A. Kennzeichen der Mineralien,
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Chemische Kennzeichen.
gibt die Einheit ab für das 1 Vielfache dieses Elements in andern Verbindun-gen der Art.
Die sauren und übersauren Salze, liefern hierzu die Belege. DieSäure in denselben ist das Doppelte und das Vierjache von derSäuremasse in dem jedesmaligen Neutralsalze. So in dem saurenSchwefelsäuren Kali , in dem sauren und übersauren sauerklee-sauren Kali.
Die Kenntnifs der, jedem Elemente zukommenden, Zahl gewährt zu-gleich eine Übersicht der Verhältnisse , in welchen sich Elemente mit Ele-menten sowie Oxyde mit Oxyden verbinden. Sezt man das, in der klein-sten Mpnge chemisch mit andern sich verbindende , Element als Einheit , sokönnen alle andere Elemente, durch ihr Verhältnifs zu dieser Einheit, einesie bezeichnende Zahl erhalten.
Hierher das Wasserstoff gas. Unter allen jezt bekannten Ur-stoffen treten von demselben die kleinsten Gewichte mit andernUrstoffen in chemische Verbindung, und namentlich in jener desWasserstoffs mit dem Sauerstoffe zu Vl'asscr. Da nun die Eigen-schwere des Wasserstoffgases sich zu der Eigenschwere des Sauer-stoffgases wie 1 zu 15 verhält, und ferner da zwei Volumina (oderMake) Wasserstoffgas mit einem Volumen (oder Mab) Sauerstoffgasvermischt PVasser zu bilden im Stunde sind, so mufs sielt dieMenge des Wasserstoffs im Wasser zu der Menge des Sauerstoffsim Wasser wie 2 zu 15 verhalten. Das Wasser bestünde demnachaus einem Verhältnifs - Theile Sauerstoff und zwei Verhältnifs - Tliei-len Wasserstoff; woraus folgt, dafs die den Wasserstoff bezeich-nende Zahl = i und die Zahl für den Sauerstoff = 15 sei.
Ferner der Stickstoff. Die Ei^enscliweren des Stickstoffs unddes Sauerstoffs verhaken sich wie 13 zu 15. Das ox;ydirte Stickgasenthält unter den jezt bekannten Verbindungen des Stickstoffs mitandern Elementen die geringste Menge Stickstoff dem Umfangenach, nämlich zwei Verhältnifs - Theile ScicUtoffgas gegen einen Ver-liäituifs - Theil Sauerstoffgas, also nach der Eigeuschwere 26 TheileStickstoff gegen 15 Theile Sauerstoff. Der Ausdruck ihr den Stick-stoff in Zahlen wird demnach = 26 seyn.
Das Salpetergas wird bestehen aus zwei Verhältnifs - TheilenStickstoff = 26 und zwei Verhältnifs - Theilen Sauerstoff = 30 ;die gasjörmige Salpetersäure aus 2 Verhältnifs - Theilen Stickstoffr rr-r 26 und 4 Verhältnifs - Theilen Sauerstoff 3=3 60.
Das Ammoniak , durch die Volta sehe Säule in 3 Mafse (Volu-mina) Wasserstoffgas und in 1 Mafs (Volumen) Stickstoffgas zer-legt, bestünde demnach aus 6 Verhältnifs - 1 heilen Wasserstoff6 und aus einem Verhältnifs - Theile Stickstoff = 26.
Gleiche Umfänge von oxydirt-salzsaurem, Gas und Wasserstoffgasverhalten sich, dem Gewichte nach, wie 33,5 zu 1. Das salz-saure Gas ist, nach Davy’s Annahme, aus gleichen 1 Umfängen bei-der Gasarten zusammengesezt, folglich besteht es aus einem Ver-hältnifs - Theile oxydiner Salzsäure (= 33,5) und einem Verhält-nifs-Theile Wasserstoff ■ (= l) ; es erhält daher 34,5 zur Bezeich-nung. — Oxydirt - salzsaures Gas ( Chlorine ) verbindet sich, demUmfange nach, mit dem Sauerstoffgase zu über oxydirt --salzsauremGase ( Euchlorine ) in dem Verhältnisse wie 2:1 (= 33,5 X 2)— 67 : 15, daher der Ausdruck für die Chlorine in Zahlen =67 ist.
