Band 
Zweyter Theil [4].
Seite
1881
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Tieck.

nachgebildet, bestanden. Tieck's Erstaunen wardaher groß, als er zum ersten Male Sandsteins blocke vor sich sah' , und deren Bearbeitung alsdas Ziel seines Strcbens betrachten sollte. Bis-dahin hatte er nämlich alle Sculpturen aus Sand-stein als bloße Arbeiten von Handwerkern ver-achtet, und kaum des Ansehens werth gehalten.Noch mehr erstaunte er über die geringe Bildungund Unwissenheit in jeder andern Wissenschaft,die er selbst für so nothwendig gehalten hatte,bey seinem Lehrer sowohl, als den jungen Künst-lern, welche ihm arbeiteten, und eben so beyAndern zu finden, welche er kennen lernte. Erhalte sich die Kunst immer als das Erhabenstedes menschlichen Geistes gedacht, mithin denKünstler als Muster der Bildung und des Ver-standes, liebendem, daß derselbe, wie er glaubte,lein andres Material als Marmor oder Metallverarbeitete, Holz und Stein aber den Handwer-kern überließ, und dergleichen höchstens nur un-ter seine Aufsicht nahm. Nun aber sah' er, daßeben die Künstler selber diese Handwerker waren,und sein Lehrer, vor dem er Achtung haben sollte,nichts Besseres. Sich selbst halte er Vorwürfegemacht, so unwissend zu seyn, und seine Zeitbisdahin so verschwendet zu haben. Und dochwar er ein Gelehrter unter diesen Leuten, undwenn er an Sonntagen sich Bücher verschaffte,oder zu ehemaligen Bekannten, welche sich demStudium widmeten, gieng, machte ihm sein Leh-rer Vorwürfe genug darüber, und fragte ihn:Ob er ein Künstler oder ein Gelehrter werbenwollte? Er las daher meist des Nachts, wes-halb es denn sehr natürlich war, daß er am Mor-gen entweder spät erwachte, oder am Lag' ein-schlief, was ihm dann neuen Verdruß verursachte.Inzwischen hatte sein Lehrer, außer den Gips-abgüssen, auch eine Kupferstich-Sammlung, dieer zuweilen beschauen durfte, oder die etwa zuBettkober'n gebracht wurden, um ein Urtheil da-rüber zu geben. So erinnert er sich z. B. sehrfrüh Cunego's Blatter nach den Deckengemäldender Sixtina gesehen zu haben, welche einen gro-ßen Eindruck auf ihn machten; besonders aber,wie er von der Kreuzabnahme des Dorigny nachDaniel de Volterra so ergriffen wurde, daß diegroßen Formen derselben ihm gleichsam auf immervorschwebten, und ihn vor den Eindrücken desUnbestimmten und Kleinlichen bewahrten, dasihn sonst von allen Seiten umgab. In seinemFünfzehnten fieng er an, auf der Akademie nachder Natur zu modelliren. Und von hier an kannunser Künstler Schadow'n als seinen eigentlichenLehrer betrachten. Sey es nun, daß dieser inseinen Arbeiten mehr Talent bemerkte, oder einandrer Grund, so war T-eck, gleich nach denersten Wochen einer von denen, welche der Lehrerimmer mit besondern, Fleiß zurechtwies. Durchdies Studium der Natur nun lernte er erst dieAntike sehen, und bekam Begriffe von der Ana-tomie und deren Nutzen. So verlebte er bis insein Neunzehntes seine Zeit, in welcher er, außereinigen Bildnissen, weirig Eigenes schaffte, unddie, wie natürlich, noch unbedeutend genug seynmochten. Der Schüler seines Meisters warenjetzt nur noch drey, und seine beyden Kameradensahen ihn fast mehr als ihren Lehrer an; auchüberließ er es Tteck'en jetzt meistens, die Werke,welche aus seiner Werkstätte herorgingen, zu vol-lenden, besonders Hände und Füße. Für Ge-wänder hingegen hatte er damals noch gar keinenSinn; er hatte diese bisher noch nie studirt, undbetrachtete selbige wohl gar als ein nothwendigesUebel, um denen Figuren nach Bedürfniß zumHalt zu dienen. Für eine Kopie des Gladiators

Hauptsächlich auch darum, weil er es damals nochmachen.

Die Restaurationen der Dresdner -Antiken sind aWustes so viel da, Laß ein ungeübtes Auge leichtEinsenders.

