Oper. kraneost öro. p. 35 t.),in i/jgs. zu Colmar (und zwar als Bruder vonMartin) anführt, so wie hinwieder Andre ihn,sehr wahrscheinlich, für.dessen Vater halten. Somitwären denn auch die wirklichen Künstler vom Ge-schlechte Schön, die nach Murr (Journal l. c.01.) zwischen den Jahren 1440. 70. zu Nürnberg

lebten, von einer ganz andern Familie, als derunstige zu Augsburg , so wie auch Heinecke (N.Nachr. S. 440.) beyde durch einander mischt,und Murr sich über unsers Martins Geschlechtund Beynamen (ll. I- c. undXV. 33 .) selbst wider-spricht. Daß i/jgg sein Todesjahr sey, kann wohlnach Ansicht jener Jnnschrift kaum in Zweifel ge-zogen werden, wenn man anders nicht mir demHerrn von Murr einer Leseart ohne Sinn nämlich:seinen Erben, statt gestorben den Vorzug gebenwill. Das sonst gewöhnlich angegebene Datumseines Hinscheids (1486.) rührt von Scheuer!

(I. c.)nachN)impheling(Lpitc)m.Oermi»nor (tz/.)her; und immer sonderbar ist es: Daß Scheuer!von A. Dürer selbst erfahren, daß dessen Vater ihnals dreyzehnjährigen Knaben bey Schongauer **)habe in die Lehre geben wollen, als dieser mittler,weile verstorben sey; ein Umstand, dessen Dürerselbst jedoch in seiner Autobiographie bey Sandrarrkeine Erwähnung thut. Mit der Angabe desspätern Todesjahrs stimmt auch ein Zeugniß dessel.Lerse (Pfeffcls Freund > überein, der in Colmar Gelegenheit halte, Handschriften über Martin unddessen Familie durchzusehen, aus welchen erhelle,baß solcher länger, als man gewöhnlich glaubt,gelebt habe (Rost 1 .96.). Nach wimphelings,seiner Gewohnheit gemäß ziemlich aufgedunsenemZeugnisse (I. c.), waren Schongauer« Arbeiten,als Maler, selbst in Italien , Spanien , Frankreich ,England kurz in aller Welt gesucht. In derKirche St. Martin und Franz zu Colmar sah' manBilder von seiner Hand, welche von andern Künst-

") Die Italiener endlich, neben andern Verstümmelung«Bemerkenswerth! Schon Scheuert nennt ihn Sch

Schoett. iZZi

lern, die zu dem End von allen Seiten herbey-strömten, copirt wurden. Denn in der That konnte,nach dem Urtheil aller Kunstverständigen» sonstniemand dergleichen liefern, worinn man Reiz undZierlichkeit so vollkommen beysammen fand. » Ge-genwärtig" (fügt Barrsch bey)können zwarächte Kenner einen solchen Enthusiasm' nicht mitwimpheling theilen, kommen aber doch darinmit ihm überein, daß Schongauer ein seltenesGenie, und reich an Ideen war; daß er seinenFiguren eine natürliche Bewegung, und bisweilenselbst graziöse Stellungen zu geben wußte; daßendlich (wenn die »nebeln Contoure seiner immerallzu magern Formen, der Wurfseiner gothischenDrapperien, und der Mangel von Perspekliv inseinen Hintergründen, seinen Werken freylich dasGepräge der Kindheit der wieder neu erwachtenKunst aufdrücken) ihm nichts desto minder dasVerdienst der Originalität, und der Ruhm gebühre,sich fast über alle deutsche Künstler seiner Zeit empor-geschwungen zu haben". Sandrarr zufolge, standMartin in freundschaftlicher, sogar genauer Ver-bindung mit dem Lehrer von Raphael, Peter Peru-gino, und bezeugten sich diese beyden Künstler vonZeit zu Zeit ihre wechselweise Achtung durch Aus-tauschung ihrer Zeichnungen; und, was Schon-gauern nicht minder Ehre bringt, fand, wievasäri (I V. s 65 . VI. i 5 g.) erzählt, der damalsnoch junge Michael Angelo , das Blatt von unsersMartin Versuchung St. Antons seines Studiums,und selbst seiner Nachbildung würdig. »In derThat" (fährtBarrsch fort), » zeugen die von ihmhinterlassenen Blätter überhaupt von einer sich fastimmer gleichen Vollkommenheit des Grabstichels,woraus sich vermuthen läßt, daß er erst in Kupferzu stechen, oder wenigstens erst dannzumal seineArbeiten abdrucken zu lassen anfieng, als er sichbereits eine große Praktik auch in diesem Zweigeerworben, auf den ihn wahrscheinlich die Gold-schmiedekunst, die er, wie es heißt, ftüherhinübte, mag geführt haben ". Bey Rost dann, derunsern Martin an die Spitze seiner deutschenSchule stellt, heißt es von ihm: »Derselbe warZeitgenosse des Maso Finiguerra ; und man kannaus seinen Arbeiten schließen, baß, wenn er nichtder Erfinder der Kupferstecherkunst ist, er doch dererste gewesen sey, der zu seiner Zeit alle italienischenMeister, zumal in Behandlung des Grabstichelsübertreffen habe". Ob alle seine Blätter bis aufuns gekommen, kann freplich nicht ausgemitteltwerden. Indessen glaubt Barrsch, die achten Alleaufgefunden zu haben, und glaubt hinaegen inHeinecke'« Verzeichniß (N. Nachr. S. 410435 )mehrere anzutreffen, welche entweder sicher andernMeistern zugehören, oder gar niemals vorhandengewesen. Nun folgt mit der, unserm einsichts-vollsten deutschen Kenner dieser Kunstgattung ei-genen unbefangenen Genauheit, seine Litteratur vonn 6 . zuverläßigen Blättern unsers Künstlers: Da-von 26. aus der Biblischen (Neu Lestamentlichen)Geschichte; 7. aus derjenigen der H. Jungfrau;28. aus der Geschichte der Apostel und der Heiligenmännlichen, und 5 . der Heiligen des andern Ge-schlechts; 21. andre fromme Gegenstände; 29. welt-liche Gegenstände, Thiere, Zierathen von Wappen-bildern u. s. f Ueberall sind die Copien von ano-nymen sowohl, als von bekannten Meistern bey-gefügt. Hierauf folgen noch 17. Bl. welche zwarsein Zeichen tragen, aber deswegen nicht von ihmseyn sollen; endlich 25 . solcher, welche Heineckeunserm Künstler zueignet, und die für sicher Andernzugehören; derjenigen, schon obenerwähnten somitnicht zu gedenken, die sich in dem HeineckischenVerzeichnisse finden, und aber Barrsch niemals zuGesicht gekommen sind; wo wir denn freylich ge-stehen, daß sich auf die gänzliche Nichtexisten; dieserletztem bloß aus der schädeltreffenden Ungenauheitvon Heinecke doch immer noch unsicher schließenläßt, mit welcher Heinecke jene 25. uns für ächt

1 auch: Eicon und Socu.

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