Band 
Zweyter Theil [4].
Seite
1804
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rtzo4 Taillasson.

Tod. Der einzige Vorwurf, den man ihm mitGrunde machen kann, ist, daß er zu oft auf-ereits vollendete Parthien zurückkam, wodurchseine Arbeiten etwas Aengstliches und Gezwunge-nes erhielten, was von seiner natürlichen Furcht-samkeit , und seinem Streben nach dem Bessernherrührte. Zu seinen liebsten Erholungen danngehörten die Reize der Dichtkunst; verschiedenePoesien, die er hinterlassen hat, zeugen von sei-nem Geschmacke und seiner Gewandtheit im Vers-bau ; so z. B. eine Nachahmung der OssianischenGesänge Selma's, und ein kleines Gedichtüber die Gefahren der Kunstregcln. Uebrigenswar er der Malerey nie ungetreu, und stiftete ihr,und zugleich sich selbst ein würdiges Denkmal linFeinen vortreflichen : Observstlons sur nuelijnosZiancis peintres, deren ein Theil zuerst einzelnim Moniteur, so wie nachwerts das Ganze. 8°karis 1807.) erschienen war; eine Schrift, welchedie Trockenheit der gewohnten Kunstsprache unterBlumen birgt, im darstellenden Theile glänzend,und in dem Wissenschaftlichen tiefgedacht, eben sobelehrend für den Künstler, als unterhaltend fürden Liebhaber ist, und die wir daher im gegenwärti-gen Werke zum öftern benutzt baden. AIs Menschwar Taillasson von sanftem Umgänge, ob-gleich zuweilen etwas allzureizbar; aber es wareine Reizbarkeit, die mehr von sittlichem Zartge-fühl, als von physischer Schwäche herrührte. Erwar nie verehlicht, und st., 6/,. I. alt, 180g.*)unter vielfachen Genüssen, welche Kunst, Wis-senschaft und Freundschaft ihm darboten; doch,wir allmälig erschöpftem Geist und geschwächtenKräften, öftrer noch unter schmerzlichem Ver-drusse, den eben jene, sonst so edeln, Gnirrnicht selten reizbaren und gegen sich selbst miß-trauenden Gemüthern bringen. Nekrolog vonponce. In einem andern solchen Nekrologvon ihm**), heißt es:Taillasson scheintnur den Ruf eines Künstlers vom zweyten Rangegenossen zu haben. Seine Rodogune, eines sei-ner ersten öffentlichen Gemälde, wurde geschätzt,und bloß etwas (?) am Colorite gerüget; Ducis,kn seiner Epistel an Dien , spricht davon. Die-sen folgten Olympias, und Hero und Leander ,das man zu seinem Beßten zahlt. Seine Zeich-nung und Ausdruck waren richtig; dagegen ge-brach es ihm an jener Kühnheit (etwa Frechheit?)des Pinsels, welche den Gegenstand aus demTuche hebt". Ueber seine: Obscrvations Lcc.wird auch hier das Urtheil gefällt, daß solchesich eben so sehr durch grtstvolle Bemerkungen alsdurch eleganten Styl auszeichnen.Auch in sei-ner Geoichtesammlung" (wird dann fortgefahren)liest man nicht ohne Interesse seine Stanzen:8ur lss tlanAei-8 reales öans leg arts;noch vorzüglicher alter ist seine Elegie an dieNacht."Mit so mannigfaltigen Talenten" lesenwir dann weiter)war Taillasson von äußernUmständen wenig begünstigt. Eines Tags kamder H. Fürst von Neuschatel, den er ehemals imZeichnen unterwiesen halte, in seine Werkstätte,sah' mehrere seiner Bilder, fragte um die Preise,zahlte ihm dafür eine weit größere Summe, alsder Künstler darauf gesetzt hatte, und unterstützteihn auch in der Folge auf ähnlich schonendeWeise". Fiorillo endlich (lll. 48284.) beschreibteinige seiner Bilder ausführlich. Von demjenigenseiner Rodogune (das sich in neuern Tagen inEonstanz etwa bey H. von Finger!,n? be-funden haben soll), sagt er:Die Köpfe habenLeben und Ausdruck, und die Zeichnung ist tadel-frey; der Pinselstrich hingegen ist ungleich, undbald kühn, bald matt". Von der Olympias dann:

Taulassou.

