Band 
Zweyter Theil [3].
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an dem rechten Fuße, welcher nicht die Feinheithabe, die der Meister sonst dem Gelenkenbau sei-ner Gliedmaßen zu geben wußte 281).

8 . St. Johann der Evangelistc schwebt auf sei-nem Adler in den Wolken, und schreibt, voll Be-geisterung, sein Evangelium ( 7 ^ 4" hoch, 5 *breit), lebensgroße Figur, von fester, reiner dochfiießendcr Zeichnung, voll Kraft und Harmonie;indessen zweifelt Lepicis (S. 90 ) noch, ob eSnicht von einem Schüler des Künstlers sey, unge-achtet es mit Raphaels Namen bezeichnet ist 282).

y. St. Marqaretha, welche einen Höllcndrachenunter ihre Füße tritt; ein vorzügliches Bild, vönWelchem indessen vaftrn (im Leben von Jul. Ro-mans) glaubt, daß solches fast ganz die Arbeitdieses letzter», mich einer Zeichnung von Raphaelsey <5, 8 " hoch, 3, 7 " breit). Die Figur le-bensgroß. Nach Vasaii soll es der Künstlet an KöniHFranz I. gesandt, noch Andern hingegen ein Flö-rentinischer Edelmann dasselbe der Kirche St.Martin des Champs zu Paris geschenkt, undspäterhin Heinrich IV. es an sich gebracht haben.Es ist unmöglich" (heißt cS im Manuel I. c..)daß Raphael etwas Anderes als Erhabenesbilden konnte. Schon die Entwickelung des uner-meßlichen Drachen, der sich in einer Lage befindet,welche der vvrtheilhaftesten Ansicht der Hauptfigurkeinen Nachtheil bringt, ist ein wahres Meisterstück.Sein offener Rache wurde die Heilige verschlingen;aber er liegt über sich gekehrt, erspart uns dasAbscheulichste seines Anblicks. und erleichtert jenerihre Uebermacht. In dem auffallendsten ContrasteMit Allem was sie umgiebt, steht die wunderschöneSiegerin da, und setzt ihren zarten Fuß auf denFlügel des zu Podest geworfenen Thiers; dasselbeist noch iiicht todt, über ohnmächtig zu schaben.Kein Umstand entgieng dem denkenden Künstler;das Wunder ist in seiner ganzen Vollendung aus-gedrückt. Somit ist der große Gedanke wohl ein-zig Raphaels; in der Ausführung konnte seineHand späterhin noch Besseres Machen. Ueberdiesscheint das Bild namhaft rikoceirt zu seyn 283).

io. Ceres, schöne Figur, außer dem Kopf, dervielleicht ritoccirt ist (14" hoch, n" br.), Grailin Grau gemalt. In dem Verzeichnisse der Königl.Gemälde findet man solches irrig unter der Nu-

11. Die Aerlaumdung^ nach Lucians Beschrei-bung eines Gemäldes des Apelles ; Federzeichnung,ansgctuscht, und mit Weiß erhöht 285 ).

12. Das Bildniß eines schönen Jünglings, derden Kopf auf seine Rechte stützt, und den Einigefür Raphael selbst halten; immerhin ein trefflichesBild (v y" hoch, 1- 4" br.).

13. Dasjenige eines ganz unbekannten jungenMannes, im Nachdenken, mit übereinander ge-schlagenen Händen (2/ 2" 9^" hoch, V 9^" br.),mit vieler Kraft gemalt 286).

14. Dasjenige des Grafen Castiglione, des Künst-lers Freund, der davon in einer Stanze sagt,seine Gattin habe sich mit demselben in seiner Ab-wesenheit besprochen und die Kinder es als ihrenVater begrüßt (2- 5^ hoch, 2- 2" br.), aufTuch gemalt. Ein Herzog von Mantua verkauftees an Carl I, in England. Nach dessen Tode kames nach Frankreich . »Dieses Bildniß" (heißt esim Manuel Nr. i8.) »zeigt einen festen Charak-ter an; edler, aber eben nicht viel denkender Kops;ruhige Stellung; die Kleidung eines begüterten,aber einfachen Mannes. Den Pelzverbramten Rockund den sonderbaren Hut hat der Maler gut zubenutzen gewußt. In der Ausführung ist es minderbreit, im Ton minder hoch, als andere unsers Mei-sters , der freylich immer Raphael blieb, und nuretwa so auf - ünd abzusteigen pflegte 287).

iZ. Dasjenige des Kardinals Jul. von Mcdicis;völlig derselbe Kopf, voll Feuer und Ausdruck,welcher sich in dem Gcscllschaftsbilde Leo X . mitdiesem und dem Kardinal Rossi befindet, undwahrscheinl ch zur Scizze in letzteres Bild dienenmußte 288) (rsz/ hoch, 2- br.).

