wegen nicht minder oft ganze Figuren von jenem/und paßte dann solche seinem Style an, der viel-leicht Preti's seinem am Nächsten kam, nur daßfeine Zeichnung minder genau, das Colorir min-der wahr, dafür aber seine Köpfe schöner sind.In diesen ahmte er Guido bald, bald Marattinach; andremale sind sie ganz aus der Naturgeschöpft, daher ihn auch einige den verhübsch-ren Lavalier Calabrese nannten. Eben so warLanfranco bisweilen sein Vorbild, von dem erjene gewundene Composition entlehnte, die er nichtselten über die Gebühr hinaus trieb. Von bey-den aber schöpfte er sein starkes Helldunkel, zumalin dem mittlern Alter seiner Kunst; mit Zunahmeder Jahre wandte er sich mehr aufs Leichte undAngenehme. Jtzt zeichnete er übrigens zuerst Al-les, hielt es dann der Natur entgegen, und fienges darauf zu coloriren an, so daß er in dieser sei-ner beßten Zeit allerdings zu denjenigen zu zäh-len war, welche ihren Werken die meiste Ausfüh-rung gaben. Späterhin aber überließ er sichnur allzusehr der Flüchtigkeit, und öffnetedie Bahnzum Manierismus. In der Erfindung zeigte erjenes schöne und leichte Talent, das ihm einenehrenvollen Platz unter den dichterschen Künstlernseines Zeitalters anwies. Auch gehört eine ge-wisse Universalität zu seinem Lobe, da er gleich-sam aller Gattung Malerey erschöpfte, in Bild-nissen, Geschichte, Landschaften, Thieren, Früch-ten, Architekturen, Handarbeiten u. s. f. und injeder Gattung schien er wie einzig für dieselbe ge-schaffen zu seyn. Da er eben so ämsig als schnellarbeitete, so verbreiteten sich seine Werke durchganz Europa , ungefähr wie Giordano's. Auchwar er dieses letzter» Nebenbuhler und Freund zu-gleich ; minder genialisch als dieser, aber gere-gelter in seiner Kunst. Als Luca todt war, undnun Solimena merkte, daß er — was auch im-mer seine Neider von seiner falschen Färbung er-zählen mochten, nun einmal der Erste in Italien sey, setzte er auf seine Arbeit sehr hohe Preiße,und erhielt deswegen nicht minder einen Auftragnach dem andern. Eines seiner ausgezeichnete-sten Werke ist ohne Zweifel seine mit verschiede-nen Geschichten ausgemalte Sakristey der PP.Theatiner, von St. Paolo genannt, zu Neapel ;dann seine Bilder an den Bogen der Apostelkir-che daselbst, welche schon del Po angefangenhatte, da sie aber mißfielen, wieder ausgelöscht,und nunmehr Solimena aufgetragen wurde, siefrisch zu malen. Von seinem Fleiß in der Vol-lendung dann zeuget seine Capelle St. PhilippoNeri's in der dortigen Oratoriums-Kirche, wojede Figur fast wie Miniatur ausgeführt ist. BeyPrivaten befindet sich sein Schönstes im HauseSanfelice, aus welchem ein Sohn sein Schülerwar, dem er nun eine Gallerie malte, welche imVerfolg gleichsam zum immer offenen Studiumfür die Neapolitanische Kunstjugend diente. Nochrühmt man ganz besonders sein großes Altarblattbey den Nonnen von St. Gausio (Alles zu Nea-pel ), so vieles Andern zu geschweige», was mantheils dort, theils im übrigen Königreiche vonihm findet; zu Monte Caffino besonders, für des-sen Kirche er vier sehr große Arbeiten im Chorausführte (S. Oe.-;<?rii:. i^tor. sei IVIorisst. lll8 t. Las 8 inc», d(apc»I. > 75 ,.). In italienischenGallerien außer Neapel trifft man ihn selten an;zu Rom in den Pallästen Albani und Colonna,wo sich einiges Geschichtliches von ihm findet,so wie Mehreres, meist mythologisches bey denGrafen Buonarcorsi zu Macerata ; dort, nebenAnderm, einen Tod der Dido, von großer Wir-kung. Sein größtes Bild im Kirchenstaat aberist ein Abendmahl im Refektorium der Conven-tualen von Assist, ein zierliches Werk von ausge-suchtem Fleiße, in welchem der Künstler unter denAufwärtern sich selbst dargestellt hat. /.ausi Lst.ter?. II. 555 — 58. Bey Fiorillo dann (ll.8^2 — 44 ) heißt es von ihm, neben Anderm:„Er bediente sich des Nackten, und zog die Na-tur fleißiger zu Rathe, als es unter seinen letzten
