Band 
Zweyter Theil [4].
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1883
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Tieck.

che das Treppenhaus dekoriren sollten. Die Fi-guren waren beynahe Naturgröße. Das erstestellte einen Fürsten auf dem Throne vor, wel,chem die Stände des Landes Geschenke bringen,als Anspielung, daß das dortige Schloß znnrTheil aus Beyträgen der Stände wieder herge-stellt wurde; es war einige 20' lang; Die bey-den dasselbe begleitenden haben 18^ Länge; einesenthält den Fürsten , als Beschützer der Künsteund Wissenschaften; das andere, allegorisch, dieBestimmung des Hauses, froh den Wechsel derJahreszeiten unter Spielen und Festen zu verle-ben, und befreundete Fremde als Gäste zu bewir-then. Noch eine Menge kleiner Basreliefs, mitKränzen und andern Verzierungen, wurden indc» Metopen des Dorischen Frieses gedachtenTreppenhauses abwechselnd angebracht. Einenandern Salon mußte er mit acht andern Basre-liefs verzieren, welche auf weibliche Lugendenanspielen sollten. Dies Gemach war zum Gesell-schaftszimmer der neuen Erbprinzessin bestimmt;alle achte hatten 3 .1/2^ Höhe, und vlere derselben0^ Länge, die andern viere nur s. 1/2^. Zu denvergrößern wählte er: Elekkra, die über die Aschedes todtgeglaubten Orest's trauert; Orest undJphigenia, welche aus Tauris entfliehen; Admet ,der Alcesten auf dem mit Eber und Löwen bespann-ten Wagen als Braut heimführt; und Alceste,welche Herkules aus der Unterwelt zurückbringt.Admet und Alceste auf dem Wagen waren un-streitig die glücklichst erfundenen unter diesenvieren. Die Gegenstände der vier andern schma-len waren: Oedipns, von der Antigone geführt;Theseus , der von der Ariadne die Spindel mitdem Faden empfängt; Hella und Phrixus aufdem goldenen Widder; und Omphale , welcheden Herkules mit Lorbeer krönt. Da natürlichfast alle diese Figuren bekleidet waren, sah sichder Künstler genöthigt, besonders die Grundsätzein Anwendung zu bringen, welche er von denAntiken und den Malereien der größten Meisterabgezogen hatte. In vier großen Nischen auf derTreppe sollten 8^ hohe Statuen aufgestellt werden,wozu er Bacchus und Minerva , Merkur undDiana, wählte. Diese Figuren thaten ihre Wir-kung, da solche für den Platz, und also für einebestimmte Beleuchtung erfunden waren. Noch inzwey andern Nischen zwischen den Fenstern wur-den Dreyfüße gesetzt, mit kleinen Bildsäulendes Jupiters und der Juno geziert. In demGesellschaftssaale dann wurden vier Figuren Na-turgröße ebenfalls in Nischen gestellt, welche Mu-sen darstellten, und zwar, nach der Foderung desFürsten , sollte Treck zu zweyen derselben die Kö-pfe der beyden Schauspielennen Unzelmann undJagemann verwenden. Durch diese Figuren suchteer Musik, Scherz, Tanz und Beredsamkeit aus-zudrücken, als dem Saale anpassend, der dengesellschaftlichen Freuden, scherzhaften und ernst-haften Gesprächen, Spielen, Bällen und Con-certen gewiedmet seyn sollte. Zwey t? lange Lö-wen waren für den Ort, wo sie aufgestellt wer-den sollten, durch einen Mißverstand zu groß;sie wurden daher ins Freye gebracht, wo solche

