Band 
Zweyter Theil [4].
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2008
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2oog Vanvirelli.

nicht allein seiner Kunst, sondern auch seiner, inder Geschichte, den Eontroversen (D u. s. f.bewanderten gelehrten Kenntnisse, und seinessanften biedern und großherzigen Charakters we-gen allgemein hochgeschätzt, i/M. Man kann ihn denSchilderet des neuern Roms nennen. Seinedurch ganz Europa verbreiteten Bilder enthaltenAlles, was dort mit Pracht gebaut worden,und sind daneben mit landschaftlicher Staffirungausgeschmückt. Auch kennt man ähnliche Dar-stellungen anderer ttalienischer Städte, Seehasenund Landhäuser von ihm, Alles sehr nützlich fürstudirende Maler und Baumeister- In Aufrissenund Maaßen war er sehr genau, in der Ausfüh-rung angenehm, und im Colorit helle; in derLandschaft dürste mehr Geist und Mannigfaltig-keit, und seine Lüfte weniger blaß, und nicht somit rvkhlichen Wölkgen gefleckt seyn. In Deutsch­ land besitzt voii ihm, unsers Wissens, die einzigeGallerie zu ^chleisbenn das kleine Bild einerLandstraße, mit Gebäuden, Bäumen und Fi-guren. Line schone Ansicht von der Stadt Rom und der Tiber von seiner Hand, im Kabinet desEnglischen Esq. P. Burrel, hat P. Benezech ge-stochen. f/stuL/ei-. Dann auch M. Worin, fürden Verlag des Th. Major, eine Ansicht vonBethune.

* Vanvirelli (Ludwig) des Obigen Sohn',welcher im kex. unter dem Art. seines Vaters er-scheint. Bewährt scheinenden Nachrichten seinesSchülers Drenna zufolge, geb. (nicht zu Neapel ,sondern) zu Rom 1700. Schon als sechsjähri-ger Knabe zeichnete er (als Schüler seines Va-ters) nach der Natur; von seinem Zwanzigstenan malte er in Fresko, wie z. B. in der Kapelledclie Reliquie in St. Cäcilia zu Rom , wo manüberdies auch ein Bild dieser Heiligen in Delvon ihm findet, welches er für den KardinalAcqnaviva malte; Anderes in St. Bartholomäoda Bergamasschi, und im Suffragio zu Viterbo .Alsdann studirte er die Architektur unter PhilippIuvarra. Der Kardinal von St. Elementeführte ihn nach Nrbino, um den dortigen PallastAlbani zu restauriren, und eben daselbst bauteer die Kirchen von St. Francesco und St- Dosminicus. Mittlerweile erwarben ihm seine frühenVerdienste schon in seinem Sechsundzwanzigstendie Stelle eines Architekten von St. Peter zuRom , wo er, neben diesem Berufe, viele Ge-mälde für die Mosaiker copirte. Als Freundund Gefährte von Salvi führte er mit demselbendie Baulc der Wasserwerke von Vicino aus.Dann concurrirte er auch mit 21. andern fürdiejenige der Fa^ade von St. Johann Latcrano.Einer von ihm hinterlassenen Handschrift zufol-ge wurden seine eingereichten Risse, nebst einemvon Salvi, allen Andern vorgezogen. Indessenhabe man den Papst glauben gemacht, daß dieUrtheile der Akademiker von Ct. Luca (wo jeneZeichnungen noch alle aufbewahrt sind, wovonMilizia, k-ilr. ter?. II. Z20. einen anschauli-chen Begriff giebt) getheilt seyen, und am Endedie Palme doch eher dem Florentiner Galiläigebühre, der solche auch erhielt; so wie hinge-gen Salvi, zum Ersatze, die Fontana di Trevi ,und der ttninge den Hafen von Ankona.^ Auchdieses Werk wird von LTstilizia I. c. näher be-schrieben, wobey, neben Anderin, bemerkt wird,

Vanvirelli.

