Band 
Zweyter Theil [4].
Seite
1895
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Tischbein.

dann als Mechanikus und wurde in dieser Eigen-schaft bey der Universität zu Marburg bestallt.Hier st. er »727. Serteder's Hess. Ge-lehrrengesch. XVl. 223.

»2 Tischbein (Johann Anton, gewöhnlich An-ton), der im Le.r. unter dein Art. seines Bru-ders Joh. Heinrich I. erscheine, vierter Sohndes Stammvaters Joh. Heinrichs des Bäckers,geb. zu Hayna 1720. Derselbe sollte studiren,gab es aber auf und gieng nach Frankfurt a. M.Hier wurde er zuerst Schreiber; dann lernte erdas Tapeten-Malen, und ward bald ein wackrerKünstler. Ohne Unterstützung besuchte er Paris ,und mit seinem oben erwähnten Bruder (1749.)Rom . Alsdann ließ er sich in Hamburg nieder,und legte dort eine Zeichenschuie an. Daselbst st.er auch 1784. (-». K. zu Anfang 1782.) Men-sel Arch. I. (4.) 206 hat irrig 7» I. alt.Srrieder's Hess. Gelehrrengesch. XVI.32Z. .Meusel III. Von ihm heißt es in: Hsm-dnrss. Xünstl. kgackr. p. ^3. u. ff.Derselbehatte, wie seine Studien und die Entwürfe seinerWerke beweisen, einen sehr gebildeten und geläu-terten Geschmack, den er vorzüglich durch Er-werbung der vorbereitenden Kenntnisse zur Kunst,durch das Studium der klassischen Muster ausdem griechischen und römischen Alterthum erlangthatte. (Sogar Wissenschaften, die kein unmit-telbares Verhältniß zur Kunst haben, z. B. diePhysik, siudirte er, wie unser berühmte Physi-ker, der Senator Airchhoff, bezeugt, der einvieljähriger Freund des Künstlers war.) SeinJdeenschwangerer Geist verhinderte ihn aber ander Ausführung aller der Skizzen, die er im er-sten Feuer der Begeisterung entwarf. Auch woer seine Einbildungskraft so viel fizürte, daß erseine Darstellungen weiter ausführte, fehlt ihnennoch immer das Siegel der Vollendung, daß esfast scheinet, er habe das eigentliche Ausmalenals Nebenwerk angesehen. In seiner eigentlichenManier ist nichts Nachgeahmtes; alles ist seinEigenthum. Seine Zeichnungen, die zwar nichtimmer nach richtigen Verhältnissen bestimmt sind,muß man den Gemälden in vieler Hinsicht den-noch vorziehen. Alle von ikm entworfene» Figu-ren zeugen von einem gründliche» Studium derAnatomie. Auf der Reise, die er mit seinemBruder nach Italien machte, hat er sehr vieleStudien von allen Denkmälern und viele Gegen-den gezeichnet- was ihm in seinen Gemälden nach-her sehr nützlich wurde. Vornehmlich stellte erScenen aus der griechischen, vorzüglich aber ausder römischen Geschichte, auch öfters aus derbiblischen dar. Auch malte er viele Portraits,in denen er aber die Aehnlichkeit fast immer ver-fehlte, weil ihm die Geduld zum behutsamen Auf-merken zu sehr mangelte Ferner malte er man-che Landschaft mit Thieren im Geschmack seinesmehrgenannten Bruders, die als Nachahmungenrecht artig sind. Gesellichaftsstücke malte er, ob-gleich Füeßli ihrer vorzüglich erwähnt, nur selten".Von seinen Bildern iah man (1809.) mehrere beydem H. Hof- und Landgerichts-Advokat Schmidtzu Kiel ; als nämlich zwey Stücke mit badendenNymphen. Dann zwey andere geschichtliche,auf deren einem der Philosoph Comius unter Ca-ligula, und auf dem andern der Churfürst Joh.Friedrich von Sachsen vorgestellt wird beyde,wie ihnen währendem dort Schach - hier Brett-spiel das Todesurtheil angekündigt wird, welchemeisterhaft seyn sollen, und vielleicht dem VetterJoh. Heinrich Wilhelm den ersten Gedanken zuseinem Eonradm gaben. Ferner Jacobs und Esau'sVersöhnung, und Jacob dem Josephs Ankunftgemeldet wird; und endlich noch zwey andere un-genannte biblische Stücke. Ueber seine in 1771.zu Hamburg erschienene Schrift: Unterricht zugründlicher Erlernung der Malerey, s. Blan­ ke »,bürg'« Zusage zu Sulzec III. 3 -jo. den

') Zu Paris befand er sich um -780.

