unsers Wissens hat dieses rein herausgesagt iZ8)„mirSchatten ihrer bewundernswürdigen Urbilder,j'v wie nvch sieben derselben in den Cartons zuHamptvncourt übrig geblieben sind. Aber ungeach-tet alles dessen, was diese Darstellungen unter dengeistlosen Handen der Tapctenwirker eingebüßthaben; ungeachtet der vielen und groben Verzeich-nungen und des verblichenen Colvrits, wodurch alleHaltung und Harmonie verloren gegangen, undder Harte der Umrisse izy), wodurch der Ausdruckost zur Carrikatur verunstaltet worden; ungeachtetihres vollends gegenwärtigen Entbloßtseyns von
Allem, was bloß den Sinn vergnügen kann , gebensie dennoch einen so reichen und innigen Kunstge-nuß, daß man entzückt von den »och vorhandenen,durch alle jene Entstellungen unvertilgbaren Vvr-trefflichkeiten — auch in diesem dürftigen Gewändedie reiche Fülle und Herrlichkeit des Raphaelisichen,Genius nur noch mehr bewundern mußHierauf pflichtet F'ernorv 160) dem zuerstvon Richardfon i6i) gefällten, und früher auchvon Lanzi 162) bestätigte» Urtheile bei), baß jeneTeppiche uns noch einen höhern Begrif von Ra-phaels eigenthümlichen Geist und Kunst, als selbst
7 . St. Paul auf demAreopay. M. Anton vortrefflich — Einer der Audrans (beyde nach Zeichnungen) —Der Graf Caylus, nach einer Scizze.
Bloß nach den Tapeten gestochen, kennt man vörderst zwey Sammlungen, welche wahrscheinlich die ?>>mco-tlieca I-Iamptoiilana ergänzen sollten, da beyde zusammengenommen (jedoch mit Ausnahme dreyer Biider)diejenigen dieser Teppiche enthüllen, von welchen die Cartons verloren gegangen, beyde um die Mitte desXVIIt. Jahrhunderts gefertigt: Die eine von M. Sorello (einem Schüler von Frey) zu Rom in 8. Blätternvon verschiedener Größe, nach den Zeichnungen verschiedener Römischer Künstler; die zweyte in 6. großenBlättern, von R. Daltvn gezeichnet, und von I. Basire, C. Grigno» und F. Vivares gestochen, erschien zuLondon 175z.
In beyden finden sich: Die Geburt (Anbetung der Hirten), die Reinigung Maria, die Auferstehung,die Jünger zu Emaus und Christus als Gärtner.
Neben diesen fünfen hat noch die Sammlung von Sorelli besonders: Petrus ZUIN Haupt der Riecheerklärt (welches aber nicht zu den fehleuven Cartons gehört), nach einer Zeichnung von C. Maratli, einst inder Sammlung des Kardinals Al. Albani, die Erlösung aus dem Eimbus, und die Bekehrung desSaulus, ebenmäßig nach Maratti's Zeichnung. '
Diejenige von Dalton aber: Das pfingstfest und die Steinigung Stephani.
In beyden hingegen fehlen: Der Rindermord, die Anbetung der Rönige und die Himmelfahrt.Dagegen hat in neuern Zeiten der deutsche Maler Sommerau die ganze Sammlung der Tapeten (mit dereinzigen Ausnahme der Steinigung Stephani) in 27. Blättern (den Rindermord auf dreyen) von ver-schiedener Größe geetzt. «Sie sind" (beißt es bey Fernow l. c.S. 20g.) «fleißig gearbeitet; aber sowohlder Ausdruck, als der Styl der Gewänder ist ganz verfehlt, und bloß die Composition treu wieder gegoden".«Während des letzten Jahres dann" (liest man Ebendaselbst) «wo die Teppiche noch i» Rom vorhandenwaren, hatte man angefangen sie aufs neue mit vieler Eleganz in Kupfer zu stecken, und 5. Blätter warenbereits erschienen, als (-798.) die Originale den (bey Fernow ungenannten, und uns eben so wenig bekann-ten) Künstlern entführt wurden. Nur Schade, daß auch in ihnen, wie in den meisten Blättern unsrer Zeitdie nach alten Kunstwerken gestochen werden, der Anspruch des Stiches sich über das Verdienst der Darstel-lung zu erheben suckt, u. die Aufmerksamkeit, welche dieser gebührt, auf die Mechanik herabzuziehen getrachtet wird".
Neben den bisher genannten kennt man noch von den zwölf Tapeten, deren Cartons vermißt werden, oderwenigstens von den Gegenständen derselben, nach Raphaelischer Zeichnung, folgende einzelne Blätter:
1. Die Geburt (Anbetung der Hirten) nach der Zeichnung von I. Romans i 5 Zr. mit dem Zeichen K. V. —Ein Anonymus in H. Cock's Verlag — Von C. Blocmacrt, ein sehr großes treffliches Blatt — Von P. delPo, ohne dessen Namen,' schön geetzt.
