Band 
Zweyter Theil [4].
Seite
1999
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V an lo o.

Einer unserer Freunde glaubt, daß dieser Jakobauch derjenige I. v. Los sey, nach welchem Hou-bracken (nach einer Zeichnung von H. Pothvven)das Bildniß des Amsterdamer-Bürgermeisters Carlsvan Dcunmgen gestochen habe.

* vanloo (Johann), der Stammvater seinerzahlreichen Künstler-Familie (welcher im Lex. imersten Art. dieses Geschlechtes erscheint) war selbstMaler, von dessen Arbeit aber so gut als Nichtsmehr vorhanden seyn soll. Frorrllo III. 211.Der Katalog von Salzthaium erwähnt zwarS- 46 . von einem Johann vanloo als eindort vorhandenes Bild: Diana mit ihren Nym-phen , im Vorgrnndc todtes Geflügel und Wild-pret; was aber wohl dem zweyten gleich folgen-den jünger» Johann oder noch eher dem JohannBaptist gehören wird. Anderwcrts heißt es:Houbracken habe nach unserm altern Johanneine Gesellschaft Kartenspielcr und Zechbrudergestochen.

So soll auch ein anderer Ma-ler und Kupferstecher aus diesem Geschlechte heißen,der 1726. zu Paris gestorben wäre. Er selbsthabe gestochen: Diana, die den Endymion findet,nach eigner Zeichnung (S. den vorhergehendenArt.); dann 6. Blatter nach B. Castiglione (oke?Ie 6as); den Satyr und den Bauer nach Joh.Mici; und die Macht der Liebe, nach N. Vleug-hel. S. auch unten Joseph vanloo; und zwei-feln wir keinen Augenblick, daß einer dieser bey-den ein Nonens sey.

* (Johann Baptist), des nachfolgen-de» Ludwigs älterer Sohn und Schüler. Vonihm erzählt man das Unglaubliche: Er habe sichschon in seinem achten Jahre so berühmt gemacht,daß man ihm bald nachher verschiedene Altarblät-tcr zu Toulon , Aix u. s. w. zu fertigen aufgetra-gen, und daß eben die (Proveuzalische) lebhafteTheilnahme, weiche diese Bilder erweckt hatten,ihm eine Stelle am Turiner-Hofe verschaften, woer die ganze Herzogliche Familie, und zuletzt auchden Herzog aus dem Gedächtnisse malte, weitersich zu sitzen geweigert hatte. An dem Prinzenvon Carignan fand er einen freygebigen Gönner,der ihm einen Gehalt bewilligte, um nach Rom zureisen, und sich in der Schule des Benedetto Lutti weiter auszubilden *). Eines der ersten Werke,welches er dort mit allgemeinem Beyfall verfer-tigte, war eine Geisselung Christi in St. Mariadella Scala in Monticelli, eine große Compositionvon sechs Figuren in natürlicher Größe. Alsdannfolgte Ludwig seinem erwähnten Gönner nachFrankreich , und zierte noch auf dem Wege zweyZimmer des Pallastes Rivoli bey Turin mit FrcscorDecken. Bey seiner Rückkehr nach Paris mußteer sofort nicht nur dem Herzoge von Carignanmehrere Bilder nach Ovidlscheu Verwandlungenschildern, sondern wurde auch dem Herzog-Regen-ten vorgestellt, der ihn vielfältig beschäftigte, undihm neben Anderin die Ausbesserung der fünf inWasserfarbe gemalten Cartons von Julis Ro-mans auftrug, welche unter dem Namen derGötterliebschaften bekannt sind. Eben so befahlihm derselbe, von der berühmten Fußwaschungder Apostel von Muziani, weiche dieser Fürst(nach einer mehrmals geübten schändlichen Ge-

*') d'Argensville (IV. z«».) bemerkt, daß dieser ssagen: »Du verstehst mehr als ich."