Ei eck. rggr

von Borghese, oder vielleicht überhaupt als Auf-munterung, erhielt er um diese Zeit von der Aka-demie eine Medaille. Als nun ungefähr in dennämlichen Tagen sein Bruder von der Universitätzurückgekehrt war, verließ er seinen Meister, ummit jenem und ihrer Schwester eine gemeinschaft-liche Wohnung zu beziehen. Zugleich, da ebender König von Preußen mit Frankreich den Bas-ler-Frieden schloß, ward den Künstlern ein Preißfür ein allegorisches Bild des Friedens ausgesetzt,und zwar ohne besondere Rücksicht gerade aufjenen Vertrag, kurz so frey jeder es thun wollte,und konnte. Alle Künstler Deutschlands wurdeneingeladen; die Mitglieder der Akademie, alsRichter, schloffen sich aus. Nun modellirte auchTieck eine Gruppe: Mars auf einem Baum-stamme sitzend, welchem Amor eine Flöte reicht.Der Kriegsgott war nackt*) (neben ihm lagSchwerdt und Schild,, im Helm nistete ein Tau-benpaar), die Figur ungefähr ^ hoch. Schadowunterstützte ihn dabey mit seinem Rath, underar«beiterete wöchentlich zwey Lage daran; die übrigeZeit verwendete er auf andre Arbeiten, um wei-ter keiner Unterstützung von Seilen seines Vatersmehr zu bedürfen. Schadow wußte es nicht,wie wenig sein gewesener Schüler bey dem Werkewar; dennoch wurde das Modell in weniger alsdrey Monathen vollendet; und selbst seine dama,ligen Kenntnisse reichten nicht aus, längere Zeitdarauf zu verwenden. Da indessen wenige Bild-hauer-Arbeiten vorhanden waren, gewann derUnftige den ausgesetzten Preiß von hundert Tha-ler. Schadow äußerte damals einem gemein-schaftlichen Bekannten, daß er wünsche, Tiecke'nin seiner Werkstätte zu haben; und dieser ergriffden Wink mit Freuden, in der Hoffnung, be»seinem geschickten Meister aufs neue täglichenUnterricht durch Lehre und Beyspiel genießenzu können. Außer Einigem in Eyps, fertigt«er jetzt auch für seinen Meister zwey kleine Figu-ren in Marmor, die eine Kopie nach der Antike,die andere »ach Schadow's Modellen. Auchmachte er um diese Zeit eine Reise nach Leipzig und Dresden , wo er jene einzige Gallerie zumerstenmal sah', und aber von der dortigen Anti-ken-Sammlung nicht so hingerissen wurde, wie vonder klaßischen Mengs'schen Gyps-Sammlung **).Damals fertigte Treck mit Beyfall verschiedeneBildnisse in Büsten und Medaillons, wie z. B.diejenigen seines Bruders und seiner Schwester,und seines verstorbenen Freundes Wackcnroder's,des Verfassers von. dem Kunstliebenden Kloster-bruder, und den Phantasien über die Kunst. BeyGelegenheit des gewonnenen Preises hatte er dieBekanntschaft des Herrn von Humboldt und seinerFamilie gemacht. Zum Theil durch dessen Ver-mittelung, zum Theil auf Verwendung Schadow's,erhielt er von der Akademie ein kleines Jahrgc-halt, um auf drey Jahre eine Reise machen zukönnen, nachdem er ungefähr ein und ein halbJahr in der Werkstatte des letztem gearbeitethatte. In Dresden , wohin er nun zum zwey-tenmal ging , um noch einige Wochen daselbst zu-zubringen, traf er, außer der Humboldlischen Fa-milie, einen andern Freund, Herrn von Burgs-dorf; in dieser vorlreflichen Gesellschaft kam erauch nach Wien , wo er abermals ein paar Mo-nathe verweilte. Dort machte er Füger's Be-kanntschaft, und das Dildniß Büste seiner jungenund schönen Gattin. Da man um diese Zeit denAusbruch des Kriegs in Italien täglich wiedererwartete, so entschloß sich jene Reisegesellschaft,welche sonst sofort nach Welschland zielte, erstnach Paris zu gehn, das damals einen ruhigernAufenthalt darbot. Da einige Versuche in Wien

nicht wagte, auch nur das kleinste Stück Drapperit z»

ler auch gar zu entstellend schlecht, nnd überhaupt desermüdet, und auch das Gute übersieht. Anmerk. des

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