daß er für den Gebrauch der Pozzolana bey denFundamenten vergebens geeifert habe. Währendder dortigen Arbeiten gab er auch viele Zeich-nungen für allerlei Bauten zu Rom (wie z. B.für eine Reparatur von St. Giesu und Sk. Au-gusiin), zu Maccrata für die Kapelle della Mirsericordia, zu Perugia für die Olivetaner-Kircheund Kloster, zu Pesaro für die Magdalenakirche,zu Siena für St. Augustin *), was nachmalsvon Andern verdorben wurde. In 17/jS. wurdeer nach Mailand berufen, wo er für die Fa^adedes dortigen Doms einen Entwurf gab, derzwischen dem Gothischen und Griechischen Ge-schmack die Mitte hielt, und aber, wegen desmittlerweile ausgebrochenen Kriegs nicht zurAusführung kam. Vorkam' bürdet, wie esscheint ziemlich unzuverläßig, ihm die Gebrechenjener eisernen Reife auf, welche die Gefahren derKupole von St. Peter verhüten sollten, und giebthinwieder, eben so zweydeukig, die Ehre vonandern Sicherungs-Vorrichtungen, theils an demgleichen Werke, theils an dem Obeiiske der Gui-lia, dem bekannten Nicl. Zabaglia, wo hingegendie erste dem Unsrigen, die zweyte Carl Fontanagebühren dürfte. In dem Heiljahre 1720. leiteteLudewig die Verzierungen an der Tribune beySt. Peter, eine neuartige Beleuchtung der dortigenKupole, die Zurüstung zu einer Heiligsprechung,die Funeralien der Ex-Königin von England,und den Transport der Pieta von M. Angel».Auch für die Carthause zu Rom (ein wirklichprächtiges Gebäude, von welchem Benedikt XIV. zu sagen pflegte, die dortigen Mönche hätten,für wenig Geld, aus einer Scheune eine großeBasilica geschaffen) hakte Vanvirelli noch aller-ley Verschönerungen angerathcn, welche aber vonden sparsame» Ordensbrudern nicht genehmigt wur-den. So nahm der Ruf des »ermüdeten Künst-lers von Lag zu Tag zu. Mehr erwähnterVNilizia l. c. 224. u. ff. zählt seine mannigfal-tigen Arbeiten, hauptsächlich zu Neapel **),für den dortigen Hof sowohl als für Partiku-laren auf*"*); hauptsächlich aber spricht er mitverdienter Ausführlichkeit von der wichtigsten sei-ner Bauten, nämlich dem Lustschlosse zu Caserta .Der erste Grundstein dazu wurde am 20. Jan.1760. gesetzt. Unter den Denkpfenningen, welcheman dergleichen beyzulegen pflegt, befand sichauch einer des Baumeisters, mit der Jnnschrift:

8tst Oomus et 8olium, et 8c>bole5 6orbo-nics, doneo

Kd superos propria vi lapis Irre redest,den er selbst also übersetzte:

KeZra, ii 8o//o. ii fücai Sei me

Frncüe ria ee ^r'ekra r'i 80/ rweZA«.

Ein schöner Lag für ihn! Milizia, der inseiner Beschreibung wirklich nachgelesen zu wer-den verdient, kann von diesem großen Werkenicht genug Rühmens machen, von dem er sagt,baß solches aus keinem Zeitalter, und unter kei-nem Volke kaum seines Gleichen habe -f-). Vor-her giebt er Ludwigs Kunstcharacter im Allge-meinen also an: »Ein unermüder fleißiger Zeich-ner, verständig in der Ausspendung, Einrichtungund Verzierung aller Theile des Ganzen feiner

6) Cochin I. 225. sahe sie >746. noch nicht ausgebaut, und nennt den Gedanken davon schön.

**) Dabin wurde er -750. von König Carl III. in der Eigenschaft seines ersten Architekten berufe».

"**) Dahin gehört die Herstellung der Hanptfacade des Königlichen Pattastes in der Hauptstadt, weiche sehrbaufällig geworden war; die neue Kirche dell' Anunziata, die stick sowohl durch ihre Regelmäßigkeit, alsdurch ihre merkwürdige Bedachung auszeichnet; das Gebäud für die Kavallerie bev der Magdalenenbrncke,und die große Baute auf dem Platze del Spirito santo. (Aus Handschrift!. Notizren seines SchülersBrennn).

f) D>'e Zeichnungen dazu ließ Vanvitelli >756. von Rochus Pozzi auf -ä. große Bl. stecken, und eignetedas Werk dem König und der Königin zu. Daß er auch den Königl. Pallast von Cape di Mvntt in derBorstadt von Neapel erbauet habe, ist wohl ein Quid pro Quo bey Lschin 1. -97.