Zeitgenossen üblich war. Im Komponiren hatteer einen großen Ideen-Reichthum, aber keinenAusdruck." In Absicht auf seine Vielseitigkeitvergleicht ihn F. mit Rubens . Dann nennt ervon Solimena's Werken, neben den schon an-geführten: Das Gewölb der Kirche St. Niclausdella Caritä, die Cuppel und die Angoli dersel-ben in der Kirche der Donna Alvina; die Bilderin der Kirche Girolimini, und in der SakristeySt. Dominicus Maggiore; die Aurora, welcheer für den Churfürsten zu Mainz verfcriigte, denPhaeton in der Wiener-Gallerie, und eine SchlachtAlexanders, welche Philipp V. in Spanien be-saß. Noch liest man dort weiters: „UngeachtetSolimena im Stande war, solche Meisterwerkezu liefern, so fehlte es ihm doch an einer richti-gen Zeichnung. Aber eben darum feuerte er seinejungen Zöglinge sehr an, diesen Theil der Kunstzu studiren, den er selbst, wegen der falsch ver-standenen Nachahmung der leichten und flüchtigenManier des Giordano, vernachläßigt hatte. SeineNebenstunden widmete er den Wissenschaften undder Dichtkunst; seine Sonette u. a. Poesien zeich-nen sich ebenfalls durch Empfindung und Geschmackehrenvoll aus. Alle Abende fand man in seinemHause zu seiner Erheiterung die beßten Sympho-nien aufgeführt", wareler bemerkt über ihn:„Hätte er in Zeiten gelebt, wo ein reinerer Ge-schmack herrschte, so darf man glauben, daß ermit seinen Anlagen einen noch verdienter» Ruhmwürde erlangt haben. Sein Genie war überflie-ßend reich; es gebrach ihm nicht an Grazie,auch nicht an Correktheit; aber, wenn er über-haupt in einigen Theilen den Giordano übertrift,wenn er sich in gewisser Rock,c»r zuweilen selbstüber Cortona erhoben zeigt, so hat er doch einenminder leichten Pinsel, und eine weniger ange-nehme Manier. Nach Eochrn können «eine Ar-beiten in St. Paul zu Neapel als Meisterstückebetrachtet werden. Hier bemerkt man überall seinStudium der gefälligsten Künstler Italiener; dieFiguren sind correkter gezeichnet als Corkonu's, dieDrapperien natürlicher geworfen, die Farbe le-bendiger. In der Folge hacke er View letztreverdorben, und fiel in einen blaulichten Ton. Ergehört zu den Meistern, die man schone Machi-nisten nennt; wohl verstanden daß ihre schönenMaschinen nicht immer wirtliche Kunstschönhcftenvoraussetzen". Und nun hören wir auch unsernFüßli an. „Solimena " (sagt er >1 i. 211 — 12 .)„hatte eine eben so fruchtbare Einbildungsk.aftals Giordano, den er auch vorzüglich in demReichthum der Anordnungen, und in der Kühn-heit des Pinsels, so wie Lanfranko in der Anwen-dung des Helldunkels nachgeahmt hat. SeineErfindungen sind mehr geistreich als historischwahrscheinlich; und so ist auch die Anordnungseiner Gruppen meistens nur auf eine große unl>angenehme Wirkung für das Auge berechnet. Erzeichnete zwar in einem großen Styl, mit akade-mischer Richtigkeit, aber ohne Eleganz und Fein-heit in den Formen; seine Färbung ist zwar frischund kräftig, aber mehr glänzend als wahr, iMGanzen jedoch ungemein harmoniöse. Seine Kopf-wendungen, besonders jene der weiblichen, sindleicht, ungezwungen, und haben eine Art eigenerGrazie, die auf den ersten Anblick gefallt; alleindie Gesichtsbildungen sind aus der gemeinen Na-tur genommen, und das Charakteristische darin istmeistens matt und unbestimmt; und so ist auchder Ausdruck der Gemüthsbewegungen entwederübertrieben oder kalt". In der ernsten Schriftendlich: winkelmann u. s. Jahrh. (S. 2 iü.)wird er vörderst unter diejenigen gezahlt, weiche(noch mehr wie Cortona und dessen Schüler)ungefehr wie Giordano und Gauli, sich wederernstlich an die Natur noch an die Alten hielten,sondern mehr oder weniger bloß Schein suchten,und vermittelst desselben jeder Forderung der Kunstgenug gethan zu haben glaubten. Bald darauf(S. 238 - 59 .) wird er vollends Haupt und Stif-ter der in wilde Manier ausschweifenden damasDddddddddd s