Band 
Zweyter Theil [3].
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incn: kilentium bekannt. Die (schon hleniebeuz»r Himmelskönigin ersehene, und daher) gekrönteMutter hebt den Schleyer auf, der es bedeckte;der kleine Johannes betet es an. Die Zeit derAnkunft dieses lieblichen Bildes in Frankreich istunbekannt. Einmal stand es in der berühmtenSammlung des Marquis de la Brilliere; der Kö-nig kaufte es aus der Versteigerung des Prinzenvon Carignan. Es ist, auf Holz gemalt, nichthöher als 2^ i" auf 5" Breite. Die besteBeschreibung davon findet sich im vorgedachtenManuel I. c. Nr. z. Dort wird nur die rechteHand der H. Jungfrau vielleicht zn klein, undMund und Nase des Johannes im Umriß etwastrocken gefunden. Uebrigens aber nichts kannschöner seyn, als die maicstatsvollc Figur der knieen-den Mutter, die in kühner, aber ungemein natür-licher Stellung auf ihren Fersen sitzt; die zarteSchonung des Schlummers ihres göttlichen Sohns,der die gehobene Rechte, wie es Kinder im ge-sunden Schlafe zu thun pflegen, aus dem Kopfliegen hat; und endlich die graziösen, wenn schonländlichen Formen des kleinen fellgeschürzten Jo-hannes, ebenfalls auf den Knieen. Noch rühmtder Text zu Erozar an diesem Bilde das ganzkombardische Colorit desselben, und urtheilt über-haupt davon, daß Raphael solches in seiner größ-ten Starke gemalt. Im Hintergründe sehe manwahrscheinlich die nahe bey St. Peter gelegeneVilla Sacchetti 276).

3. Das Kind von der Mutter gehalten, stehtauf der Wiege, und liebkost dem kleinen Johan-nes, der auf den Knieen der Elisabeth ruht. Wie-der ein kleines, allerliebstes Bild, vollends bloßvon 14" Höhe und n" Breite. Man erzähltdie Geschichte desselben sowohl als eines andern,demselben vollkommen ähnliche», welches der Kar-dinal Mazarin besaß. Einige hielten keines, an-dere das Königliche, als von Jul. Romano gemalt;andre Ebendasselbe wenigstens von Raphael rikvc-cirt. Das Königliche, welches (nach Einigen) einKardinal von dem Künstler selbst zum Geschenkerhalten haben soll, lag ursprünglich in einer höl-zernen angenehm, und, wie behauptet wird, ebenfallsvon Sanzio ausgemalten Kapsel. Beschriebenfindet sich das unsrige abermals am Beßtcu in demangeführten Manuel Nr- y. Es ist die häuslicheScene zweyer Mütter, die sich an den Spielenihrer Kinder belustigen, in einer Landschaft; vor-trefflich componirt, auf kleinem Raum, und ohnedie geringste Verwirrung. Fröhlichkeit und Zufrie-denheit drücken sich in den Stellungen, Blicken, aufder Stirne beyder Mütter und beyder Kinder aus;aber mit der Verschiedenheit, die dem Alter undder Eigenschaft eines jeden angemessen ist 277).

4. Das Kind auf dem Schooß seiner Mutter,dem der kleine St. Johann das Kreuz reicht (2<2" hoch, 2i" breit) Halbfiguren. Dieses Bild,

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das sich seit sehr alter Zeit im Königlichen Kabinetbefand, ist sehr zweifelhaft, und wahrscheinlich voneinem von Raphaels Schülern nach einem Cartonvon ihm. Wohl findet sich die Grazie seiner Zeich-nung, aber nicht diejenige seines Pinsels darin.Die Mutter scheint etwas zu ältlich zu seyn, unddie Cvntoure des Kindes haben nicht ganz die zarteReinheit des Meisters. Die Drapperie hingegenist ganz von seinem Styl. Gewöhnlich giebt manes für eine Arbeit seiner ersten Manier 278).

5. Noch nennt der einzige l'Epici6 eine Ma-donna, die das Kind hält, ebenfalls in des Künst-lers erstem Styl, als er noch bey Perugin inder Lehre stand, was sich hauptsächlich aus derkleinlichen Manier erkennen lasse, in welcher dieFiguren geschmückt seyen. So trage z. B. dieMutter ein güldenes Netz aus dem mit einem Lim-bus umzingelten Haupte. In dem Limbus desKindes finde sich vollends ein rothes Kreutz 279)!