2. Die Anbetung der Rönige. Von I. Cock, nach einer Zeichnung. — Von P. S. Vartoli, ein Capital-Blatt, in drey Blättern, nach der Tapete; welche Fernow, ohne Ausnahme, von allen Arbeiten nach die-sen das gelungenste nennt.
3. Der Rindermord. Von M. Antdn, freylich ganz von der Darstellung in den Tapeten verschieden;eines der trefflichsten Blätter dieses Künstlers. — Eine weit geringere Eopie desselben von einem seiner Schü-ler, welches aber Viele ebenfalls für des Meisters Arbeit halten, so daß dasselbe, gleich dem erster», vonsogenannten Liebhabern s»on um hundert und mehr Gulden erstanden worden. — Diese Kopie zeichnet sichdadurch aus: Daß einerseits in der Landschaft im Hintergrund aus derselben (die einen sagen an der linken,die andern an der reckten Ecke dieser Landschaft) sich ein kleines Fichtenbäumchen erhebt; und anderseits(diese Bemerkung ist jüngsthin von einem unsrer Bekannten in München gemacht worden), daß auf der Kopiebev der Cbiffer dl. K. noch das L. (kecit) hinzugethan worden. Und besitzt nämlich (was in der That merk-würdig genug ist) ebengedackter Dilettante einen solchen Kindermord ohne das Fichtgen, und ohne das eben-gedachte kvcir, bloß mir gestochenen Umrissen, alles klebrige braun ausgeiuscht und mit ausdrucksvollen Feder-strichen vollendet, was er (wohl nicht ohne Grund) für Raphaels eigene Arbeit zum Behuf des Steckers,und somit sein Blatt für eine der merkwürdigsten Handzeichnungen von Sanzio hält. — Hiernächst findetman unsern Gegenstand in Holz und in Helldunkel; wie man glaubt, eine der ersten Arbeiten von A. Ve-nezianv — Von M. Lncchese, mit dem Monogramm dl. I.., mittelmäßig — Dann von St. Bvudet, M.Corneille (selten) und Vouillement — Von einem Unbekannten (wahrscheinlich einem französischen Maler)geetzt — In neuern Tagen endlich von St. Piale, und von A. Campanella. S. winkler Nrv. 4065. u. 66.
4. Reinigung Mariä. Von einem unbekannten alten (schlechten) Meister, nach einer Zeichnung.
5. Die Auferstehung. Von einem Ungenannten bey Lafreri -575. — Von Eher. Alberki 1628. ein sehrgroßes Hauptblatt dieses Stechers.
6. Das Mahl zu Emaus. Von S. Vouillement, gut (>64?.. kom«) — Dann von A. Procaccino. —In neuern Tagen von A. Campanella. S. winkker Nrv. gc>68.
7. Das: eVokr »,e tt-ugeee. Von M. Corneille, ohne dessen Namen, bey Billy in Nom. — Dann in neuernTagen von I. Folo. S. winkker 4067.
8. Die Himmelfahrt. Von M. Antonio. — Beatrizetto (i 5 si.) nach den Tapeten - A. Procaccini.
9. Das pfingstfest. Nach Zeichnungen von M. Anton, oder einem seiner Schüler — Von einem Unge-nannten bey Lafrery — Von einem der Audrans. — Dann in neuern Tagen von A. Caraironi. S- wink-ler Nrv. 4070.
10. Die Niederfahrt zum Eimbus. Von Beatrizetto, nach einer Zeichnung.
i>. Die Steinigung Stephani. Nach Vasari , von M. Anton (ohne Zeichen), nach einer Zeichnung.
Von dem einzigen Gegenstand der Bekehrung des Gaulus keimen wir kein einzelnes Blatt.
- 58 ) Was übrigens von aller Gattung Kunststickerey und Weberep — wir möchten sagen jene in Stein (Mosaik)am Allerwenigsten ausgenommen — in den Äugender ächten Kunst, eine große, aber noch lange nicht genugerkannte Wahrheit ist.
159) Von welcher Gobelin- oder Mosaikerarbeit - von welcher Kunst,ladel in den ehemaligen Brabantischen Frauen-klöstern ist dieses letztre Gebrechen je genügend vermieden worden?
160) In seinem ausführlichen, nur bisweilen — »ack der Weise dieses sonst hochverdienten Mannes — mit ästhe-tischem Geschwätze allzubreit verbrämten Sendschreiben an G. von Rügelgen. lioemixclie Stullien lll.
I0Z—210.
-Oi) T. lll. p. 442—62. Freylich wurde (wie wir aber doch denken, mir Unrecht) der vorzügliche Preist, dendieser Schriftsteller den Tapeten und Cartons ertheilte, den noch so zweydeutigen Fetzen beygemefftn, welchesein Vater von diesen letzter» soll besessen haben.
162) Lll. tsr?. I. 67.