Zu den Eigenthümlichfceiten von Drn’s Theorie gehört seine Ansichtüber die Natur* der oxydirten Salzsäure und der Fl u f s s äu r e.Er sieht die oxydirte Salzsäure als ein dem Sauerstoffe ähnliches Ele-ment an, welches er Chlorine nennt. Sie ist nach ihm die Säureoder das säuernde Prinzip des Wasserstoffs. Salzsaure Salzeohne Krystallwasser sind zufolge seiner Ansicht Verbindungen dermetallischen Grundlagen von ICaiien und Erden mit Chlorine. Wahresalzsaure Salze erkennt er nur dann als solche an , wenn sie Krystall-wasser enthalten, jedoch sei dieses Krystallwasser nicht als Wasser inden salzsauren Salzen enthalten , sondern dasselbe werde, im Augen-blicke seines Entweichens in hoher Temperatur, durch den Wasser-stoff der Salzsäure und den Sauerstoff der Base zusammengesezt. Diegemeine Salzsäure besteht daher nach Vorgehendem aus Chlo-' rine und Wasserstoff. — Euchlorine nennt Davt das Gas, wel-
ches durch Behandlung des Überoxydirt T salzsauren Kalis mit ver-dünnter Salzsäure erhalten und über Quecksilber aufgefangen wird.Sic ist nach ihm ein Oxyd der C h l o ri n e.
Die Flufssäure ist, gleich der gemeinen Salzsäure , nach Davyeine Verbindung der Grundlage (Fluorine) mit Wasserstoff- Diellufssauren Salze werden, wie die salzsauren Salze, nur dann alswahre Salze von demselben angesehn, wenn sie Krystallwassererhalten.
Folgendes Beispiel [wird das Verfahren Davy’s, die Zahlen für diefesten ürstoffe aufzufinden , erläutern und zugleich die Uebereinstim-mung desselben in zwei Resultaten dartlmn, die auf verschiedenen We-gen durch Kalkül erhalten wurden. 8 Theile Kalium verbinden/ sich mit 1,6 Theilen Sauerstoff. 8 Theile Kalium absorbiren7,1 Theile Chlorine. Aus diesen Daten ergibt sich die, das Ka-lium bezeichnende, Zahl 75, man mag nun das eine oder das an-dere Verhältnifs in die Rechnung ziehen, denn :
7,1 Th. Chloriive verhaken sich zu 8,0 Th. Kalium wie die,die erstere bezeichnende, Zahl =: 67 zu 75,4 und 1,6 Th. Sauerstoffverhalten sich zu 8 Th. Kalium wie die Zahl des Sauerstoffs = 15au 75. 75 Kalium verbinden sich mit 15 Saue r s t oi*f zu Kali,
welches hiernach 90 als bezeichnende Zahl erhält. — Das braune Blei-oxyd enthält 3,76 Th. Sauerstoff mehr, als das rothe. 3,76 Tli.Sauerstoff scheinen das geringste Verhältnifs zu seyn, in welchensich das Blei mit dem Sauerstoffe vereinigt und wenn man s?tgt: dafs3,76 : 100 ä=; 15 so ergibt sich 393 als der Ausdruck für das Blei,
in Zahlen. Das, zwei Verhältnifs-Theile Sauerstoff = 50 gegeneinen Verhältnifs - Theil 598 enthaltende, gelbe Bleioxyd
erhält hierdiirch zur bezeichnenden Zahl 398 -f'’ 50 .= 428 ; das,mit 3 Verhältnifs-Theilen Sauerstoff verbundene , rothe Bleioxyd398 45 ^ 445, das braune Bleioxyd 398 "f" 60 =458.
Verhältnifs -Zahlen von Davy.
Sauerstoff
=
15.
Silicium
r-r,
31?
Eisen
=a
103.
Schwefel
=
50.
Palladium
134.
Mangau ,
=t=
113.
Stickstoff
26.
Q uecksilber
=
380-,
Zirkonium
==
70?
Chlorine
=
67.
Silber
205.'
Yttrium
=
111?
Phosphor
=
20.
Wismutli
135.
Glyzininm
39?
Kohlenstoff
=
20.
Blei
—
598.
Aluminium
55?
Wasserstoff
—
1 .
Zinn
säst
110.
Magnesium
=
38.
Arsenik
==
90.
Nickel
: —
111.
Kalzium
=3
55.
Molybdän
=
88,2
Kupfer
—
120.
Strontium
=
9o.
Wolfram
94.
Kobalt
166.
Baryum
=
130.
Spie.sglanz
==
170.
Uran
=»
76,8?
Natrium
=
88.
Tellur
' 74.
Zink
=
66.
Kalium
75.
Davy stellte weiter folgende, die wechselseitige Anziehung der Elementebetreffende, Gesezze auf.