ü. Dann findet sich ebenfalls bey l'Epicis einihm ganz zweifelhaftes Bild, das indessen wohlvon einem SchülerRaohaels, und unter seinen Augengemalt seyn möge- Den Patriarch Zacharias näm-lich, der das Kind bey der Hand faßt, das aufdem Arm seiner Mutter sitzt, und dem St. Eli-sabeth den kleinen Johannes vorstellt, der ein Lammhalt (14" hoch, n" breit) 280).

7. Johann der Täufer in der Wüste, für dieDarstellung fast durchaus das nämliche Bild, wiedasjenige zu Florenz , und ebenfalls aus Tuch ge-malt (4/ 4" ins Gevierte), aber für die Arbeitweit unter jenem. Nichts desto weniger wurde esin Frankreich bald immer mit diesem letzter«! ver-wechselt, für dasjenige-gehalten, dessen frühere Ge-schichte (s. oben S. 3435.) vafan erzählt, undsodann weiter behauptet, daß der unglückliche Mar-jchall d'Ancre, Concini , solches aus Italien ge-bracht. Alle dieses macht es allein erklärlich, wa-rum das Kleinod von Florenz dem Späherblick derFranzösischen Kunstbcuter entgangen sey» mag.Von dem unsrigcn sagt Landon: »Als diesesBild nach Frankreich kam, war es ganz beräuchertund unkenntlich. Erst nachdem es gesäubert wurde,fand man daran Schönheiten, die man vorher nurnicht vermuthet hätte. In der That ist es ausRaphaels beßter Zeit, von korrekter Zeichnung,kräftigem Kolorit, und mit einer Landschaft stafflet,deren Detail dem Grandiosen des Hauptgegenstandsnichts schadet. Dann belehrt uns schon Lepicier,und seither das Manuel, daß die erwähnte Re-stauration schon vor 65. Jahren von dem damaligenKrongemäid-Aufsehcr Sttemar bewerkstelligt wor-den; letztres (das Manuel) aber findet kurz:Daß man zwar Raphael noch darin erkenne, aberalle Grazie seines Pinsels daraus verschwunden,und solches wahrscheinlich durch mehrere sogenannteAusbesserungen gepeinigt worden. Ueberdies be-merke man daran einige Unkorrcktheiten, besonders

von E. Rouffelet (schön); und noch über ein Dutzend andere, die bey Heinecke II. S. 4-415. und beywinkler v. verzeichnet sind. In,neuern Lagen hat sich, unsers Wissens, kein Stecher (auch für's Mu-seum Napoleon nicht) an dieses göttliche Bild gewagt; wohl findet sich dasselbe im Umrisse bey Lands»(^nal. I. Xr. 3,.), nnd seither in Ebendess. Vie er Oeuvre äe Ki-ph,ict dir. Iv5. Dürftiger in er-wähntem Manuel l. c.

-76) Gestochen habe» dasselbe, in altern Tagen F. Pvilly, schön; dann wieder aufgestochen, für's Kabinet CrozatC. Simvnnrau, Nr. 29., wo freylich das schöne Kind nicht schön erscheint. Hierauf I. Frey u. a. S. Her-ecke II- 42228. Dann findet es sich in neuern Tagen, für's Museum Napoleon (H. xXVI.) nach einerZeichnung von Chcrv, von Ingouf, wovon es irgendwo heißt: Der Stecher verspreche viel für die Zukunft.Endlich im bloße» Umrisse bey Lands» Aunal. Ik. Nr. 25. und in Ebendess. Vie er Oeuvre, äs Lapbae/Xr. 108. so wie im Manuel I. c.

277) Gestochen ist dasselbe i» ältern Tagen von einem alten Meister nach einer Zeichnung, dann von I. Caralius(lsc. Veroiieusi!. t.); hierauf von F. Poilly schön, und aufgestochen von Simonneau für's Kabinet Crozat.In neuesten Tagen endlich für's I.XII. Heft des Musee Napoleon, nach Chasselat's Zeichnung (ohne Zweifelgut) von Mvrace Im bloßen Umrisse dann in Lands»« Annal . II. 5. und in Ebendess. Vi« etc. ä»Laphark Xr. 107. so wie im Manuel l. c.

278) Beschrieben bev Lepicis S. 80. und im Manuel >. >-. Nr. 23. Gestochen findet es sich unsers Wissen-nirgends, als bey lctzrerm iin Umrisse.

279) Lsxicis p. 79. Gestochen haben wir solches nirgends gefunden.

280) 1. -. p. 86. Gestochen finden wir es nirgends.Anh. zum VH. Hefr.

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