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aber im Winter zerfielen. Ausser diesem fertigteer wahrend den Jahren seines Aufenthalts zuWeimar die Portraits-Büsten des Herzogs, desErbprinzen , der Großfürstin, seiner Gemahlin ,der Dem. Jagemann, Herder's*), Wolfe's desPhilologen, Doße's, einer Gräfin Rheden , einerFrau von Seebach, des Geheimenralhs Borgt,und der Frau von Voigt, seiner Schwiegertochter;dann von ein Paar Dichtern, Clemens Brentano ,und Stoll aus Wien . Mehrerer Portraite en Medail-lon wird hier nicht gedacht. Auch nach demGeschmacke des XV. und XVl. Jahrhundertslieferte Tieck zwey Medaillons, welche in Bronzegegossen wurden; die eine auf den vollendetenAusbau des Schloßes, die andre auf die Ver-mählung des Erbprinzen . Die einzige Marmor-Arbeit indessen, die er in Weimar machte, wardie Büste eines Fürsten Reuß von Köstriz , undein Paar andre Kleinigkeiten. Auf einer Reisenach Berlin von einigen Wochen kurz vor seinerAbreise nach Italien , mußte er die Büste derGräfin Rheden noch einmal wiederholen, undein paar Medaillons von dortigen Damen aus-führen. In Rom hierauf hatre er den Augendie langentbehrten Studien desto reichlicher ge-gönnt, und in langem Zeitraum sehr wenig ge-than. Außer seinem eigenen kleinen Bildnisse,welches er für einen Freund gemalt, waren fol-gende seine einzigen dortigen Arbeiten: Die BüsteAlexanders von Humboldt, Modell, dann einBasrelief zür Ausschmückung des Grabes HerrnNekers, aus Auftrag seiner Tochter, der Frauvon Stael-Holstein . Mit verhülltem Gesicht knieteine Frau an einem Grabe; Neker erhebt sichvon der Erde , noch mitleidsvoll zu der Trau-ernden gewendet; Madam Neker schon höherschwebend winkt ihm, ihr zu folgen. Dies istin Marmor ausgeführt- Ferner die Büste desdamaligen General-Vikar's della Somaglia, inMarmor; die Büste der Erzherzogin Maria Anna ,in Marmor noch unvollendet; Goethes Büste fürden H. Kronprinzen von Bayern , colossal inMarmor. Mehrere Modelle wurden wohl ange-fangen, aber nicht vollendet. Eben so ein PaarMalereien, ein Bildlich seiner Schwester, undeine Mater dolorosa. Tieck verließ nun Rom , aufEinladung der Frau von Stael-Holstei», und brachtebey ihr und in Genf sechs Monathe zu. Auf ihrVerlangen veränderte er Einiges am Kopfe ihresVaters auf dem vorerwähnten Basrelief, um dieAehnlichkeit zu erhöhen. Dann fertigte er.auchzu Copet ihre eigne Portraiksbüsie, dicieuigpWilhelm Schlegels, und des damaligen Präfek-ten der Stadt Genf , Herrn von Barrente. . DieReise von dort nach München ging durch dieSchweitz , wo er, Anfangs gegen seine Absicht,in Bern und Zürich etliche Monathe zubrachte.In letzterer Stadt waren seine hauptsächlichsteBekannte die HH. Professor Hörner und Füßli .In München fertigte er die Bildnißbüsten desH. Kronprinzen, der Frau von Montgelas , Ja-cobi's , Schelling's, des Geheimenraths von Wie-beking, und seines Bruders, Ludwig Tieck **). 'Seit seiner Abreise aus Paris hatte er hicruächst

Von diesem letzter» heißt es in Meusek's Archive (IV. ». 197.)Schade nur, daß der Künstler dasModell dazu nicht bey dessen Leben fettigen, sondern nur nach einer vom Todtengesicht abgegossenen Marke,und nach einem Gemälde von Bury bearbeiten konnte; und zwar um so viel mehr, da solches wahrscheinlichzu einem Monumente bestimmt ist, das Treck in Rom ausführen wird".

*) Don vieren derselben heißt es im TübfiiA. Mor^enbl. 1810. S. ä 89 y->. in einem dortigen Aufsätze:Runsi aus München :Voran müßen wir hier vier Büsten stellen, welche von H. Treck, den seine Kunstwieder nach Rom geführt hat, die letzte Zeit in Gyps sind ausgeführt worden: Der Gräfin Montgelas , anSchönheit der Formen und weiblicher Würde ein Aspasien-Kopf; des Krenvrinzen, vcll von jugendlicherKraft, und besonders um die Stirn äusserst bedeutend durch Tiefe und hervordringende Neflerion, welchesich um den Mund in sanfte Züge und Lieblichkeit verliert; des Präsidenten Jacob», ein Bild, das maunicht ohne Erheiterung betrachten kann, indem die Klarkeit und Ruhe dieser ehrwürdigen Züge uuwillkühr-lich in das Gemüth des Beschauers übergchu; und endlich die Büste des Dichters Friedrich Tieck , der hieri» voller Jugendlichkeit, schön und sinnig wie seine Gesänge, uns anspricht". Dann wird der Wunsch bey-gefügt: »Möge den trefflichen Künstler ein heiteres Schickstil durch Italien leiten; sinket er Gelegenheit,sein herrliches Talent in großen Kompositionen zu bewähren, so dürfen wir Werke» von ihm entgegensehe»,welche der Deutschen Kunst Ehre machen. Sein Styl ist durchaus frey von Manier, rein, groß und sicher;aus den kalte» Massen, die er formt, baucht wahres und frisches Leben hervor". Noch an einer andernStelle l. c. Z84. lesen wir: Er habe von dem H. Kronprinzen von Bayern den Auftrag erhalten, Arbeitenfür desselben Pantheon großer Deutschen zu liefern; unter denselben die beyden Hoheustaufen, von Lutten,Bernhard von Sachsen-Weimar nnd Leßing. WaS davon wirklich ausgeführt worden, ist uns unbekannt.

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