Wenn ein Verhältnifs - Theil eines Elements mit mehr als einem Ver-hältnifs-Theile eines zweiten Elements chemisch verbunden ist, so lassensich, durch erhöhte Temperatur , die ersteren Verhältnifs - Theile des lezterenElements leicht von der Verbindung trennen, während die übrigen allerweiteren Einwirkung des Wärmestoffs widerstehen und in der Verbindungverharren. '
So bei dem Glühen des Grau-Braunsteinerzes • Die ersteren An-theii<? Sauerstoff trennen sich hierdurch leicht von dem Metalle,während die lezteren Antheiie dieses Gases auch durch das heftig-ste ^Gliihefeuer nicht davon geschieden werden können.
Ferner das, zwei Verliältnifs-Theile Kohlensäure gegen ein Verhält-nifs-Theil Natron enthaltende, kohlensaure Natron . "Wird dasselbe einerhöheren Temperatur ausgesezt, so entweicht der erstere Antheil Koh-lensäure und der andere bleibt, an das Natron gebunden, zurück.
Eine chemische Verbindung, bestehend aus einem Verhältnifs - Theil eines Ele-ments und mehreren Vei’hältnifs-TheiJen des andern,-liat gröfsere Schwierigkei-ten mit andern Körpern in weitere chemische Verbindung zu treten , als eineähnliche, in welcher die Verhältnifs-Theile binär d. h. e= 1 : 1 verbunden,und daher gleich sind.
• Gewasserte Schwefelsäure wirkt nicht auf das Bisen der Schwe-felkiese, , in welchen es, mit 2 Verhältnifs - Theilen Schwefel ver-bunden , natürlich vorkommt; wahrend das künstliche < — nur ei-nen Verhältnifs - Theil Schwefel enthaltende —— Schwefel-Bisenleicht durch diese Saure zersezt wird.
■Grau-Braunsteinerz faird von vielen Säuren nicht aufgelöst. Hatdasselbe aber durch Glühen mehrere Antheile Sauerstoff verloren,dann erfolgt die Auflösung desselben in allen Säuren ohne Schwie-rigkeit,
Es folgt hieraus, dafs zwei oder mehrere Verhältnisse eines in chemi-scher Verbindung stehenden Elements das einzelne Verhältnifs eines andern Ele-ments mit grösserer Kraft anzieken, als wenn auch nur eins von denselben in derchemischen Verbindung zugegen ist, lind-dafs ferner zwei oder mehrere Verhält-nifs-Theile eines Elements an einem einzelnen Verhältnifs-Theile des zwei-ten Elements mit geringerer Kraft hängen als an mehreren.
HrooiNS und Dalton weichen darin von den Ansichten Davy’s ab,dafs sie ännehmen : bei der wechselseitigen chemischen Vereinigung der Kör-per im einfachen Verhältnisse verbanden sich ein Atom (Äquivalent) des ei-nen Elements mit einem Atome des andern Elements zu einem Atome einesdritten Körpers. Durch die chemische Vereinigung der Elemente in unglei-,eben Verhältnissen entstünden binäre 9 ternäre etc. Verbindungen , in welchen* ein Atom des einen mit zwei oder mehreren Atomen des andern Elements einAtom eines dritten Körpers bildeten und zwar erfolgten diese Vereinigungennach «inem festen mathematischen Verhältnisse, welches D Alton der arithme-tischen Progression gleich sezt. Er bestimmte, von diesen Ansichten ausgehend,die, jedem Elemente (sowie den, aus dessen Verbindungen mit andern Ele-menten resultirenden, chemischen Verbindungen) zukömmende, Zahl durchden, als Einheit angenommenen, Gehalt eines Atoms Wasser an Wasserstoffund vereinigte sie in einer Tafel. Da es aber viele Fälle gibt, in welchendie Verhältnifs - Zahlen der chemisch sich verbindenden Körper die aiomi-stische Behandlung nicht zuläss^n , und da ferner die Mittel fehlen, die rela-tiven Zählen , die Formen und die Gewichte von sinnlich nicht wahrnehmba-ren Atomen der Körper genau zu beurtheilen, so mufs die, auch nicht voneiner einzigen Thatsache unterstüzte, Hypothese Dalton’s der Theorie Davy’snachstelm, welche, die Lehre von den Atomen verwerfend, sich auf Tliatia-chen gründet , die nur allein hier leiten können.
Thomsojn’s Ansichten vereinigen $ich über diesen Gegenstand mit jenenvoii Dalton. Er bestimmt die lezteh (entfernten) Bestandtlieile der Körper