Vanloo. 1999

wohnheit) dem Domcapitel zu Rheims entrissenhatte, eiue Copie zu ziehen, um solche an die Stelledes Urbildes zu setzen. Diese Arbeit gelang ihmvortrefflich, und trug nicht wenig zu Vergröße-rung seines Ruhmes bey . Unter den zahllosenBildnissen von vanloo dann verdient dasjenigedes Königes geiiamir zu werden, welches er (gleichjenem zu Turin ) bloß aus dem Gedächtnisse ge-malt, und das dem Monarchen so sehr gefiel, daß erdem Künstler, zur Vollendung, noch eine Sitzungbewilligte. Außerdem fertigte er für denselbennoch Anderes, und verbesserte (?) z. B- die Ga-lerie zu Fontainebleau , welche primakiccio unterFranz I. gemalt hatte. Bey diesem Geschäfte hal-fen ihm **) sein Sohn Ludwig Michel, nebstseinen übrigen Schülern. Dann sieht man nochvon seiner Hand, im Chöre ber Großen Augu-stiner, ein Bild, welches den König darstellt,wie er die Ordenszeichen des H. Geistes demGrafen von Clermont überreicht ***). Von sei-nem Aufenthalt in England spricht schon dasLexikon. Ungeachtet seines dortigen kurzen Ver-weilens (1707-43.) (seine Gesundheit konnte kei-nen langen, ertragen) gelang es ihm dennoch,zahlreiche Aufträge von Bildnissen zu erhalten,welche so zunahmen, daß ihm von Acten,Eckbart ein Deutscher, und Roth hülfreicherrHand leisten, und die Drappecien fertigen muß-ten ss). In Paris war er bereits vor seinerReift nach England (1721.) zum Mitgliede derKöniglichen Akademie ernannt, aber erst neunJahre spater aufgenommen worden, weil über-häufte Bestellungen ihm nicht Zeit ließen, seinAufnahmsbjld zu malen, welches Diana und En-dymion darstellt. Anfangs besaß dieser Künstlereine richtige Zeichnung, welche so gar Bekannt-schaft mit den Antiken verrieth, und einen wei-chen Pinsel, wobey er sich etwas an die Manierdes Solimena hielt, der damals den herrschendenTon angab; in der Folge aber hatten die zahl-reichen Bildnisse, welche er malen mußte, einennachtheiligen Einfluß auf seine historischen Werke."Fiorlllo III. Z12 15 . Von diesen letztem nenntwareler, als sein Bedeutendstes zu Paris , nebstseinem schon erwähnten Aufnahmsbild in denSäle» der Akademie: Christi Einzug zu Jerusa­ lem , in der Kirche St. Martin des Champs, undSt. Petri Defreyung aus dem Gefängniß, inSt. Gcrmain de Pros. I» Deutschland besitzt,unsers Wissens, von ihm einzig die Galerie znSchleisberiN: Das Glück, auf einer Kugel, spen-det mit vollen Händen seine Gaben vor sich hin;die Empfänger leben in Freude oder gemächlicherRuhe. Allein hinten ist wieder Jammer, Zank,und vergebenes Streben nach de» zwecklos aus-gestreuten Schätzen. Ganze Figuren (Z^ 6" hoch,2' 11" br.). Unter seinen Söhnen und Schülernthaten sich vornehmlich Ludwig Michel undCarl Amadeus, wie auch sei» Bruder CarlAndreas vanloo, dann Peter und Carl Tre-mollftre und d'Andrü Bardon hervor. Hand-zeichnungen von ihm besaß (noch 1810.) dasCabinet paignon-Dssonval zu Paris . So z.B. des Künstlers Bildniß, in rother Kreide;Christus an der Schandsaule, Federzeichnung;Venus, die aus dem Meere steigt, von de» Gra-zien gekrönt, eben so. Nach ihm gestochen dann

in Meister mehrmals Gelegenheit fand, dem Schüler zn

*'') Desto schlimmer I

*'-"») Vev Gault de St. Germain S. -59. heißt es (wohl durch völlige Verwechselung mit seinem SohneLudwig Michel): In Spanien malte er eine ungeheure Menge Bildnisse; und wär' er an dem dortigenHofe geblieben, wo er alle (einen Talenten gebührende Auszeichnung genoß, wenn ihm nicht leine Ge-sundheit die Rückkehr ins Geburtsland geboten hätte.

k) »vanloo" (beißt es daher bey Kiorillo V. 578.) »bat unstreitig der Bildnißmaftrev in England einenUmschwung gegeben, indem er die täuschende Wahrheit der Kunst, welche ganz etwas anders ist als knech-tische Treue, zu hoher Vollkommenheit gebracht, und sich durch nicht wenige Werke wirtlich de» classischenMeistern genähert hat."

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