Ungeachtet die Hauptfigur, ihrer theatralischenStellung wegen, mit Recht getadelt wird, so hatdies Werk dennoch viele Vorzüge, und schildertdas Erstaunen der Soldaten, welche es nichtwagen, die Mutter des Alexanders anzutasten,mit kräftigen Zügen". Ein besonderes Lob aberverdiene seine Hero und Leander , der einfachenComposition und des wahren Ausdruckes wegen;und seine Terenice, die dem Ptolomäus Vorwürfennacht, daß er spielt, während ihm die RichterTodesurkhcrle vorlesen. Die Anordnung diesesBildes soll reich und vortreflich seyn. Hiernächstbewahre die Gesellschaft der Kunstfreunde zu Paris zwey andere, welche zu seinem Vorzüglichsten ge-hören: Sappho , die sich vom Leucadischen Vor-gebirge in die See stürzt, und einen rasenden Her-kules. Um , 8 o 5 . war sein Neuestes (von derAusstellung d. I. XIII.): Herkul, der dem Admetseine Gattin aus der Unterwelt zurückbringt, wel-chem indessen Landon (Xouv. ses ^rts III.116.) ein angenehmeres Colorit wünschen möchte.Gestochen nach ihm kennen wir einzig, von Wil-lemin, das Brustbild eines Gefangenen, mit derUnterschrift: blelus! si jouns encors etc. Vonunsers Künstlers Arbeiten finden sich 7- in L«n-dons Anna! im Umrisse abgebildet und beurtheilt.Zuvorderst fünfe der schon oben erwähnten: 1)Tod der Olympias (I V. N°. Z»), wovon gerühmtwird:Alle (iv.) Figuren tragen zu der Haupt-handlung bey". Neben Anderm schön, wie Olym-pias mit der einen Hand ihre bloße Brust weist,mit der andern den Mördern auf die StatueAlexanders denket. Als dieses Bild zuerst (vor180Z.) ausgestellt worden, ward (heißt es auchhier anders als bey Fiorillo), besonders der pa-thetischen Wahrheit des Ausdrucks allgemeinerBeyfall ertheilt, und man hielt es für eines derbeßten Produkte seines Urhebers. 2) Leander undHero (l. c. NO. 54.). Von diesem spricht Land-don völlig wie Fiorillo. Die Figuren lebensgroß.3 ) Ptolomäus und Berenice (I. c. Vl. 18.) wurdeim Salon des I. X. ausgestellt. Wie es unsscheint, ohne Noth, und eher dem Eindrucke nach-thcilig, so zahlreich an Figuren von 2' Höhe.Von Landon wird auch an diesem Bilde Eomspositiv» und richtiger Ausdruck, und überdies diemoralische Tendenz gepriesen, welche bald alleWerke von Taillasson bezeichne, und dem Be-schauer etwas Gewichtiges zu denken gebe. Einenoch ausführlichere Lobpreisung dieses Bildes,ebenfalls von Landon, s. in dessen bstouv. cies^rts 11 . p. 1112. 4) Timoleon (l. c. IX. 75.).An diesem wird, neben allem Uebrigen, auch diegefühlvolle (?) Loccirung, das harmonische Colo-rit, und die große Genauhcit des Kostume's ge-rühmt. 5 ) Herkul, der dem Admet Alccsten wie-der aus der Unterwelt bringt, in lebensgroßenFiguren (I. c. XV. 34. )> Ohne Urtheil, wie beyFiorillo. Uns scheint es, aus der Nachbildungbey Landon, steif genug zu seyn, und Alccste nocheinem unbeweglichen Schatten zu gleichen, undHerkul, der den Schleycr mit eins von ihr auf-hebt, mit ihrem Gatten einen theatralischen Spaßzu treiben. Diese beyden letztgenannten Werke,so wie die zwey ff. (deren bisher keine Erwähnunggeschehen) gehören zu des Künstlers neuern Arbei-ten. b) Rhadamist und Zenobia (l. c. 17.),die Scene aus dem bekannten Trauerspiel, woPharasmann, Rhadamist's Vater, der sich in deSSohnes Gattin, ohne sie dafür zu erkennen, ver-liebt hatte, seinen rückkehrenden, ebenfalls uner-kannten, Sohn tödtlich verwundet, und dannbey der Erkennung in Verzweiflung gcrieth. OhneUrtheil ***). 7) Trauer der von Amor verlaßenen

") Andere setzen seinen Tod, irrig, in -«>o., noch Andere gar in >8n.

Von T- C- Druun Neergaard in Nro. ZU. des Moniteurs von i8"9. Fast scheint es, daß sichlange niemand mit dieser Arbeit beladen wollte» da bereits drey Wochen seit Taillasson« Tod verstrichenwaren, ohne daß solcher in einem öffentlichen Blatte auch nur angekündigt wurde.

Dagegen heißt es in dem» sonst so strengen: kLussniss p. §8889. von diesem >'m Salon 1806.

ausgestellten Bilde: Es sev wohl compvnirt» die Pantomime richtig, und man erkenne darinn die letzteScene von Crebillon's Meisterstück. Nur wäre mehr Wärme darinn, zumal in dem Ausdrucke des Vaterszu wünschen; bester sev dieser Ausdruck in den Zügen und Gebehrden der beyden Ehegatten. Alle Figurenhaben einen schönen Charakter, seyen rein gezeichnet, edel drapvirr, und das Cvstum sorgfältig beachtet:

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