Tischbein. ,395

Jnnhalt derselben, mit dem einzigen Urtheil:Uebrigens will der Verfasser nur für seine Schü-ler geschrieben haben". Zu dem Buche: Die Rit-ter und Riesen, ein Rittergesang (8°. Brschwg.u. Leipz 726.) hat A- Beck vier schlechte Vignet-ten nach ihm geetzt.

iZ Tischbein (Johann Conrad, gewöhnlichConrad) Kirchenlenior und Schreiner zu Hayna inHessen , hier geb. 1712. und hier gest. -778. derälteste Sohn des Beckers und Stammvaters die-ser Küiisilerfamilie Johann Heinrich'«. Ton-rad war nicht allein ein sehr geschickter Schrei-ner, sondern verstand auch das Zeichnen und Ma-len. Sein Sohn Joh. Heinrich Wilhelm ver-dankt ihm den ersten Unterricht in der Kunst. g§rc.

»4 (Johann Friedrich August , ge-

wöhnlich nur Friedrich), zweyter Sohn von Jo-hann Valentin, Direktor der Kunstakademie zuLeipzig auf der Pleißenburg, und Professor derGeschichts- und Dildnißmalerey daselbst, geb zuMastricht 1750. lernte bey seinem Oheim Job.Heinrich I. Auf Kosten des Fürsten von Wal-deck hielt er sich sieben Jahre lang in Frankreich *)und Italien auf. In Neapel ließ sich die Köni-gin von ihm malen, und trug ihm auf, das Bild-lich ihrer Mutter der Kaiserin Maria Theresia zu überbringen. Nach seiner Rückkunft nahm ihn-der Fürst von Waldeck zu Arolsen als Hofmaler,mit Ralhscharakter, in feine Dienste. Späterhin hielt er sich viel in Holland auf. Die Revo-lution 1795. zwang ihn aber, dieses Land zu ver-lassen. Nachdem er hierauf vier Jahre unter demSchutz des Kunstliebcndcn Herzogs von Anhalt- Dessau zu Dessau gelebt hatte, ward ihm i8k>r>.Ocftr's Stelle in Leipzig zu Theil. (Mensel III.)Scharfe Kritiken seiner Arbeiten auf den Dresd­ ner -Salons von 1800. und 1801. wie z. B. desBildliches der Frau Baroneße von Racknitz inLebensgröße, und dann dasjenige, welches ihnselbst vor der Staffeley, nebst seiner Gattin undseinen drey Töchtern darstellt, findet sich in denDeutschen Lunstblarrern 8". S. 46. u. ff.und IV. S- r 5 . »- ff- Die Summe der dorti-gen, mitetwas Zucker bestreuten Rüge, scheintdarin zu bestehen: Daß man in seinen Bilden»überall den erfahrnen Künstler und dessengalanteBehandlung" wieder finde, dabey aber der un-befriedigte Wunsch bleibe, daß die Handlung einedeutlichere Sprache führe; und (noch dürrer),daß die Wahrheit bisweilen der Schminke auf-geopfert sey ". Auf der Kunstausstellung zu Dres­ den i8uä. sah man von ihm ein sehr schönesBildniß der Frau Kammerherrin von Löwenzowin Lebensgröße, und eine Gruppe von zwey Mäd-chen, (»ach der Allg. Runsizeir. 8° S- 258 . desKünstlers eigene Kinder), welche ein Kind miteinem Scyawl vermummen wollen; in i8nh. einanderes ungenanntes,welches" (heißt es irgend-wo)wie alle seine Arbeiten, den großen prak-tischen Meister verrieth". In demselben Iahewurde er nach Weimar berufen, um dort das le-bensgroße Bildniß der Fürstin ohne Ihresglei-chen. der neuen Frau Erbprinzeßin, Maria Panrlowna, zu malen. In 1806. stand solches aufdem Dresdner -Salon, und seither in dem Rath-hause zu Weimar aufgestellt. Bey MeusetArchiv H. (i.) heißt es davon:Lieblich colorirt,aber nicht vollkommen richtig gezeichnet; ein Ta-del, der besonders den Hals betrift". AehnlicheKritiken erhalten l. c. andere auf diesem Salonvon ihm ausgestellte Bildniße: Das «wenig ähn-liche, und wohl schwerlich mit Fleiß gemalte" vonSchiller, welches einem frühern von Graf,injeder Rücksicht" weit nachstehe.So sinnreichauch das griechische Kostüm gewählt zu seynscheine, so schade doch der rothe Mantel augen-scheinlich der Darstellung. Von einem dritten(Familiengemäld) wird zwar die Zusammensetzunggerühmt , dann aberder zu blaße Fleifchton