. Das gewöhnlich: Rasihael und sein Fecht-meister getaufte schone GeseUschaftsbild, aus Tuchgemalt (2/ ii" hoch, 2/ 4" br.). Andre haltenden Kopf des Fechtmeisters für denjenigen deSKünstlers poncormo, und schreiben das Bild selberdiesem letzter« zu. Uns scheint es hinwieder 289)am Zweifelhaftesten zu seyn, ob der: Raphael ge-taufte Kopf wirklich der seinige, und nicht viel-mehr eines weit altern Mannes seyn sollte 290).Dagegen stimmen die brßten Kenner überein, daßdieses schone Werk allerdings die Arbeit des un-srigen sey. Freylich findet man die beyden Köpfe vonsehr ungleichem Werth, und nämlich in demjenigen,,4., wie Füßli sagt, mit vielem Verstände; nach

brick von Jul. Pipi eingetragen 284).

281) Gestecken ist dieses Bild vvn S. Ballet für Crozat Nr.

Einigen auch von I. Cvuvai.

-82) Gestecken hat es N. Larmessin für's Kabinet Cremt (Nr. ,8.) gut. Im Umrisse findet es sich bey Lan-ds» Ann. xlll. Z5. und in Ebenb. Vie etc. lie Kagbact dir. 439.

28Z) Gestochen wurde dasselbe in ältern Tagen vvn Ph. Thomassin, E. Nousselet (wahrscheinlich am Beßten), L. Su-rugue (sehr gut) für's Kabinet Erozat (Nr. 7.), u. a. S.Heinecke H 457 . Im Umrisse findet man es bey Lands»Annal . IV. 21. und Vie etc. <ie LagLsat dir. l)XI. und im Manuel I. c. Nicht zu verwechseln ist diesesBild mit dem umen folgenden in der Wiener-Gallerie.

-L4) Das Manuel IV. 21. giebt davon eine Beschreibung und schlechte Nachbildung im Umrisse. Gestochenfindet es sich sonst nirgends.

28L) Beschrieben ünd im Umrisse abgebildet bey Landsn v. Nr. » 4 - und Ebendass. Vie etc. äe Lagba,/ ssr.472. Eine ähnliche Zeichnung, wird an ersterm Ort bemerkt, kennt man auch von L: Penni. Besondersgestochen findet sich die unsrige auch vvn Cochin und le Sueur in Helldunkel (gut) für die Sammlung vonCrozal Nr. 39.; und eben so vvn dem Grafen von Caplus.

sg6) Bevde diese Bildnisse hat N. Edelink sür's Kabinet Crozat Nr. >o. u., 1. (letzteres gut), in neuern Tagen aber, daserste Esquivcl, nach Ouchemin's, das zweyte Gandolfy nach eigener Zeichnung für's xxxix. u. l-ix. Heft der MuseeNapoleon gestochen; das erst« dann noch späther (vvn Vignaud gezeichnet, und von A. Oemarkeau undMadame Demarteau, welche es vollendete, fast lebensgroß in Eckwarzkunst geschäht"., In bloßen Umrissen nachgebildet findet sich das zweyte >» Lands»«: Vie etc. äe L-pz>«r,?lr. 3,9., wo es mit dem ersten verwechselt wird,Und beyde im Manuel IV. ,6. u. 17. nebst einer guten Beschreibung, wo (sd wie es bereits bey l'Eptcisgeschieht) gezweifelt wird, daß das erstere, mit großer Leichtigkeit gemalt, den jungen Kaphäel selbst dar»stellen könne, so wie hinwieder das zweyte, seiner besondern Kraft wegen, eher einem Werke der Venezia-nischen Schule, wie 1 B. Giorßlone, dder S. del Piombo gleiche.

-87) Gestochen würde dasselbe von Ä. Person zu Amsterdam , unter Sandrärts Aufsicht; dann von N. Edelinkfür's Kabinef Crvzat Nr. 13., und von R. de Larmessin für die Akademie von Büllart; endlich in neuern Tagenvvn John Gvdt, für die Kalkographie des Mitseums. Im Umrisse findet es sich im Manuel l. c. und inLandon's Vie etc. «ie Kagbae/ dir. 3,9.

288) Gestochen ist es von N. Edelink (gemein) für Crozat Nr. 12. Im Umrisse im Manuel (l. c. 29.) undbey Landsn Vie etc. äe La-baet tlr. 5,9.

289) Freylich bloß aus einem (meisterhaften) Stiche von N. Larmessin für Crozat Nr. s> zu urtheilen.

290) Nickt zu gedenken, was hinwieder der Verfasser des Manuel (l. c. Nr. -z.) bemerkt: Daß Saiizisschwerlich (allenfalls in seinem Todesjahr!) Unterricht im Fechten dürfte genommen haben.